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1860 München trudelt blauäugig in Richtung 3. Liga

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0:4-Testspielpleite macht Fans Angst  

Der TSV 1860 München trudelt blauäugig in Richtung 3. Liga

14.01.2015, 11:30 Uhr

1860 München trudelt blauäugig in Richtung 3. Liga. Die Allianz Arena haben die Löwen bereits leer gespielt. Folgt nun der Sturz in die totale sportliche Bedeutungslosigkeit? (Quelle: imago/MIS)

Die Allianz Arena haben die Löwen bereits leer gespielt. Folgt nun der Sturz in die totale sportliche Bedeutungslosigkeit? (Quelle: MIS/imago)

Aus München berichtet Marc L. Merten

Wer schon einmal ein Déjà-vu erlebt hat, kennt dieses unheilschwangere Gefühl. Das Gefühl, eine neue Situation schon einmal erlebt zu haben. Genau zu wissen, was kommt, aber nichts dagegen machen zu können. Dieses Gefühl hat sich wie ein unsichtbarer Mantel schwer über die Fans des TSV 1860 München gelegt. Das Gefühl, dem Abstieg entgegen zu trudeln - und keiner unternimmt etwas dagegen.

Einer dieser Fans ist Franz Hell. Er gehört zur Gruppe der "Allesfahrer", der Anhänger, die überall immer mit dabei sind. Äußerlich erinnert er ein wenig an Montgomery Burns von den Simpsons, nur netter und ehrlicher. Als sein TSV den ersten Test des Jahres gegen die Amateure des VfB Stuttgart mit sage und schreibe 0:4 verloren hatte, war er schlicht schockiert. "Das muss ich erst einmal sacken lassen", gab Hell zu Protokoll. Dann sprach er aus, was viele Fans schon länger denken. "Hier im Klub sagen alle, sie hätten keine Angst vor dem Abstieg. Aber ich erinnere mich noch gut, wie wir vor elf Jahren keine Angst hatten und abgestiegen sind.“

Fan beschimpft Löwen-Trainer als Zirkus-Clown

Das Déjà-vu der fehlenden Angst: Hell erinnerte an den letzten Abstieg der Löwen, in den der Klub sehenden Auges hinein gelaufen war. In der Saison 2003/04 wähnte man sich an der Grünwalder Straße nach der Hinrunde mit sechs Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge im gesicherten Mittelfeld der Bundesliga. Auch nach 26 Spieltagen stand man mit 30 Punkten noch immer auf Rang zwölf. Doch acht Spieltage später stieg man mit 32 Punkten als Tabellen-17. ab. Der Schock saß tief. Immerhin hatte man vier Jahre zuvor noch um die Qualifikation für die Champions League gespielt.

Elf Jahre später, im Januar 2015, ist aus der ehemals zweiten Fußball-Macht in München nicht nur eine graue Maus der Zweiten Liga geworden, sondern ein abstiegsgefährdeter Pflegefall. Nach dem peinlichen 0:4 gegen Stuttgart II beschimpften Fans die Spieler und riefen Trainer Markus von Ahlen nach: "Im Circus Krone brauchen sie noch einen Clown wie Sie!" Noch eine Stunde nach der Pleite standen Dutzende Fans auf dem Klubgelände und versuchten Vereinsvertreter davon zu überzeugen, dass es so nicht weitergehen könne.

Straftraining um 7.30 Uhr

Und tatsächlich: Es ging nicht mehr weiter wie bisher. Am Montagmorgen um 7.30 Uhr sah man müde Gestalten in Trainingsanzügen bei Dunkelheit in den Giesinger Wald verschwinden. Von Ahlen hatte reagiert und seine Spieler zur Früheinheit verdonnert. Offiziell natürlich "ein ganz normaler Vorgang in einer Vorbereitung", wie der Trainer erklärte. Dumm nur, dass er beim Trainingsauftakt in der Woche zuvor noch solche Maßnahmen kategorisch ausgeschlossen hatte.

