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Jahreswechsel - 98-Coach: Wir haben einen schlafenden Riesen geweckt

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Jahreswechsel  

98-Coach: Wir haben einen schlafenden Riesen geweckt

26.12.2014, 09:33 Uhr | dpa

Jahreswechsel - 98-Coach: Wir haben einen schlafenden Riesen geweckt. Coach Dirk Schuster sieht in Darmstadt große Möglichkeiten.

Coach Dirk Schuster sieht in Darmstadt große Möglichkeiten. Foto: Uwe Anspach. (Quelle: dpa)

Darmstadt (dpa) - Unter schwierigsten Bedingungen hat Dirk Schuster den SV Darmstadt 98 aus den Niederungen der 3. Liga in die Spitzengruppe der 2. Fußball-Bundesliga geführt.

Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht der ehemalige Nationalspieler über sein Erfolgsrezept, seine Ziele und darüber, was in Darmstadt unbedingt besser werden muss.

Vor einem Jahr standen Sie zur Winterpause wie heute auf Platz drei - nur eine Liga tiefer. Ist der Unterschied zwischen 2. und 3. Liga so gering, dass ein Aufsteiger so locker vorne mitspielen kann?

Dirk Schuster: Da gibt es schon bedeutende Unterschiede. Deswegen haben wir zum einen vor der Saison mit unseren Neuzugängen neue Reizpunkte gesetzt. Zum anderen haben wir aber auch gerade am Anfang viel Lehrgeld bezahlt. Zweimal haben wir in den letzten Minuten der Nachspielzeit den Ausgleich hinnehmen müssen, wo wir uns nicht so klug angestellt haben. Aber daraus haben wir unsere Lehren gezogen. Aus meiner Sicht ist die Zweite Liga etwas schneller, von der Qualität deutlich besser, und vor allem werden hier Fehler viel brutaler bestraft als in der Dritten Liga.

Sie haben gesagt, Sie könnten richtig gute Spieler nur holen, wenn sie einen Makel haben. Dominik Stroh-Engel oder Marcel Heller galten ja sogar als gescheitert, bevor sie nach Darmstadt kamen. Wie bringen Sie solche Spieler wieder in die Erfolgsspur?

Schuster: Die Spieler haben alle schon mal bewiesen, dass sie Fußball spielen können. Man muss nach den Gründen suchen, warum es zuletzt bei ihnen nicht so gut gelaufen ist. Wir machen uns dann im Trainerteam Gedanken, ob wir diese Gründe abstellen können, ob wir ihnen andere Bedingungen bieten oder andere Möglichkeiten aufzeigen können, ihr Leistungsvermögen abzurufen. Wenn dann auch die Bereitschaft der Spieler da ist, in Zusammenarbeit mit uns noch einmal zu versuchen, ihre Höchstleistung abzurufen, dann ergibt eine Verpflichtung auch Sinn.

Wie würden sie sich selbst als Trainer beschreiben? Harter Hund? Kumpeltyp?

Schuster: Ich beschreibe mich nicht selbst. Ich denke aber, dass ich ein ganz gutes und vor allem ehrliches vertrauensvolles Verhältnis zu den Spielern habe. Jeder bekommt gesagt, was gut ist und was nicht so gut ist. So weiß jeder auch immer, woran er ist, wie er sich einschätzen kann und wie wir ihn sehen. Nur dann kann auch der Spieler an sich arbeiten und sich verbessern.

Wie wichtig ist Disziplin für Sie?

Schuster: Disziplin spielt für mich mit die größte Rolle - sowohl für eine funktionierende Mannschaft wie auch beim Teamgedanken. Wenn es keine Disziplin gibt, macht jeder, was er will, und keiner, was er soll - und alle machen mit.

Sehen Sie in der Winterpause Handlungsbedarf beim Personal?

Schuster: Wir haben keinen akuten Handlungsbedarf. Aber wir halten die Augen und Ohren offen. Wenn ein außergewöhnlicher Spieler auf den Markt kommen würde, der zu uns passt, würden wir anfangen nachzudenken. Aber auf der Suche sind wir nicht.

Sie haben gesagt, dass Sie nicht mit Spielern arbeiten wollen, die die Nase über die Bedingungen am Böllenfalltor rümpfen. Aber neulich ist auch ihnen der Kragen geplatzt, weil der Trainingsplatz nicht vom Schnee geräumt war. Was muss sich ändern an den Strukturen in Darmstadt?

Schuster: Der Verein braucht ein neues Stadion. Da muss etwas passieren, auch um die wirtschaftlichen Möglichkeiten zu schaffen. Denn nur so kann die Mannschaft gezielt verstärkt werden, um wettbewerbsfähig in der 2. Liga zu bleiben. Außerdem sind mit nur einem Rasenplatz nur wenig Möglichkeiten geben, richtig zu trainieren - gerade im Winter, wenn kein Gras mehr wächst und überall Matsch ist. Man kann einfach kein Passspiel üben, wenn man das Gefühl hat, dass in jedem Ball ein Frosch drinsitzt.

Gibt es denn da Gespräche mit der Stadt?

Schuster: Das ist nicht meine Aufgabe. Es gibt andere Leute im Verein, die unsere Wünsche kennen. Klar ist, dass wir in dieser Beziehung noch kein Zweitliga-Niveau haben. Das ist kein Geheimnis - und das ist auf Dauer einfach nicht machbar.

Welches Potenzial hat denn der SV Darmstadt 98?

Schuster: Wir haben gemeinsam einen schlafenden Riesen aufwecken können. Aus dem Bett steigen muss er dann selber, auch wenn wir da noch einen kleinen Beitrag leisten können. Aber bis er auf beiden Beinen steht, also bis der Verein sich in der Zweiten Liga etabliert hat und irgendwann einmal höher Ziele in Angriff nehmen kann, muss sich noch sehr viel tun.

Und welches Potenzial hat Dirk Schuster?

Schuster: Ich habe schon immer gesagt, dass ich irgendwann mal in der Bundesliga ankommen will. Aber ich habe auch einen Vertrag bis 2016, den ich gerne erfüllen möchte. Was darüber hinaus kommt, weiß ich nicht. Fußball ist ein brutal schnelllebiges Geschäft.

Zur Person: Dirk Schuster wurde am 29. Dezember 1967 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) geboren. Als Spieler war er unter anderem für den 1. FC Magdeburg, den Karlsruher SC und den 1. FC Köln am Ball. Den SV Darmstadt 98 übernahm Schuster als Trainer im Dezember 2012 auf dem letzten Tabellenplatz der 3. Liga und führte ihn innerhalb von zwei Jahren in die Spitzengruppe der 2. Liga.

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