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Schumi-Managerin Kehm: "Einer hat sich als Michaels Vater ausgegeben"

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Jagd auf Schumacher  

Schumi-Managerin: "Einer hat sich als Michaels Vater ausgegeben"

14.04.2014, 07:36 Uhr | t-online.de

Schumi-Managerin Kehm: "Einer hat sich als Michaels Vater ausgegeben". Günther Jauch eröffnete seine Talkshow mit einem Interview mit Schumacher-Managerin Sabine Kehm. (Quelle: dpa)

Günther Jauch eröffnete seine Talkshow mit einem Interview mit Schumacher-Managerin Sabine Kehm. (Quelle: dpa)

Von Marc L. Merten

Der ARD und Günther Jauch ist es als erstes Medium gelungen, mit der Managerin und persönlichen Beraterin von Michael Schumacher, Sabine Kehm, ein längeres Gespräch zu führen. Fünfzehn Wochen nach dem Ski-Unfall des Formel-1-Rekordweltmeisters war die Journalistin am Sonntagabend in Jauchs Talkshow zu Gast und berichtete vor Beginn der eigentlichen Talkrunde dem Gastgeber, wie es dem Verunglückten geht, worum es nun wirklich geht und welch teils unverschämte Versuche Leute unternommen haben, um in die Privatsphäre der Familie Schumacher einzudringen.

Dabei erklärte Kehm nicht nur, dass es gute, wenn auch nur sehr kleine, gute Nachrichten gebe. Sie sprach von Freunden Schumachers wie Jean Alesi, der offenbar bei einem Interview unter Druck gesetzt worden war. Sie deckte auf, dass nicht nur ein Priester sich hatte Zugang zu Schumachers Zimmer hatte verschaffen wollen, sondern auch ein Mann, der sich als Schumachers Vater ausgab. Und sie kritisierte selbsternannte Experten und Ärzte scharf, die sich noch immer regelmäßig für wirklichkeitsferne Ferndiagnosen hergeben.

Günther Jauch: Frau Kehm, wie geht es Michael Schumacher im Moment?

Sabine Kehm: Es gibt kleine Fortschritte, die machen uns logischerweise sehr froh und geben uns großen Mut. Aber es sind kleine Momente, Momente der Bewusstheit und auch des Erwachens und der Wachheit. Das ist per se eine gute Nachricht, auch wenn sie sehr klein ist. Ansonsten möchte ich ausdrücklich um Verständnis dafür bitten, dass ich nicht auf die konkreten Dinge eingehen möchte. Ich denke, das ist schon sehr privat. Das geht nur die Familie etwas an.

Sie haben ja selbst gesagt, es gibt Momente des Bewusstseins und des Erwachens. Was ist der Unterschied zwischen Bewusstsein und Erwachen?

Das ist eine sehr gute Frage, die sich wahrscheinlich kein Mensch vorher gestellt hat, der nicht im medizinischen Bereich unterwegs ist. Bei Menschen, die sich das Gehirn verletzen, gibt es für Mediziner diese beiden Bereiche. Es gibt die Wachheit und es gibt das Bewusstsein. Ich bin selbst kein Mediziner, ich kann es also nur laienhaft erklären: Man kann wach sein und kein Bewusstsein haben. Das sind die Menschen, die einfach gar keine Interaktion mit ihrem Umfeld, mit ihrer Umwelt aufnehmen können. Oder man kann auch, das ist dann etwas mehr, Bewusstsein haben. Das bedeutet, man ist in der Lage, wie auch immer, vielleicht auch auf ganz eingeschränktem Bereich, aber immerhin, in Interaktion mit seiner Umwelt treten. Das ist eigentlich eine Voraussetzung, um dann weitermachen zu können.

Alle Angehörigen von Menschen, die schwer krank sind, bewegt die Frage: Wird das wieder? Kann man absehen, ob sich die Dinge schneller oder langsamer entwickeln, ob die Dinge sich verbessern oder ob unter Umständen Hoffnung schwindet? Können, könnten oder wollten Sie solche Fragen beantworten?

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Weder noch. Wie gesagt, ich bin kein Mediziner, aber ich versteige mich zu der These, dass kein Mediziner diese Fragen beantworten könnte. Das ist ein großes Mysterium. Wir wissen über das menschliche Gehirn wirklich sehr viel, aber das, was man wirklich weiß, ist, dass wirklich jeder Fall individuell ist, und jede Verletzung, auch wenn sie nominell gleich ist, sich anders auswirken kann. Prognosen sind deshalb eigentlich nicht wirklich möglich.

Die bekommen Sie auch von den Ärzten nicht?

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Die bekommen wir auch von den Ärzten nicht. Und ich denke auch, kein Arzt würde das machen. Es gibt alle möglichen Fälle, es gibt Entwicklungen in alle Richtungen.

