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André Breitenreiter im Interview mit T-Online.de: "Unser Erfolg ist kein Zufall"

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SCP schnuppert am Aufstieg  

Breitenreiter: "Unser Erfolg ist kein Zufall"

20.03.2014, 06:36 Uhr | t-online.de

André Breitenreiter im Interview mit T-Online.de: "Unser Erfolg ist kein Zufall". André Breitenreiter hat derzeit allen Grund zum Strahlen. (Quelle: imago/Eibner)

André Breitenreiter hat derzeit allen Grund zum Strahlen. (Quelle: Eibner/imago)

Das Interview führte Johann Schicklinski

André Breitenreiter gilt als Shooting-Star unter den Trainern der 2. Bundesliga. Der frühere Profi hat im letzten Sommer den SC Paderborn übernommen und in kürzester Zeit zu einem Spitzenklub der 2. Liga entwickelt. Die Ostwestfalen stehen aktuell sensationell auf Rang drei, führen die Rückrundentabelle an und haben die meisten Tore im Bundesliga-Unterhaus erzielt. Die Erfolge der Breitenreiter-Elf blieben nicht unbeobachtet, bereits im Winter galt der 40-Jährige als Kandidat bei Hannover 96, das einen Nachfolger für den entlassenen Mirko Slomka suchte.

Dabei sah es nicht immer so gut aus. Der SCP legte einen Fehlstart hin, in den Medien wurde bereits diskutiert, ob der vom TSV Havelse gekommene Breitenreiter nicht eine Nummer zu klein für die 2. Liga ist. Doch der frühere Spieler des Hamburger SV hat alle Kritiker verstummen lassen und seine Elf in der Zweitligaspitze etabliert. Im Interview mit T-Online.de spricht Breitenreiter über einen möglichen Aufstieg mit dem SCP, die Entwicklung seiner Elf und seine Bundesliga-Ambitionen.

T-Online.de: Herr Breitenreiter, wer in der 2. Bundesliga nach 25 Spieltagen auf dem Relegationsrang drei steht, setzt sich andere Ziele als den Klassenverbleib, oder?

André Breitenreiter: Das stimmt, wir haben unser primäres Saisonziel mit dem Sieg gegen Dresden erreicht. 42 Punkten nach 25 Spieltagen sind eine hervorragende Bilanz. Jetzt wollen wir versuchen, jedes Spiel möglichst zu gewinnen und den maximalen Erfolg im Rahmen unserer Möglichkeiten zu holen. Am Ende werden wir schauen, was dabei herauskommt.

Glauben Sie, dass der SCP auch am Saisonende auf Rang drei steht? Lebt in Ihnen der Traum vom Aufstieg?

Ich lasse mich nicht locken. Von unserer Marschroute, von Spiel zu Spiel zu denken, werden wir nicht abweichen. Aber klar: Wir wollen uns festbeißen, so viele Punkte wie möglich holen und die großen Vereine weiterhin ärgern.

Wird innerhalb des Klubs schon mal der Fall eines Aufstiegs bzw. das Erreichen der Relegationsspiele durchgespielt?

Nein, wir beschäftigen uns jeweils ausschließlich mit dem kommenden Gegner. Es sind noch neun Spieltage und bei dieser engen Liga, in der jede Mannschaft die andere schlagen kann, ist es noch ein weiter Weg. Deshalb bleiben wir bescheiden und wollen die restlichen Spiele genießen und einfach mit Spaß Gas geben.

Aber träumen ist doch erlaubt?

Selbstverständlich darf das Umfeld träumen, denn diese Situation hat die Mannschaft durch überzeugende Leistungen ermöglicht und sich verdient. Wir werden aber weiter unseren eingeschlagenen bescheidenen Weg gehen, der zum Erfolg geführt hat. Allein vom Reden hat noch niemand Außergewöhnliches erreicht.

Paderborns Präsident Wilfried Finke ist da optimistischer. "Ziel ist jetzt natürlich Platz zwei", hat er gerade der "Sport Bild" gesagt.  Setzt Sie seine Kampfansage unter Druck?

Unser Präsident setzt sich als Unternehmer eben bewusst hohe Ziele, die er auch so kommuniziert. Damit hat er den SCP zu dem Klub gemacht, der er heute ist. Aber wir als Trainerteam müssen die Gesamtsituation bewerten. Und da ist es eben so, dass wir uns als Ausbildungsverein mit Traditionsklubs wie Köln, Kaiserslautern, oder St. Pauli messen. Und diese haben allesamt deutlich bessere Trainingsbedingungen und auch finanzielle Möglichkeiten. Deshalb müssen wir immer sehr hart arbeiten, um unsere Nachteile auszugleichen. Aber es macht Spaß, als Underdog die Etablierten zu ärgern.

Kommen Sie sich manchmal vor wie im falschen Film?

Nein, denn unser Erfolg ist kein Zufall oder Glück. Wir haben in dieser Saison sowohl im sportlichen Bereich als auch im Miteinander eine tolle Entwicklung genommen. Die Mentalität und der Glaube an die eigene Stärke sind sehr ausgeprägt, zudem sind unsere Abläufe automatisiert. Unsere jetzige Position ist das Resultat dieser Entwicklung.

Dennoch: Dem SC Paderborn fehlen eigentlich die sogenannten Stars, als Protagonist des Höhenflugs gelten Sie. Nehmen Sie diese Rolle an?

Ich bin mit Sicherheit kein Hauptdarsteller, sondern ein Teamplayer. Die Mannschaft steht immer über allem. Nur mit dieser Einstellung ist es möglich, dass jeder einzelne Spieler seine persönlichen Ziele erreichen kann. Sonst funktioniert es nicht!