Doch von Ahlen befindet sich in einer Situation, in der er nach jedem Strohhalm greifen muss. Es ist ein offenes Geheimnis, dass seine Mannschaft ihm in den letzten beiden Spielen vor der Winterpause den Job gerettet hatte. Und das mit gerade einmal zwei Unentschieden gegen Kaiserslautern und Leipzig. Wären beide Spiele verloren gegangen, wäre der ehemalige Profi von Bayer Leverkusen längste Zeit Trainer bei 1860 gewesen. Was nicht heißt, dass der 44-Jährige sicher im Amt sitzt. Im Gegenteil: Sollte der Zweitliga-Start im Februar gegen Heidenheim und Darmstadt in die Hose gehen, dürfte auch der zwölfte (!) Trainer seit dem Abstieg vor elf Jahren Geschichte sein beim TSV.

Ist Markus von Ahlen der Jens Keller Münchens?

Ein bisschen erinnert von Ahlens Lage an die von Jens Keller auf Schalke. Auch er wurde aus dem Nachwuchsbereich zum Cheftrainer befördert (wenngleich von Ahlen den Umweg als Co-Trainer der Profis nahm). Auch Keller war vom ersten Tag an auf Schalke umstritten. Auch Kellers Job hing ständig am seidenen Faden und der Coach stand gefühlt nach jeder Niederlage der Königsblauen vor der Entlassung.

Der Unterschied zwischen Keller und von Ahlen ist, dass letzterer die Rückendeckung der sportlichen Leitung genießt. Während Schalkes Manager Horst Heldt hinter Kellers Rücken immer wieder Gespräche mit anderen Trainern führte, hat Löwen-Sportchef Gerhard Poschner seinem Übungsleiter die Nibelungentreue geschworen. Poschner weiß: Nach dem Fehlgriff im Sommer mit Ricardo Moniz als Trainer könnte eine Entlassung von Ahlens auch als eigenes Scheitern gewertet werden. Und weit weg von der Realität wäre diese Bewertung nicht. Schließlich lag Poschner auch mit diversen Transfers bislang kräftig daneben. Die Standard-Antwort des Geschäftsführers auf die Trainer-Frage lautet daher bislang wenig überraschend: "Markus von Ahlen wird die nötige Zeit bekommen, um erfolgreich zu sein."

Wird aus dem Déjà-vu ein Jamais-vu?

Und genau diese Antwort ist es, die Franz Hell und anderen Fans die Tränen in die Augen treibt. 15 Spieltage vor Schluss hat 1860 keine Zeit mehr. Einzig das bessere Torverhältnis trennt den Tabellen-15. vom Relegationsplatz. Und während die Konkurrenten im Abstiegskampf auf dem Transfermarkt bereits nachgebessert haben, sieht man an der Grünwalder Straße noch immer zu. Nur die Verletzten-Misere – drei als Stammspieler eingeplante Kicker fallen seit vier Monaten oder länger aus – könnte Poschner und von Ahlen noch einmal zum Umdenken in Sachen Neuzugängen bewegen.

Dieses Zögern – oder ist es Blauäugigkeit? – bringt die Fan-Seele zum Kochen. Denn noch einmal wollen die weiß-blauen Anhänger nicht miterleben, wie die Verantwortlichen tatenlos zusehen, wie der Klub absteigt.

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Das Gegenteil eines Déjà-vu (schon einmal gesehen) ist das Jamais-vu (noch nie gesehen). Das Gefühl, sich in vertrauter Umgebung fremd und deplatziert zu fühlen. Dieses Gefühl könnte nach dem Abstieg eintreten. Wenn die 3. Liga Realität würde, eine Liga, die Sechzig aus alten Tagen noch kennen müsste, das Selbstverständnis es den Löwen aber verbieten würde, sich dort zu Recht zu finden.

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