Wie oft sehen Sie Michael Schumacher?

Ich bin fast jeden Tag in Grenoble.

Der ehemalige Formel-1-Pilot Jean Alesi behauptete diese Woche, er habe Michael Schumacher mehrere Mal im Krankenhaus besucht und er habe große Fortschritte festgestellt. Er spricht von "Reaktionen, wenn man ihn gezwickt hat" und ähnliches. Stimmt das? Oder macht sich da jemand wichtig? Und was bedeuten solche Äußerungen für Sie und die Familie?

Also in erster Linie bedeuten diese Äußerungen immer wieder, dass es neue Berichterstattung über diesen Fall gibt. Für die Familie wäre es natürlich wieder mal gut, wenn Ruhe einkehren würde. Jedes Mal, wenn so etwas verbreitet wird, gibt es wieder eine große Diskussion. Es schalten sie leider sehr oft von außen Mediziner ein, die das dann wieder interpretieren. Weil sie aber die Geschichte und die Krankenakte nicht kennen, sind das meistens Interpretationen, die an der Wirklichkeit schwer vorbei gehen. Das ist jedes Mal aufs Neue wieder eine Auseinandersetzung mit der Öffentlichkeit, mit den Medien. Jean Alesi war in der Tat ein Mal in Grenoble, er ist in der Tat ein Freund von Michael, aber vieles von dem, was die Leute dann sagen – und meines Wissens wurde er stark dazu getrieben, überhaupt was zu sagen und unter Druck gesetzt – ist dann oft nicht ganz getreu wiedergegeben worden.

Von außen hat sich zum Beispiel der frühere Formel-1-Arzt Gary Hartstein geäußert und die These aufgestellt, Michael Schumacher sei medizinisch falsch behandelt worden. Wie gehen Sie und wie gehen auf der anderen Seite die behandelnden Ärzte mit solchen Meldungen um?

Das ist wirklich ein großes Ärgernis, das muss ich schon sagen. Die Ärzte in diesem Universitätskrankenhaus in Grenoble sind sehr große Experten auf diesem Gebiet, weil dieses Krankenhaus das Zentrum für die umliegenden Berge ist. Die haben da natürlich immer wieder das Gefühl, sie müssten sich rechtfertigen. Sie werden kritisiert in ihrem Tun. Wir haben dann das Bedürfnis, den Ärzten zu sagen, dass wir an ihnen überhaupt nicht zweifeln. Ich halte das in Teilen für sehr verwerflich, weil alle diese Doktoren, die sich da von außen einschalten, überhaupt keine Kenntnis von dem haben, was da passiert. Und das Schlimme in dem Fall, den Sie hier zitieren, ist, dass das weiterverbreitet wird und sich online als Wirklichkeit manifestiert, als eine virtuelle Wirklichkeit, die mit der echten Wirklichkeit gar nichts zu tun hat. Für die Leute aber ergibt sich ein Bild, was wir jedes Mal eigentlich korrigieren und das wahre Bild erzählen müssten. Aber das wollen wir nicht.

Stimmt es, dass ein Reporter als Priester verkleidet versucht hat ins Krankenzimmer hereinzukommen?

Ja, das stimmt leider. Das war ganz am Anfang. Da gab es diesen Menschen, der dann aber Gott sei Dank von der Security entfernt wurde. Es gab auch einen anderen Fall eines Menschen, der sich als Michaels Vater ausgegeben hat, weil die Leute vor Ort in Grenoble natürlich nicht unbedingt Michaels Vater kennen können. Das kann man ja auch nicht erwarten. Es gab sehr viele abstruse Fälle von Leuten, die versucht haben, auf die Intensivstation vorzudringen, um ein Foto oder ein Video zu machen.

Dann gibt es die echte Anteilnahme von vielen Fans. Kommen da in erster Linie Briefe, Mails, bringen Leute was vorbei, kommen sie selber? Was passiert da?

Das ist wirklich ganz toll, da muss ich wirklich sagen. Diese Anteilnahme ist wirklich überwältigend. Sie kommt von wohlmeinenden Menschen und sie gibt der Familie wirklich Kraft, weil man das Gefühl hat, man wird unterstützt, man empfängt positive Energie. Die schreiben Briefe, die schicken Geschenke, auch sehr viele E-Mails. Es kommt jeden Tag viel Post im Krankenhaus an, auch bei uns im Büro. Noch immer. Heute sind es 15 Wochen. Das ist wirklich beeindruckend. Das ist auch der Grund, weshalb wir immer wieder gesagt haben, wir sagen doch ein bisschen mehr als wir vielleicht gerne getan hätten, weil wir den Eindruck hatten, die Leute haben ein genuines Interesse und ein sehr liebevolles Interesse. 


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