27.07.2013, 08:22 Uhr | sid, t-online.de
Sebastian Vettel schmunzelt und schüttelt den Kopf. Dann setzt er nochmal an. Nein, sagt er, noch nichts sei entschieden im Kampf um die WM: "Ich bin doch auch nicht vor Fehlern gefeit, genauso wenig wie das Team. Es gibt keine Garantie, dass es so weitergeht."
Der Weltmeister und Spitzenreiter muss rund um den Großen Preis von Ungarn (Qualifying am Samstag ab 13.45 Uhr im t-online.de Live-Ticker) vielen Leuten erklären, warum es eigentlich noch spannend ist in der Formel 1. Das tut er ausdauernd, wird dabei zum Anwalt seiner Konkurrenten. Das Problem: Sogar die Gegner räumen ein, dass es kurz vor der Sommerpause eng wird für sie.
In den ersten zwei freien Trainings auf dem Hungaroring war Red Bull nicht zu schlagen. Beide Sessions gewann Vettel vor seinem Teamkollegen Mark Webber. Die Hitze in Ungarn scheint dem Weltmeister-Team nicht zu schaden. Das sind keine guten Aussichten für die Verfolger, die den Rückstand auf Vettel noch vor der Sommerpause gerne verkürzen würden.
So wie Fernando Alonso. "Wir müssen vor Vettel ins Ziel kommen", sagte der Spanier, "der Rückstand wird zu groß. Wir müssen die Lücke so schnell es geht schließen." Das sind neue Töne von Alonso, der sich in den vergangenen Monaten stets betont entspannt gab angesichts des Rückstandes auf den Weltmeister im Red Bull. Die Saison sei noch lang, schon größere Rückstände seien in den Vorjahren aufgeholt worden.
Doch vor dem zehnten von 19 Saisonrennen hat sich die Einschätzung des zweimaligen Champions geändert. Mit 157 Punkten führt Vettel das Klassement an, Alonso (123) hat bereits 34 Punkte Rückstand, sogar 41 Zähler sind es für Lotus-Pilot Kimi Räikkönen (116).
Das Wochenende in Ungarn sei nun ein besonders wichtiges für die Hoffnungen bei der Scuderia, so Alonso: "Denn danach kommt die Sommerpause. Wenn sich die Lücke vergrößert wäre das sehr schlecht für unsere Motivation, es würden sehr stressige vier Wochen werden."
Mehr als der Rückstand dürfte die Konkurrenten jedoch die unterschiedliche Leistungsfähigkeit Sorgen bereiten. "Wenn man sich die letzten Rennen anschaut, war es ja nicht so, dass niemand anderes eine Chance hatte", sagt Vettel zwar, doch es waren eben stets andere Konkurrenten, die mit dem Weltmeister mithalten konnten. Weder Ferrari, noch Lotus, noch Mercedes mit Nico Rosberg und Lewis Hamilton kamen an die Konstanz von Red Bull heran.
Es stimmt, sagt Vettel, "wir haben ein Auto, das überall konkurrenzfähig ist, von Monaco bis zu einem Highspeed-Kurs wie Silverstone." Und eben das fehlt allen Konkurrenten.
Angesichts dieser Ungleichheit erlaubte sich Alonso vor Budapest nun eine Spitze gegen Vettel, die man in dieser Form lange nicht mehr von ihm gehört hatte - ein weiteres Zeichen seiner Unzufriedenheit. "Einfach jeder Fahrer, den man in einen Red Bull setzt, ist sehr schnell. Wir haben das zuletzt beim Young-Driver-Test in Silverstone gesehen", sagte Alonso und bezog sich damit auf den starken Auftritt von Toro-Rosso-Pilot Daniel Ricciardo. "Es ist ein Fakt, dass das Auto besser ist als alle anderen."
Dass Vettel seine Erfolge dem Auto verdankt, hat er häufiger gehört in den vergangenen Jahren, ihn stört das nach drei WM-Titeln in Folge kaum noch. Ob es schwierig sei, angesichts seiner Dominanz neue Herausforderungen zu finden, wird er in Budapest noch gefragt. "Ich muss nicht darüber nachdenken, wer oder was mich antreibt", sagt Vettel, "wir wissen alle, was wir wollen. Wir haben immer noch ein klares Ziel." Im Kampf um die WM sind das keine guten Nachrichten für die Konkurrenz.
27.07.2013, 08:22 Uhr | sid, t-online.de
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