Harsche Kritik
Harsche Kritik an Polizei-Rückzug auf Schalke13.09.2013, 13:21 Uhr | t-online.de, dpa
Mit Knüppeln und Pfefferspray: Der Einsatz der Polizei beim Spiel zwischen Schalke und Saloniki sorgt weiter für Wirbel. (Quelle: dpa)
Ein Experte für Polizeiwissenschaft hat den Rückzug der Polizei aus der Arena des FC Schalke 04 scharf kritisiert. "Diese Entscheidung ist in meinen Augen rechtswidrig", sagte Thomas Feltes vom Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Universität Bochum gegenüber der "Westdeutschen Zeitung". "Dadurch wird im Stadion der rechtsfreie Raum geschaffen, der von der Politik sonst so oft als Schreckensszenario beim Fußball beklagt wurde."
NRW-Innenminister Ralf Jäger hatte erklärt, die Polizei werde den Bundesligisten nur noch auf Anforderung in Notsituationen unterstützen und damit auf die scharfe Kritik an dem Polizeieinsatz im Champions-League-Playoffspiel zwischen den Königsblauen und PAOK Saloniki reagiert.
Feltes hält die jüngste Maßnahme für völlig überzogen: "Die Reaktion von Herrn Jäger ist unverantwortlich und zeugt von einem gewissen Beleidigt-Sein", sagte er. "Das alles an einen privaten Ordnungsdienst zu delegieren, tut der Polizei insgesamt und besonders der Polizei vor Ort nicht gut."
Die Polizei habe mit dem Stürmen des Schalker Blocks gegen Saloniki bereits eine falsche Entscheidung getroffen. "Der Einsatz war rechtswidrig und überzogen", so der Universitäts-Professor. "Die Gefahr ging von den Griechen und nicht von den Schalke-Fans aus. Eine Sperre des Gästeblocks wäre die richtige Maßnahme gewesen. Stattdessen ging die Polizei gegen die Nichtstörer, so heißt es im Polizei-Deutsch, vor."
Dass bei der Aktion Pfefferspray "als taktisches Mittel" eingesetzt wurde, kritisierte Feltes ebenso scharf. "Das passiert leider immer wieder beim Fußball, ohne Rücksicht auf Unbeteiligte. Eigentlich darf Pfefferspray nur zur Selbstverteidigung eingesetzt werden, wenn Polizeibeamte oder Unbeteiligte angegriffen werden."
Innenminister Jäger legte in der Diskussion noch einmal nach. In einem SID-Interview warf er den Schalkern vor, sich nicht ihrer Verantwortung zu stellen. "Ich erwarte eine Zusammenarbeit, bei der der Verein seine Verantwortung wahrnimmt, dass eine Stadionordnung auch von allen Teilen der Ultras akzeptiert wird und der Verein sich nicht noch nach außen vor ein falsches Verhalten der Ultras stellt. Das ist nicht akzeptabel."
Er wies in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hin, dass es in seinem Bundesland 18 Hundertschaften mit je 123 Beamten gibt. "Und die sind zu 30 Prozent nur mit Fußball beschäftigt." Die dadurch entstehenden Kosten könne er gegenüber dem Steuerzahler nur begründen, "wenn es eine rechtfertigende Kooperation mit den Vereinen gibt". Und diese sei auf Schalke derzeit nicht gegeben.
Dennoch werde beim nächsten Heimspiel die Einsatz-Zentraleder Polizei im Stadion besetzt sein. "Aber es gibt keine Einsatzkräfte im Stadion. Für die Sicherheit der Zuschauer im Stadion ist der Verein verantwortlich - und nur der Verein, nicht die Polizei."
Schalke müsse umdenken. "Es kann nicht sein, dass Schalke sich nur um die Logengäste kümmert und die Kurve sich selbst überlässt. Das, was üblicherweise an Stadionordnung existiert, ist dort nicht umsetzbar. Andere Vereine schaffen das. Es gibt ja auch positive Beispiele. Außerdem muss mehr und qualifizierteres Sicherheitspersonal zur Verfügung stehen, damit solche Einsätze wie gegen Saloniki erst gar nicht notwendig werden."
Für Jäger ist Schalke aber ein Einzelfall. "Das ist ein Problem, das allein in Schalke existiert - und das in Schalke gelöst werden muss. Mit Borussia Dortmund arbeiten wir außergewöhnlich gut und eng zusammen." Der Innenminister gab sich gegenüber den Schalker Verantwortlichen gesprächsbereit. Aber er machte auch klar: "Der Ball liegt bei Schalke, die müssen sich bewegen."
Jäger hatte zuvor erklärt, dass man aufgrund der im Schalker Block gezeigten mazedonischen Fahne einen Platzsturm griechischer Fans und einen Spielabbruch befürchtete. Es sei aus seiner Sicht der geringere Eingriff gewesen, die Fahne einzurollen, zumal die Hausordnung vorsehe, dass Provokationen gegnerischer Fans zu unterlassen seien. Auch die Gelsenkirchener Polizei und Polizeigewerkschaften hatten den Einsatz als "notwendig und rechtmäßig" bezeichnet.
13.09.2013, 13:21 Uhr | t-online.de, dpa
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