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Formel 1: Sebastian Vettel ist sich klar, dass er "kein gutes Beispiel" ist

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Anleitung zur Resozialisierung  

Sebastian Vettel ist "kein gutes Beispiel"

04.07.2017, 12:48 Uhr | dpa

Formel 1: Sebastian Vettel ist sich klar, dass er "kein gutes Beispiel" ist. Mit einem blauen Auge davongekommen: Sebastian Vettel bekommt für seinen Wut-Rempler keine weitere Strafe aufgebrummt.

Mit einem blauen Auge davongekommen: Sebastian Vettel bekommt für seinen Wut-Rempler keine weitere Strafe aufgebrummt. Foto: Paul Chiasson. (Quelle: dpa)

Nach dem Gnadenakt von Paris wartet auf Sebastian Vettel ein langer Bußgang. Der Automobil-Weltverband FIA um Präsident Jean Todt legte die Wut-Attacke des Ferrari-Stars beim Formel-1-Rennen in Aserbaidschan zwar ohne gravierende Extra-Sanktionen zu den Akten.

Doch neben einer öffentlichen Entschuldigung verpflichtete sich der viermalige Weltmeister dazu, in den kommenden zwölf Monaten einen größeren Teil seiner Freizeit in den Dienst "erzieherischer Aktivitäten" in der Welt des Motorsports zu stecken. Die Stellungnahme der FIA wenige Tage vor dem Grand Prix von Österreich in Spielberg erscheint dabei teilweise wie die Anleitung zur Resozialisierung eines Formel-1-Rüpels.

Vettel war ausgerechnet an seinem 30. Geburtstag am Montag zusammen mit Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene vor Todt und dessen Gremium zum Rapport angetreten. Nach der Auswertung von Videos und weiteren Daten übernahm der Heppenheimer bei der Anhörung die volle Verantwortung für den Rammstoß gegen Mercedes-Pilot Lewis Hamilton vor rund einer Woche in Baku. Vettel entschuldigte sich "aufrichtig" vor dem Weltverband und der Motorsport-Familie.

Der Hesse ging aber noch weiter. Er zeigte nach außen Reue und machte seine Abbitte auf seiner Homepage öffentlich. "Im Eifer des Gefechts habe ich dann überreagiert und deshalb möchte ich mich bei Lewis direkt entschuldigen und auch bei all jenen Menschen, die sich das Rennen angesehen haben. Mir ist klar, dass ich kein gutes Beispiel abgegeben habe", schrieb Vettel einsichtig.

"Sportler müssen sich dessen bewusst sein, welchen Einfluss ihr Verhalten auf jene haben kann, die zu ihnen aufschauen", tadelte Michael Schumachers langjähriger Ferrari-Teamchef Todt den Deutschen und strich ihn bis zum Ende des Jahres aus seiner Kampagne zur Straßensicherheit. "Sie sind Helden und Vorbilder für Millionen von Fans weltweit und müssen sich benehmen." Sollte sich so ein Verhalten wiederholen, warnte Todt, lande es sofort vor dem Internationalen Tribunal, das sogar Rennsperren aussprechen kann.

"Die FIA wählt Milde für Vettel", titelte "L'Équipe" aus Frankreich am Dienstag. Die englische "Daily Mail" ätzte: "Zyniker werden die Tatenlosigkeit als 'Beweis' dafür sehen, dass die FIA in Wirklichkeit 'Ferrari International Assistance' bedeutet."

Vettel war in Aserbaidschan aus Wut über ein vermeintliches Bremsmanöver von Hamilton hinter dem Safety-Car absichtlich ans linke Vorderrad des Mercedes-Manns gefahren. Die Rennleitung hatte den Heppenheimer daraufhin mit einer Zehn-Sekunden-Standzeit bestraft und ihm in seinem Sündenregister drei weitere Strafpunkte verpasst. Die Sanktionierung kostete Vettel den möglichen Sieg, seine WM-Führung vor Hamilton baute er dennoch um zwei auf 14 Punkte aus.

Die FIA kam ins Grübeln, ob die Strafe nicht zu milde war. Deshalb wurde Wiederholungstäter Vettel auch vorgeladen. Im vergangenen Jahr in Mexiko hatte er Renndirektor Charlie Whiting und Red-Bull-Pilot Max Verstappen via Boxenfunk wüst beschimpft.

Todt wollte nun vermutlich nicht noch gravierender in den WM-Zweikampf eingreifen. Für den früheren Formel-1-Piloten David Coulthard ist das Thema damit durch. "Wir sollten dieses Kapitel schließen", empfahl der Schotte vor dem Rennen in Spielberg, "und den Kampf zweier großartiger Champions genießen."

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