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Formel 1  

Reifendebatte: Vettel schimpft - Pirelli wehrt sich

24.08.2015, 13:38 Uhr | dpa

Motorsport - Reifendebatte: Vettel schimpft - Pirelli wehrt sich. Sebastian Vettel schimpfte nach seinem Reifenplatzer.

Sebastian Vettel schimpfte nach seinem Reifenplatzer. Foto: Andrej Isakovic. (Quelle: dpa)

Spa-Francorchamps (dpa) - Sebastian Vettel hat der Formel 1 mit seiner wütenden Kritik an Hersteller Pirelli eine explosive Reifendebatte beschert.

Unterstützt von Mercedes-Kontrahent Nico Rosberg wetterte der empörte Ferrari-Star nach seinem Pneu-Drama von Spa gegen die Italiener, musste sich im Gegenzug aber Vorwürfe einer zu aggressiven Rennstrategie gefallen lassen. Rosberg, dem am Wochenende in Belgien wie bei Vettel der rechte Hinterreifen bei höchstem Tempo plötzlich gerissen war, gab Vettel Rückhalt. "Es kann nicht sein, dass die Reifen so ohne Vorwarnung platzen", kritisierte er in einer Video-Botschaft und forderte Nachbesserungen. "Wir müssen da Sicherheit reinbringen."

Pirelli konterte die Schelte des viermaligen Weltmeisters Vettel mit einem Verweis auf das empfohlene Rennkonzept. Die betreffende Mischung sei auf höchstens 22 Umläufe ausgelegt gewesen. Vettel hingegen war im Gegensatz zur Konkurrenz mit einer mutigen Ein-Stopp-Strategie unterwegs und hatte bis zu seinem Ausfall mit den neuen Pneus schon 28 Runden gefahren. Außerdem, teilten die Italiener mit, sei ihr Vorstoß Ende 2013, eine Obergrenze für den Gebrauch von Reifensätzen zu reglementieren, nicht angenommen worden.

Der hochemotionale Vettel hatte kurz nach Rennende gegen Pirelli gestänkert. "Es muss mal gesagt werden, die Qualität der Reifen ist miserabel", empörte sich der Heppenheimer, der nach seinem Ausfall im Wettstreit mit dem souveränen Sieger Lewis Hamilton und dem Zweiten Rosberg an Boden verloren hat. "Demnächst knallt einer in die Wand."

Die Deutlichkeit, mit der Vettel seine Worte wählte, nötigte manchen Respekt ab. "Vettel sagt nicht oft seine Meinung, aber wenn, dann tut es er mit einem Nachdruck, den man in diesem Sport selten findet", schrieb der britische "Telegraph". Der "Corriere dello Sport" aus Ferrari- und Pirelli-Land Italien meinte: "So wütend wie in Spa hat man ihn noch nie gesehen. Und Vettels Wut richtet sich noch nicht einmal gegen den verlorenen Podiumsplatz. Sebs Gefühlsausbruch kommt viel mehr von dem Bewusstsein, einer großen Gefahr entkommen zu sein, einer Lebensgefahr."

Vettels Teamchef Maurizio Arrivabene bemühte sich unmittelbar nach dem Reifendesaster seines Schützlings in der vorletzten Runde um Beschwichtigung. "Ich werde keinen Kampf mit Pirelli eröffnen", stellte er besonnen klar. "Unsere Strategie war vielleicht aggressiv, aber nicht riskant. Unsere Entscheidungen zur Strategie basieren immer auf Daten und Fakten, und die Daten waren klar. Wir würden niemals ein unnötiges Risiko für einen unserer Fahrer eingehen."

Vor allem mit Blick auf das nächste Rennen in zwei Wochen in Italien muss Pirelli die Vorfälle in Belgien restlos aufklären. "Monza ist die schnellste Strecke des Jahres. Sie müssen sich da etwas überlegen, um die Situation zu verbessern", verlangte Rosberg. Pirelli zufolge war für seinen Unfall ein Fremdkörper schuldig, im Fall Vettel war der Verschleiß der Pneus am Ende zu hoch.

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Vereinzelt wurden auch Erinnerungen an Silverstone 2013 wach. Damals platzten auf spektakuläre Weise reihenweise Reifen. Ursache war aber, dass die Formel 1 vom Exklusivlieferanten Pneus mit höherem Verschleiß zur Verbesserung der Show forderte. Später waren die Italiener wieder zu sichereren Mischungen zurückgekehrt.

Während sich in den Ardennen so einige in der Formel 1 in Rage redeten, genoss Hamilton fast schon still seinen Triumph. "Lewis Hamilton verbringt ein tolles Wochenende. Nach seiner Rückkehr aus den Ferien muss er sich in Belgien so wohl gefühlt haben, als wäre er noch am Badestrand", schrieb die spanische Zeitung "El País". Unwiderstehlich wies der Brite seine Konkurrenten in die Schranken. Hamilton rast in Richtung dritter Weltmeistertitel. "Ich bin so stark und glücklich wie noch nie in meinem Leben", schwärmte er. "Ich liebe meinen Job - es ist der tollste in der Welt."

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