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Hansa Rostock: Fünf vor zwölf auf den Rängen

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Fünf vor zwölf auf den Rängen

30.11.2011, 15:32 Uhr | t-online.de

Hansa Rostock: Fünf vor zwölf auf den Rängen. Fans gefährden sich selbst und schaden den Vereinen auf den Rängen deutscher Stadien (Quelle: imago)

Fans gefährden sich selbst und schaden den Vereinen auf den Rängen deutscher Stadien (Quelle: imago)

"Der Verein ist in einer existenzbedrohenden Lage." Treffender als in der "Bild"-Zeitung könnte Bernd Hofmann, Vorstandsvorsitzender des FC Hansa Rostock, die aktuelle Situation des Zweitligisten nicht beschreiben. Sportlich als auch wirtschaftlich steht der Traditionsverein aus den neuen Bundesländern am Scheideweg. 173.000 Euro an Geldstrafen in den vergangenen drei Jahren bestätigte Hofmann im NDR-"Sportclub". Sehr viel Geld für einen Verein, der kürzlich auf seiner Mitgliederversammlung einen Schuldenstand von knapp 16 Millionen Euro bekanntgab. Nun hat auch noch der Sponsor Veolia verkündet, den auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Gewalttäter führen den Verein an den Rand des Abgrunds und ramponieren das Image.

Die beiden brisanten Heimspiele gegen den FC St. Pauli und Union Berlin innerhalb von nur einer Woche hat Hansa Rostock auf allen Ebenen verloren. Die sportliche Bilanz sieht mit null Punkten und 3:8 Toren ernüchternd aus. Auch auf den Rängen lief vieles schief. Das Spiel gegen die Hamburger wurde für 13 Minuten unterbrochen, nachdem auf den Rängen Knallkörper und Leuchtraketen gezündet worden waren. Nach dem Spiel kam es zu Ausschreitungen und im Spiel gegen Union zum Einsatz von Pyrotechnik im Gäste-Block. Zum wiederholten Mal hatten die Sicherheitsvorkehrungen versagt. Auf die Strafe durch den DFB wartet der Verein noch, sie dürfte drastisch ausfallen und könnten zu einem Geisterspiel oder einer Platzsperre führen.

Drakonische DFB-Strafe

Neben Hansa steht in der aktuellen Situation auch Dynamo Dresden im Fokus. Die Sachsen teilen sich mit dem Verein von der Ostsee den Hauptsponsor und wurden nach den Vorkommnissen im DFB-Pokalspiel bei Borussia Dortmund für den Wettbewerb in der kommenden Saison gesperrt. Eine drakonische Strafe, die auf viel Kritik stieß. Die Vermutung liegt nahe, dass ein Exempel statuiert werden sollte. Der verantwortliche Richter am Sportgericht hatte in der Begründung des Urteils seine ganz eigene Sicht der Dinge. Die Entwicklung in England dient seiner Ansicht nach als vorbildliches Beispiel für die positive Langzeitwirkung solcher Strafen. Englische Klubs wurden in den späten 80er Jahren nach der Heysel-Tragödie in Brüssel 1985 von allen Europacup-Wettbewerben ausgeschlossen. Der Richter führte in seinem Urteilsspruch gegen die Dresdner an, dass in England danach keine großen Ausschreitungen mehr zu beklagen gewesen seien. "Es geht also, und es geht auch in Deutschland", sagte er der "taz". Dresden entgehen in der kommenden Saison nun mindestens die 100.000 Euro Garantie-Einnahmen aus der ersten DFB-Pokal Hauptrunde.

Zwei Vereine als Verlierer

Wenn die Sportgerichtsbarkeit im Fall von Hansa Rostock nun ähnlich konsequent agiert, ist es denkbar, dass zwei Vereine kollektiv bestraft werden, die unter ihren sogenannten Anhängern leiden. Hofmann stufte die gewaltbereite und konfliktsuchende Klientel im „Sportclub“ als Menschen ein, „die in ihren Augen sicher ein Stück weit mit dem Verein Hansa Rostock sympathisieren, denen es aber in letzter Konsequenz völlig egal ist, wie es dem Verein geht.“ So stand der Klub den Vorfällen beim Spiel gegen St. Pauli machtlos gegenüber und kommunizierte seine Hilflosigkeit nach dem St. Pauli-Spiel offen.

Zwar bestimmen Vereine wie Hansa und Dynamo momentan die Negativ-Schlagzeilen. Es handelt sich jedoch um kein regionales, nord- oder ostdeutsches Phänomen, vielmehr um ein Bundesweites. Dies zeigt ein Blick auf den 15. Spieltag der 1. Bundesliga. Schalke-Fans stellten in Dortmund eine pyrotechnische Choreographie auf die Beine, Bayern-Anhänger zündelten in Mainz, im kleinen Nord-Derby in Hannover brannte es im Block der Fans des Hamburger SV. Und dass es vor und nach dem Spiel zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach 26 vorläufige Festnahmen, neben der üblichen Pyrotechnik im Gäste-Block, gab, erregte wenig Aufsehen. Ein Aufbegehren der Fanszenen ist zu vernehmen, die sich nach der DFB-Absage an legales Abbrennen von Feuerwerkskörpern unfair behandelt fühlen.

Task Force Sicherheit

Aufgrund der Problematik im deutschen Fußball möchte der DFB mithilfe der Task Force Sicherheit und "unter ausdrücklicher Einbindung der Fan-Perspektive, kurzfristig die aktuelle Entwicklung analysieren und praxisnahe Schritte aufzeigen." Dabei werden Vorschläge wie die von Lorenz Caffier, Innenminister Mecklenburg-Vorpommerns, sicher eine Rolle spielen: "Wenn der Dialog mit den Fans nicht reicht, müssen personalisierte Eintrittskarten her. Außerdem müssen wir über Schnellgerichte bei überführten Randalierern nachdenken", sagte er dem NDR. Eine abschreckende Wirkung möchte auch Hofmann erzielen. "Wichtig ist, dass diejenigen, die auf dem Rücken der Vereine solche Gewalttaten begehen, bestraft werden können. Ansonsten bluten die Vereine, ohne dass die Ursachen effektiv bekämpft werden." Auch in Mecklenburg-Vorpommern handelt nicht nur der Verein: Vertreter des Innenministeriums, der Staatsanwaltschaft, der Polizei und des FC Hansa Rostock schließen sich zu einer Task Force zusammen, um gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Finanzielle Einbußen immens

Die finanziellen Einbußen durch die Randale sind immens. Und das Chaos auf den Rängen spiegelt sich auf dem Platz wider. Die Profis aus Rostock wirken verunsichert, gingen nach der 1:3-Niederlage gegen St. Pauli zuletzt mit 2:5 gegen Union Berlin unter. Der finanzielle Spielraum wird in der neuen Saison voraussichtlich stark eingeschränkt sein. Die Hansestädter müssen auf rund 700.000 Euro von ihrem Hauptsponsor verzichten. Die Suche nach einem Nachfolger wird sich schwierig gestalten, so sehr hat das Image des Vereins in den letzten Monaten gelitten. Da die beiden Vereine über den gleichen Geldgeber verfügen, kann sich auch Dynamo der Einnahmen in der neuen Saison nicht sicher sein. Der Fanbeauftragte des FC Hansa, Joachim Fischer, rief in einem Appell auf der Homepage des Vereins zum Zusammenhalt derer auf, denen der Verein und nicht die Selbstdarstellung am Herzen liegt. "Wer erhebt endlich mal sein Wort gegen die, denen der Verein einen Dreck wert ist?" Es sei "fünf vor zwölf."

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