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Sünder Vettel geht nach Sieg-Klau in Team-Therapie

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Sünder Vettel geht nach Sieg-Klau in Team-Therapie

25.03.2013, 23:31 Uhr | dpa

Sünder Vettel geht nach Sieg-Klau in Team-Therapie. Sebastian Vettel (l) hat gegenüber Teamkollege Mark Webber etwas gutzumachen.

Sebastian Vettel (l) hat gegenüber Teamkollege Mark Webber etwas gutzumachen. (Quelle: dpa)

Sepang (dpa) - In tiefer Reue will sich Formel-1-Sünder Sebastian Vettel nach seinem Ego-Trip von Malaysia in die Team-Therapie begeben.

"Es wird bestimmt noch jede Menge Gespräche geben, denen ich mich auch stellen werde", beteuerte der Red-Bull-Pilot, beschämt über seinen Sieg-Klau in Sepang. Mit seinem beinharten Überholmanöver gegen Stallkollege Mark Webber hat Vettel alte Wunden aufgerissen, die nur schwer wieder zu heilen sein werden. Einen "Bürgerkrieg bei Red Bull" witterte die englische Zeitung "Guardian".

Nach dem 27. Grand-Prix-Sieg seiner Blitzkarriere stand Vettel als Verlierer da. Und es drohen schmerzhafte Nachwirkungen. Ein Vorteil im Titelrennen ist es sicher nicht, wenn das eigene Team sein Vertrauen missbraucht sieht und der Kollege zum Intimfeind wird. Hilfe von Webber kann WM-Spitzenreiter Vettel in den verbleibenden 17 Rennen kaum erwarten - im Gegenteil. Der 36-Jährige aus Queanbeyan dürfte im letzten Vertragsjahr bei Red Bull mehr denn je seine eigene Agenda verfolgen, ohne Rücksicht auf Vettel.

Der Deutschen und Webber sollen sich am Sonntag in Malaysia immerhin noch die Hand gegeben haben. Zumindest sagte das Red-Bull-Motorsportdirektor Helmut Marko. "Bei der üblichen Nachbesprechung des Rennens gab es ein Handshake zwischen den Piloten. Damit ist die Sache für uns erst einmal erledigt", meinte Marko in einem Interview des Senders ServusTV.

Ob die Sache tatsächlich damit erledigt ist, darf bezweifelt werden. Webber fühlt sich betrogen und sieht seinen jungen Kollegen nicht zum ersten Mal übervorteilt. "Wir haben schon eine gewisse Geschichte. Aber ich sollte jetzt lieber nichts mehr sagen", meinte der Australier schmallippig. Seit ihrem Crash 2010 in der Türkei hat sich das Verhältnis der beiden Red-Bull-Stars nie wieder normalisiert. Webber machte mehrfach seinem Unmut darüber Luft, dass Vettel angeblich intern bevorzugt wird.

Diesmal sprach sein Vater Alan für ihn: "Red Bull ist natürlich ein europäisches Unternehmen, sie wollen vermutlich mit einem europäischen Jungen kämpfen." Webber selbst hatte schon auf dem Podium geätzt, das Team werde Vettel nach seiner Aktion auch diesmal schützen.

Ganz so einfach dürfte der Deutsche aber wohl nicht davonkommen. "Sebastian weiß, dass es falsch war. Er hat sich entschuldigt, aber wir werden uns hinsetzen und darüber reden", sagte Teamchef Christian Horner. Noch lange war ihm das Entsetzen darüber ins Gesicht geschrieben, wie rücksichtslos sich Vettel dem Überholverbot widersetzt hatte. "Er hat sich entschieden, das zu hören, was er hören will", erklärte Horner. "Vettel ist zweifelsohne vom Syndrom des verwöhnten Kindes, dem man immer hat alles durchgehen lassen hat, in die Irre geführt worden", schrieb "Libération".

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Offener als je zuvor hat Vettel damit auch seine brutale Seite auf der Rennstrecke gezeigt. "Sebastian Vettel lässt seine Maske fallen", meinte die Londoner "Times": "Vettel zeigte eine Seite seines Charakters, die sich über das knuddelige, fröhliche Image des jüngsten Dreifach-Weltmeisters hinwegsetzte."

Nicht wenige fühlen sich bereits an Michael Schumacher erinnert, der auf seinem Weg zu sieben Titeln des Öfteren die guten Manieren vergaß und einmal sogar seinen Bruder Ralf Richtung Boxenmauer drängte. Siegen um jeden Preis. "Der Rekordweltmeister war immer bekannt für seine Bedingungslosigkeit gegenüber Gegnern und Teamkollegen. Und das machte ihn für viele zur Persona non grata. Auf der anderen Seite kam er so an die Spitze der Königsklasse. Das Kalkül: Emotionen flauen ab, Rekorde bleiben", schrieb die "Tiroler Tageszeitung".

Nun hat "Kannibale" ("La Stampa") Vettel die Rolle des erfolgsgierigen Bösewichts. "Egoisten sind sie im Rennauto alle", sagte TV-Experte Niki Lauda, warnte aber: "Er hat mit aller Gewalt gegen jede Logik des Teams gewonnen. Das war ein schwerer Fehler." Mit etwas Verzögerung kam auch Vettel zu dieser bitteren Einsicht. "Aber ich kann es jetzt nicht mehr ändern", klagte der Hesse. Und so blieb für Ex-Weltmeister Nigel Mansell aus Großbritannien der Rennausgang eine "große Schande". Sein Landsmann David Coulthard plädierte immerhin dafür, dass man Vettel die Zeit geben solle, aus seinen Fehlern zu lernen.

Gerade mal drei Wochen bleiben Vettel und Red Bull vor dem nächsten Gastspiel in China, die gewaltigen Risse zumindest notdürftig zu kitten. "Sie sind sicher keine Busenfreunde, aber die beiden haben Respekt voreinander. Mit etwas Abstand werden sie das hinter sich lassen", flehte Teamchef Horner. Bei Webber hörte es sich etwas anders an: "Ich werde mir in Australien ein paar Wellen schnappen, das ist eine gute Medizin. Ob es genug Medizin ist, werden wir sehen."

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