27.07.2013, 15:48 Uhr | t-online.de, sid
Sergej Sirotkin sammelte bislang nur Rennerfahrung in der zweitklassigen Renault World Series. (Quelle: GEPA Pictures/imago)
Der finanziell angeschlagene Formel-1-Rennstall Sauber ist nach der erfolgreichen Partnerschaft mit drei russischen Geldgebern zwar seiner Rettung einen Schritt nähergekommen. Doch als Gegenleistung wünschen sich die neuen Geschäftspartner, dass der erst 17-jährige Russe Sergej Sirotkin ab der Saison 2014 für die Schweizer im Cockpit sitzt. Sirotkin besitzt allerdings gar keine gültige Fahrer-Lizenz. Zudem wird er von Saubers Motoren-Zulieferer Ferrari laut "Welt.de" bereits als "Industriespion" bezeichnet.
Seitdem eine Allianz aus einem russischen Investmentfonds und das nationale Institut für Luftfahrt und Technologie beschlossen hat, mehr als 400 Millionen Euro in die Rettung des Privatteams zu investieren, steht der junge Russe, der im August 18 Jahre alt wird, im Fokus. Sirotkin, Sohn des steinreichen Geschäftsleiters des russischen Luftfahrtinstituts, wurde mit russischem Staatsgeld eingekauft und bei Sauber auf Wunsch platziert.
Sollte Sirotkin beim Saisonauftakt 2014 an den Start gehen, wäre er der mit Abstand jüngste Fahrer in der Formel-1-Geschichte. "Ich bin kein Paydriver, sondern ein Rennfahrer, der von der russischen Föderation unterstützt wird", verteidigt sich Sirotkin derweil gegen die Vorwürfe, er treibe die Bezahlfahrer-Kultur in der Formel 1 auf einen neuen Höhepunkt. Fakt ist, dass sein Vater ihm mit staatlichem Geld einen Platz im Sauber-Cockpit gekauft hat. Und einen solchen Akt gab es in der Formel 1 noch nie.
Geht es nach dem Automobil-Weltverband FIA und dessen Präsident Jean Todt, die für die Führerschein-Vergabe in der Formel 1 verantwortlich sind, wird Sirotkin erst gar keine Fahrer-Lizenz erhalten. Der weitgehend unerfahrene Sirotkin sei schlichtweg ein zu großes Sicherheits-Risiko. In der Vergangneheit hatten Unfälle von Bezahlfahrern wie Narain Karthikeyan heftige Debatten ausgelöst. Weltmeister Sebastian Vettel hatte sich immer wieder negativ über den indischen Ex-Fahrer geäußert.
Die anderen Fahrer halten unterdessen nicht viel von dem bislang noch unbeschriebenen Blatt. "Ich kenne ihn praktisch nicht", sagte Kimi Räikkönen, der seine Superlizenz bei seinem Debüt 2001 nur auf Bewährung erhalten hatte. Sirotkin hingegen drehte bislang nur sieglos seine Runden in der zweitklassigen Renault World Series.
Auch bei Saubers Motorenlieferant Ferrari verfolgt man die Entwicklung mit Argwohn. Das Umfeld der Scuderia befürchte den unmittelbaren Zugriff auf alle Betriebsgeheimnisse rund um den Ferrari-Motor durch russische Technologie-Firmen. Wertvolles "Insider-Wissen" sei dadurch nicht mehr geschützt.
Überhaupt ist das Vertrauensverhältnis zum Sauber-Personal nachhaltig gestört. Nach "Welt"-Informationen wartet die Scuderia noch immer auf 19 Millionen Euro für bereitgestellte Motoren. Das italienische Traditionsteam hat den Schweizern daher ein Ultimatum gestellt: Sollten in der nächsten Woche nicht wenigstens neun Millionen Euro überwiesen worden sein, wolle man keine weiteren Motoren mehr zur Verfügung stellen.
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