30.06.2013, 16:22 Uhr | pr, sid, t-online.de
Kehrmaschinen auf der Strecke - sowas hat man während eines Formel-1-Rennens auch noch nicht gesehen. Beim Großen Preis von Großbritannien flogen den Fahrern die Reifen reihenweise um die Ohren. Nico Rosberg und Sebastian Vettel bewahrten in diesem Chaos die beste Übersicht und es sah lange nach einem deutschen Doppelsieg auf englischem Boden aus. Dann bremste jedoch die Technik den Weltmeister aus und er musste seinen Red Bull am Streckenrand parken. Rosberg profitierte und schnappte sich den Sieg in Silverstone vor Mark Webber, der die Red-Bull-Ehre rettete. Dritter wurde Fernando Alonso.
"Das Auto war überragend und ist immer schneller und schneller geworden", sagte Rosberg und fügte mit einem Lächeln hinzu: "Das Team hat einen fantastischen Job gemacht. Als Sebastian stehengeblieben ist, war ich nicht wirklich enttäuscht, um ehrlich zu sein." Am Abend musste Rosberg dann plötzlich um seinen Sieg zittern, weil er eine Gelbe Flagge missachtet haben soll. Die Rennkommissare des Automobil-Weltverbandes FIA untersuchten den Fall, verwarnten Rosberg aber nur.
Beim Start konnte Lewis Hamilton die Führung behaupten. Silberpfeil-Kollege Rosberg verlor jedoch seine Position an Vettel. Stark war auch der Start von Sutil, der direkt zwei Positionen gut machte und auf vier vorfuhr. Somit waren nach der Startphase drei Deutsche unter den ersten vier.
Einen überragenden Start zeigte der bisher in Großbritannien enttäuschende Felipe Massa. Er fuhr von Position elf los und befand sich nach wenigen Kurven bereits auf Platz fünf. Das Gegenteil präsentierte Webber, der wieder einmal ganz schlecht wegkam, dann auch noch mit Romain Grosjean kollidierte und sich den Frontflügel seines Red Bulls beschädigte. Das Resultat: Platz 15.
Der von P9 gestartete Räikkönen konnte zu Beginn drei Plätze gut machen, Alonso raste von Rang zehn auf acht vor.
Der Schock für die englischen Zuschauer folgte ihn der achten Runde. Der Silberpfeil des Lokalmatadors erlitt in Kurve vier einen kapitalen Reifenschaden hinten links und verlor die Führung. Dadurch führten mit Vettel, Rosberg und Sutil drei Deutsche das Rennen auf englischem Boden an. Hamilton kämpfte sich wieder durch das Feld und konnte immerhin noch Vierter werden.
Wenig später platzte auch der linke Hinterreifen von Massa in der gleichen Kurve wie der von Hamilton. Der Brasilianer flog ab, konnte einen Einschlag aber verhindern.
Die beiden Reifenschäden warnten die anderen Fahrer und viele legten einen früheren Sicherheitsstopp ein, um sich frische Pneus zu holen.
Damit aber nicht genug. Der nächste, den es erwischte, war Jean-Eric Vergne. Sein linker Hinterreifen löste sich spektakulär auf und verfehlte den hinterherfahrenden Kimi Räikkönen nur knapp. Damit hatte die Rennleitung genug gesehen. Sie schickte das Safety Car auf die Strecke.
Währenddessen meldete Red Bull per Funk, dass auch an Vettels gewechselten Reifen eine Beschädigung festgestellt wurde. "Sebastian, dein linker Hinterreifen war beschädigt. Halte dich bitte von den Randsteinen fern“, funkte die Crew. Bei Teamkollege Webber wurden nach dem Boxenstopp ebenfalls Beschädigungen am linken Hinterreifen gefunden. Weiterhin war unklar, ob die Ursache die Reifen oder die Strecke war.
Mehrere Streckenmarshalls liefen auf dem Kurs herum und suchten die Ursache für die Reifenschäden. Gummiteile wurden eingesammelt und große Kehrmaschinen eingesetzt.
Zur Rennhälfte kam das Safety Car wieder rein. Weiterhin führten die drei Deutschen das Rennen an. Dahinter befanden sich Alonso und Räikkönen. Sutil fuhr aber so schnelle Runden, dass Angriffe der Favoriten nicht möglich waren. Am Ende musste er sich dann aber doch mit Platz sieben begnügen. Räikkönen wurde Fünfter.
Damit war das Reifenchaos aber noch nicht beendet. Weil es bei Nico Hülkenberg ebenfalls Probleme gab, musste er auch noch einmal neue Reifen in der Box aufziehen lassen. Das warf den Sauber-Piloten ans Ende des Feldes. Er beendete das Rennen auf Platz zehn.
Vettel führte das Rennen bis zehn Runden vor dem Ende souverän an. Dann aber machte ein Getriebeschaden alle Hoffnungen auf einen Sieg des Weltmeisters zu Nichte. "Es kam sehr plötzlich, eigentlich war alles in Ordnung. Dann wollte ich vom fünften in den sechsten Gang hochschalten, der fünfte hat sich dabei verabschiedet", sagte er.
Rosberg war der Nutznießer des Ausfalls und liegt damit in der WM-Wertung weiter auf Rang sechs (82 Punkte). Titelverteidiger Vettel liegt trotz seines Ausfalls weiter in Führung (132 Punkte) und fährt als WM-Spitzenreiter zu seinem Heimrennen nächste Woche auf dem Nürburgring. Zweiter ist Alonso (111). Auf Rang drei liegt Räikkönen (98).
30.06.2013, 16:22 Uhr | pr, sid, t-online.de
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