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1. FC Köln: Peter Stöger ist der Geißbock-Flüsterer

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Der Geißbock-Flüsterer  

Peter Stöger ist in Köln der große Hoffnungsträger

03.02.2014, 10:06 Uhr | t-online.de

1. FC Köln: Peter Stöger ist der Geißbock-Flüsterer. Peter Stöger vom 1. FC Köln (Quelle: imago/Osnapix)

Peter Stöger sorgt beim 1. FC Köln für Ruhe. (Quelle: Osnapix/imago)

Von Marc L. Merten

Am Wochenende beendet die 2. Liga ihre Winterpause. Vor den letzten 15. Spieltagen der Saison stellt t-online.de besondere Trainer-Typen vor, die mit ihren Klubs den Aufstieg im Visier haben. Teil 2 ist Peter Stöger vom 1. FC Köln gewidmet.

Am vergangenen Wochenende war in der österreichischen Sportschau ein deutscher Trainer zu Gast und wurde zum 1. FC Köln befragt. Er habe letzten Sommer Gespräche mit dem Klub geführt, und es habe ihn gereizt, zurück nach Deutschland zu wechseln. Doch Vertrag war Vertrag. Deshalb blieb Roger Schmidt bei RB Salzburg. Stattdessen wechselte der bis dahin in Deutschland nahezu unbekannte Peter Stöger in die Domstadt. Ein halbes Jahr und eine imposante Hinrunde später steht er mit Köln vor dem Aufstieg in die Bundesliga.

UMFRAGE
Wo landet der 1. FC Köln am Ende der Saison?

Nach 19 Spielen grüßt Stögers FC mit vier Punkten Vorsprung von der Tabellenspitze, gar acht sind es bereits auf den Relegationsplatz. Elf Siege stehen auf dem Konto, man schmückt sich mit der besten Abwehr (zehn Gegentore) und der zweibesten Offensive (32 Treffer) der Liga. Wenn es am kommenden Sonntag gegen den SC Paderborn zum ersten Heimspiel 2014 kommt, dürften wieder einmal über 45.000 Zuschauer ins Stadion strömen. Niemand zweifelt ernsthaft daran, dass Köln aufsteigen wird. Auch dank des ehemaligen Meistercoachs von Austria Wien.

"Man kann auch feiern, ohne zu viel zu trinken"

Seit dem 12. Juni 2013 ist der Mann mit dem ausgefallenen Brillen-Sortiment in Kölns Vereinsfarben im Amt. Er kam, weil Holger Stanislawski nach verpasstem Aufstieg die Brocken hingeschmissen hatte. Doch die Chefetage der Geißböcke hatte vorgesorgt. Als klar war, dass es Köln nicht zurück in Liga eins schaffen würde, hatten sich die FC-Bosse beraten, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein. Als dieser eintrat und Stani um Auflösung seines Vertrags bot, zogen sie eine Liste hervor, "auf der ganz oben Peter Stöger stand", wie Präsident Werner Spinner kürzlich verriet. "Ich habe zwei Gespräche mit dem Trainer geführt. Seine Ruhe und Gelassenheit haben mich von Anfang an überzeugt."

Ruhe und Gelassenheit als Kontrastprogramm zu Vulkan und Emotionsmensch Stani: Der Trainerwechsel im vergangenen Sommer war ein Paradigmenwechsel. Egal, wen man in Köln fragt, Stöger gefällt, weil er ruhig, sachlich und dennoch begeisternd über Fußball spricht. Die sportliche Führung, die mittlerweile Jörg Schmadtke übernommen hat, ist sogar derart von Stögers Menschenführung überzeugt, dass in Köln seit dieser Saison auch wieder Karneval gefeiert wird. Das gesamte Team wird auf einem eigenen Wagen am Rosenmontagszug mitfahren. "Wenn man als Verein so verbunden ist mit der Stadt, sollte man es auch beim Karneval sein“, findet Stöger. "Die Jungs werden damit richtig umzugehen wissen. Man kann auch feiern und Spaß haben, ohne zu viel zu trinken."

