Formel 1
Jetzt oder nie: Mercedes jagt Weltmeister Vettel23.08.2013, 10:05 Uhr | sid, t-online.de
Eigentlich sollte es ein Übergangsjahr werden für Mercedes, der Kampf um die WM in der Formel 1 war ein Thema für 2014. Doch plötzlich jagen neben Fernando Alonso im Ferrari und Kimi Räikkönen (Lotus) auch die Silberpfeile Weltmeister Sebastian Vettel. "Die Fortschritte, die wir in dieser Saison gemacht haben, sind toll", sagte Nico Rosberg, "aber wir wollen mehr und dorthin kommen, wo Vettel ist", schickt er eine Kampfansage an den Red-Bull-Piloten.
Vor dem Start aus der Sommerpause beim Großen Preis von Belgien (Sonntag ab 13.45 Uhr im Live-Ticker bei t-online.de) in Spa ist Mercedes unverhofft ein Titelkandidat - in der Konstrukteurs-WM, aber auch in der Fahrerwertung. Der Rennstall, der in dieser Saison lange mit Reifenproblemen zu kämpfen hatte und einfach nicht in Fahrt kommen wollte, tankte mit drei Siegen in den vergangenen fünf Rennen viel Selbstvertrauen. Nicht vergessen darf man dabei auch sieben Pole Positions in bislang zehn Saisonläufen.
Speerspitze ist Rosbergs Teamkollege Lewis Hamilton. Der Brite hat nach seinem Sieg vor vier Wochen in Ungarn als Vierter des Gesamt-Klassements 48 Punkte Rückstand auf Vettel. Aufholjagd ist also angesagt, ein guter Start ist dabei aus einem Grund besonders wichtig.
Die nächsten zwei Strecken, das schnelle Spa und der Hochgeschwindigkeitskurs in Monza, sollten Mercedes besser liegen als Red Bull. "Wir müssen deshalb auf den Rennstrecken zubeißen, wo Red Bull nicht ganz so gut ist", erklärte Mercedes-Aufsichtsrat Niki Lauda bei "auto motor und sport": "Davon wird alles abhängen. Vielleicht liegen Spa und Monza nicht auf ihrer Welle."
Wenn entscheidende Schritte dort nicht gelingen, gelingen sie wohl gar nicht mehr. Denn nach Spa und Monza kommen die Asien-Rennen auf Strecken, auf den wiederum Red Bull besser zurecht kommt. Hier dreht Vettel meist noch einmal auf.
Und so wirft Mercedes alles in die Waagschale. Obwohl die Rennfabriken in der Sommerpause stets zwei Wochen geschlossen bleiben müssen, treten die Silberpfeile mit Neuerungen in die Ardennen an. "In Spa und auch in Monza haben wir nochmal große Updates. Abhängig von den Ergebnissen müssen wir danach entscheiden, welchen Weg wir für den Rest der Saison gehen", sagte Teamchef Ross Brawn.
Es ist eine wichtige Entscheidung, denn mit richtig großen Chancen auf Titel für Mercedes rechnen die Experten vor allem im Jahr 2014, wenn die Einführung die neu zu entwickelnden Turbomotoren den Werksteams einen Bonus verschaffen dürfte. Zu Saisonbeginn galt es daher als sicher, dass die Silberpfeile ihre Ressourcen früh auf die Entwicklung dieses künftigen Autos konzentrieren würden. "Vor einem halben Jahr", so Motorsportchef Toto Wolff, "wäre es doch verrückt gewesen, über Titel zu sprechen."
Doch angesichts der unverhofften Chancen wäre eine solche Gewichtung Richtung 2014 aktuell geradezu fahrlässig. Ein Dilemma, das auch Rosberg beschreibt. "Ich bin da gespaltener Meinung", sagt der 28-Jährige: "Es ist toll, um Siege zu kämpfen. Aber im nächsten Jahr, da könnten wir noch größere Erfolge feiern." Früher oder später, betonte Lauda, wird sich Mercedes daher entscheiden müssen, wo die Mittel schwerpunktmäßig fließen sollen. "Wir versuchen, das so lange wie möglich hinauszuzögern." Ein erfolgreiches Wochenende in Belgien wäre vorerst ein klares Signal: Die Jagd auf Vettel kann weitergehen.
23.08.2013, 10:05 Uhr | sid, t-online.de
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