Wo sehen Sie die Stärken Ihrer Elf?

Wir sind variabel, beherrschen verschiedene Spielsysteme und sind deswegen für die Gegner schwer auszurechnen. Unsere vielen Tore habe wir nicht nach Schema F, sondern auf viele verschiedene Arten erzielt. Wir wollen immer organisiert und kompakt gegen den Ball spielen, gute Optionen in der Spieleröffnung haben und so zu unseren Chancen kommen. Dann sind wir vor dem Tor sehr effizient. Darüber hinaus gehören wir zu den laufstärksten Mannschaften der Liga.

Ihr Team führt mit deutlichem Vorsprung die Rückrundentabelle der 2. Bundesliga an. Hat Ihre Elf noch einmal einen Sprung gemacht?

Ja. Wir hatten eine ideale Wintervorbereitung mit einem hervorragenden Trainingslager in der Türkei. Dort haben wir gezielt an unseren Schwächen der Hinrunde gearbeitet sowie die Stärken erweitert. Die Jungs haben klasse mitgezogen, sind als Team gewachsen.

Haben Sie diese Entwicklung so erwartet?

Das ist außergewöhnlich und war für Niemanden vorhersehbar. Aber wir waren von unseren Jungs von Anfang an absolut überzeugt. Dass sie aber konstant auf solch hohem Niveau mit den Top-Teams mithalten können, war nicht zu erwarten. Auf diese Entwicklung bin ich auch ein wenig stolz.

Ist das Limit schon erreicht?

Wir spielen ziemlich nahe am Limit. Aber da ich hungrige und leistungswillige Spieler habe, die gut zuhören und sich stetig verbessern wollen, kann ich weitere Entwicklungsschritte nicht ausschließen.

Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf?

Luft nach oben gibt es auf jeden Fall bei den Trainingsbedingungen. Wir benötigen in Paderborn ein professionelles Trainingszentrum, sonst sind wir auf Dauer nicht konkurrenzfähig.

40 Gegentore in 25 Spielen sind mit Abstand die meisten aller Teams aus dem oberen Tabellen-Drittel. Dafür hat Paderborn mit 45 Treffern auch die meisten Tore der Liga erzielt. Ihre Elf ist sozusagen das "Hoffenheim der 2. Liga"?

Nein, denn unsere vielen Gegentore resultierten hauptsächlich aus individuellen Fehlern zu Saisonbeginn. In diesem Bereich haben wir uns stark verbessert und gehören mittlerweile zu den Top-Teams, denn in den letzten elf Spielen haben wir nur elf Gegentreffer zugelassen, darunter alleine vier in Karlsruhe. Unsere Ausrichtung ist aber immer offensiv, weil wir entsprechende Spielertypen haben, die diese Philosophie leben.

Sie verlangen von Ihrer Elf also, dass sie offensiv agiert?

Jein. Die Mischung macht es: Am liebsten spiele ich zu null, schieße vorne aber viele Tore (lacht). Im Ernst: Es ist immer so, dass die vorhandenen Spielertypen über die Spielphilosophie und die Systemausrichtung entscheiden. Als Trainer bin ich dann gefordert, den Ist-Zustand zu analysieren und kurzfristig zu entscheiden, was die größten Erfolgsaussichten hat.

Also doch lieber ein 4:3 als ein 1:0?

Ich will es mal so sagen: Ich als Trainer liebe erfrischenden Offensivfußball, aber die Defensivarbeit darf nicht vernachlässigt werden (schmunzelt).

Nun lief es ja nicht immer so gut. Der Saisonstart war zäh, Ihr Team hinkte den Erwartungen hinterher, den ersten Sieg gab es erst am fünften Spieltag. Mussten Sie damals um Ihren Job bangen?

Intern kam keine Unruhe auf. Wir haben ja auch zu Saisonbeginn nicht schlecht gespielt, uns aber für sehr gute Leistungen wie gegen Köln oder in Bielefeld nicht ausreichend belohnt. Individuelle Fehler führten leider zu Punktverlusten, doch wir haben rasch gelernt und diese abgestellt. Bis auf die Spiele in Cottbus und im Pokal in Saarbrücken war ich auch in dieser Phase mit der Leistung meiner Elf zufrieden.

Ihr Schaffen bleibt ja nicht unbemerkt. Bereits im Winter wurden Sie – zumindest von den Medien – als Trainerkandidat bei Hannover 96 gehandelt. Aktuell werden Sie - ebenfalls von den Medien - als Kandidat bei Eintracht Frankfurt ins Spiel gebracht. Ist Ihr Ziel, eines Tages in der Bundesliga zu trainieren?

Klar ist es ein Traum, eines Tages Trainer in der Bundesliga zu sein. Aber ich bin da sehr entspannt, denn ich arbeite ja überhaupt erst seit dreieinhalb Jahren als Trainer. Paderborn ist nach Havelse erst meine zweite Station – und ich arbeite schon in der 2. Bundesliga. Das genieße ich momentan, denn es macht Spaß, mit den jungen Burschen.

Wie bewerten Sie den Trend, dass in den Chefetagen der Bundesliga-Vereine verstärkt auf junge Trainer gesetzt wird?

Ach, ich halte nichts von der Unterscheidung zwischen alten und jungen Trainern. Ein guter Trainer zeichnet sich durch Führungskompetenz, Fachkompetenz, Sozialkompetenz und Sprachkompetenz aus. Wenn er dann noch seine Vorgaben so vermitteln kann, dass die Spieler es verstehen und umsetzen können, dann macht er unabhängig vom Alter einen guten Job.

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