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Hansa Rostock schreckt vor Klagen gegen Fans nicht zurück

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"Es wird viele Risikospiele geben"

14.06.2011, 16:34 Uhr | Das Interview führte Mark Weidenfeller, t-online.de

Hansa Rostock schreckt vor Klagen gegen Fans nicht zurück. Problemfall: Die Fans von Hansa Rostock: (Foto: imago)

Problemfall: Die Fans von Hansa Rostock: (Foto: imago)

Der FC Hansa Rostock ist zurück in der 2. Bundesliga. Trotz des Aufstiegs aus der 3. Liga ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen beim Klub von der Ostsee. Im Interview mit t-online.de spricht Bernd Hofmann, der Vorstandsvorsitzende des FC Hansa, darüber, wie der Verein die Probleme mit den Fans aus der Welt schaffen will, über die Gefahr der Ultra-Gruppierungen und, warum er sich trotz aller noch anstehender Arbeit auf die nächste Saison freut. 

Herr Hofmann, freuen Sie sich, dass sich Dynamo Dresden in der Relegation gegen Osnabrück durchsetzen konnte und somit ein weiterer Verein aus dem Osten im nächsten Jahr in der 2. Bundesliga spielt?
Hofmann: Dresden hat es sich sportlich verdient, aufzusteigen. Wir sind keinesfalls unglücklich, dass es erneut zum Duell mit Dynamo kommt. Das werden zwei spannende Duelle, auf die sich mit Sicherheit vor allem unsere Fans riesig freuen.

In der vergangenen Saison gab es bei der Partie zwischen Hansa und Dynamo Ausschreitungen. Befürchten Sie so etwas im nächsten Jahr wieder?
Ich würde nicht von Ausschreitungen sprechen. Bei der Partie in Dresden gab es unerlaubten Einsatz von Pyrotechnik, beim Rückspiel hatten wir im Stadion keinerlei Probleme. Die Dresdner Fans sollen zwar versucht haben, das Kassenhaus zu stürmen, aber sonst ist nichts passiert. Erwähnenswert ist da eher, dass beide Spiele komplett ausverkauft waren und eine super Stimmung herrschte. 

Der Deutsche Fußball-Bund hat die Partien zwischen Rostock und Dresden schon jetzt als Problemspiele eingestuft. Sehen sie das genauso?
Ich kann nicht für den DFB sprechen. Wir beschäftigen uns mit dem Spiel, wenn es fest angesetzt ist. Es gibt aber sicherlich einige Partien, auch zwischen Vereinen wie beispielsweise Frankfurt und Karlsruhe, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Risikospiele sind. 

Die Fans von Hansa Rostock sorgten in dieser Spielzeit für einige Negativ-Schlagzeilen, so zum Beispiel durch ein Bin Laden-Plakat oder die Spielunterbrechung in Ahlen. Was tun Sie, damit das im nächsten Jahr besser wird?

Wir stehen natürlich im ständigen Dialog mit den Fans. Wir haben einen weiteren sozialpädagogischen Mitarbeiter im Bereich der Fan-Betreuung eingestellt, der ab dem 1. Juli verstärkt mit den jugendlichen Fans arbeiten wird, um schon dort präventiv zu wirken. Die jungen Fans sollen direkt über den Verein an Hansa Rostock herangeführt werden. Wir haben mehrere Projekte an Schulen gestartet, um zu sensibilisieren und möglichen Entwicklungen der jugendlichen Fans in eine falsche Richtung vorzubeugen. 

Immer im Einsatz: Hansas Vorstandsvorsitzender Bernd Hofmann (Foto: imago) Immer im Einsatz: Hansas Vorstandsvorsitzender Bernd Hofmann (Foto: imago)Darüber hinaus ist unsere Politik ganz klar. Wir werden mit Hilfe der Polizei versuchen, die Personen, die dem Verein durch ihr Verhalten Schaden zufügen, zu identifizieren, um dann entsprechend Stadionverbote zu verhängen. Mehr Mittel zur Sanktionierung stehen uns als Verein nicht zu. Der nächste Schritt wäre, dass die Politik Vorkehrungen trifft und Gesetze entwirft, um solche Straftäter auch mit Geldstrafen belegen zu können und die Rechtsprechung diese auch zeitnah umsetzt.

Man hat insgesamt den Eindruck, dass die Gewaltbereitschaft unter den Fans enorm gestiegen ist. Die Ultras kontrollieren die Stadien, wollen Mitspracherecht im Verein. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Die Ultras sind eine "Modeerscheinung“, die vor allem bei den Jugendlichen extrem angesagt ist. Es ist cool, dabei zu sein und Dinge in einer gewissen Anonymität zu tun, die man sonst nie machen würde. Diese Entwicklung birgt mit Sicherheit Gefahren in sich und spiegelt gesellschaftliche Probleme wider. 

Sie haben die Stadionverbote bereits angesprochen. In der letzten Woche haben Sie zehn Stadionverbote gegen Hansa-Fans ausgesprochen. Glauben Sie, dass sich die Fans dadurch in Zukunft ändern?
Es ist wichtig, dass die Leute, die dem Verein schaden, bestraft werden. Damit ändern wir aber das Problem in der Gesellschaft nicht. Eine Bestrafung ist notwendig, aber wichtiger ist es, durch sozialpädagogische Fan-Projekte die Jugendlichen zu erreichen und ihnen Perspektiven aufzuzeigen. Daran arbeiten wir bei Hansa und sicherlich auch die anderen Vereine mit Hochdruck.

Könnten Sie sich auch Klagen gegen Fans vorstellen? Immerhin leidet nicht nur die Reputation des Vereins, sondern in möglichen Fällen von Geisterspielen entsteht auch ein finanzieller Schaden für den Klub.
Das haben wir bereits getan. Wir sind der erste Verein, der Fans auf Schadensersatz verklagt hat. Das ist ein Präzedenzfall in Deutschland. Wir werden also auch in Zukunft nicht zögern, diese Straftäter, die unserem Verein einen Schaden zufügen, auch zivilrechtlich zu belangen.

Die Frankfurter Fans hielten in Dortmund ein Plakat hoch mit der Aufschrift "Krawallmeister 2011". Befürchten Sie, dass das Fans von anderen Vereinen animieren könnte, diesen Titel im nächsten Jahr "gewinnen" zu wollen?
Fakt ist, dass die 2. Bundesliga im nächsten Jahr eine sportlich sehr interessante Liga ist. Klar ist aber auch, dass es aufgrund der vielen Traditionsvereine eine hohe Anzahl an Risikospielen geben wird. Ich bin mir sicher, dass die Vereine und die Behörden die entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen treffen werden.

Glauben Sie, dass man das Problem der Pyrotechnik durch Legalisierung in den Griff kriegen könnte?
Das glaube ich nicht; das sieht man ja in anderen Ländern. Letztlich ist in Deutschland Pyrotechnik verboten. Die Entscheidung zur Legalisierung obliegt der Gesetzgebung beziehungsweise dem Deutschen Fußball-Bund.

Freuen Sie sich trotz aller Probleme im Hintergrund auf die neue Saison? Rostock spielt immerhin wieder in der 2. Bundesliga.
Auf jeden Fall. Die Liga ist enorm attraktiv und wird viele Zuschauer anziehen. Die Stadien werden voll sein und die Stimmung mit Sicherheit erstklassig. Bei mir überwiegt definitiv die Vorfreude auf die stimmungsgeladenen Spiele, als die Angst vor möglichen Ausschreitungen.

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