Unrühmliche Boulevardstorys gehören Vergangenheit an

Wer die Kölner Eskapaden und Peinlichkeiten der letzten Jahre im Hinterkopf hat (Autos auf Bahngleisen, Spieler in Ausnüchterungszellen, Schlägereien mitten in der Nacht), reibt sich da mitunter verwundert die Augen. Doch Stöger vertraut seinen Spielern, und die zahlen es auf dem Platz zurück. Der über die letzten eineinhalb Jahre ausgemistete und von Skandalprofis weitestgehend befreite Kader wirkt homogen, professionell und nicht nur sportlich, sondern auch charakterlich erstligareif. Unrühmliche Boulevardstorys gab es schon lange nicht mehr, unzufriedene Spieler halten still, Internas bleiben intern. Auch Stögers Verdienst.

Als "fast paradiesisch" bezeichnete Präsident Spinner diese Ruhe jüngst. Trügerisch sagen die Einen, "Endlich!" rufen die Anderen. Stöger selbst ist Realist. "Die Wahrheit ist doch: Wenn wir zu Beginn sieben Spiele lang nicht gewonnen hätten, dann hätten alle gesagt: Da kommt dieser Österreicher daher, den überhaupt niemand kennt – das passt mal gar nicht. Alles hängt am Erfolg. Wäre jemand hergekommen, der ganz anders ist als ich, viel extrovertierter, und die Mannschaft wäre erfolgreich, dann hätten doch alle gesagt: Genau der Typ hat gefehlt."

Erstklassigkeit im DFB-Pokal bewiesen

Wenn Stöger die Mentalität des Klubs und des Umfelds also nur auf den ersten Blick verändert hat, so hat er der Mannschaft in jedem Fall seine Handschrift aufgedrückt. Die Kölner Offensive ist nicht nur nominell stark besetzt. Stöger hat dem FC die spielerischen Mittel verliehen, tief stehende Mannschaften zu knacken. Ob im 4-4-2 oder im 4-2-3-1, seine Mannschaft spielt taktisch variabel. Und dass der 47-Jährige auch gegen stärkere Mannschaften Wege zum Erfolg findet, davon weiß beispielsweise Mainz 05 nach dem Aus im DFB-Pokal ein Liedchen singen.

Stöger predigt überfallartige Angriffe. Diese funktionieren aber nur, weil in der Defensive ein fast unbezwingbares Bollwerk steht, das bislang erst ein Mal zwei Gegentore in einem Ligaspiel hinnehmen musste. Drei Kölner im Defensivverbund stehen dabei stellvertretend für Stögers Vermögen, Spieler stark zu reden und zu verbessern. So richtete er den als Stanislawski-Liebling gebrandmarkten Matthias Lehmann nach einer Seuchensaison wieder auf. Der 30-Jährige ist auf der Doppel-Sechs ebenso unverzichtbar wie sein Nebenmann Yannick Gerhardt. Stöger vertraut dem 19-jährigen Ausnahmetalent seit dem ersten Spieltag, 18 Spiele mit drei Toren und drei Assists sind die eindrucksvolle Bilanz des begabten Mittelfeldspielers.

Stöger: "Köln kann ein wichtiger Karriereschritt sein"

Der Spieler, der in dieser Reihe gerne vergessen wird, ist Kevin Wimmer. Der 21-Jährige Innenverteidiger kam in den ersten sechs Partien der Saison überhaupt nicht zum Einsatz. Stöger nahm ihn zur Seite und erklärte ihm, woran es lag. Landsmann Wimmer verstand und nutzte ein einziges Spiel (in Cottbus), um sich neben Abwehrchef Dominik Maroh unverzichtbar zu machen. Die Belohnung folgte im November: Ex-Köln-Coach Marcel Koller berief ihn erstmals in den Kader der österreichischen A-Nationalmannschaft.

"Wir haben viele Spieler, die zuletzt gesehen haben, wo ihr Weg hinführen könnte", sagt Stöger. "Es liegt an uns, das zu forcieren. Dann sind die Spieler gefragt, den Weg des Klubs, aber auch ihren persönlichen Weg fortzusetzen. Einige haben die Chance, eine wirklich große Karriere zu machen." Stöger ist sich bewusst, dass sich im Sommer einige Manager nach Talenten wie Wimmer, Gerhardt und Horn erkundigen werden und der hoch verschuldete Klub geneigt sein könnte, zumindest ein Talent zu Geld zu machen. Doch Stöger weiß nicht nur, dass dies gängige Praxis ist, sondern Lob für seine eigene Arbeit. "Für viele Spieler kann Köln ein wichtiger Karriereschritt sein, ein Sprungbrett." Doch nicht nur für die Spieler. Auch für Stöger selbst. Denn Eines ist er mittlerweile nicht mehr in Deutschland: ein Unbekannter.

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