Köln-Legende Polster

"Ganz ehrlich: Der FC ist das schlechteste Team der Liga"

02.10.2017, 12:46 Uhr | Luis Reiß, t-online.de

FC-Legende Toni Polster ist besorgt wegen des schlechten Saisonstarts seines Ex-Klubs.

Nach sieben Spieltagen ist die Bilanz des 1. FC Köln katastrophal: Letzter, nur ein Punkt und zwei Tore. Der rettende Relegationsrang ist schon jetzt zwei Siege entfernt. Toni Polster, die österreichische Sturm-Legende des 1. FC Köln, schlägt im Exklusiv-Interview mit t-online.de wegen des schlimmen Saisonstarts Alarm.

Polster warnt vor Schönrederei - empfiehlt aber, an Trainer Peter Stöger festzuhalten. Noch. Außerdem lobt der 53-Jährige seine Nachfolger im Kölner Sturm und analysiert die Schwachstellen seines Ex-Klubs. Lesen Sie hier das Interview:

Herr Polster, der 1. FC Köln ist mit nur einem Punkt aus den ersten sieben Spielen Tabellenletzter. Ist das nur Pech oder ist der Klub wirklich so schlecht?

Toni Polster: Da muss man ganz ehrlich sein: Der FC ist im Moment wirklich das schlechteste Team der Bundesliga. Die Tabelle lügt nicht.

Letztes Jahr wurde die Mannschaft aber doch noch Fünfter. Woran liegt der Absturz?

Überraschenderweise bekommt der FC diese Saison wirklich viele Gegentore, das ist in meinen Augen das größte Problem. In den vergangenen drei Jahren unter Peter Stöger hat die stabile Defensive den FC ausgezeichnet. Hauptsächlich wegen der starken Abwehr ging es in der Tabelle stetig bergauf. Außerdem fehlen jetzt vorne natürlich die Tore von Anthony Modeste.

Für den Sturm hat der FC nachträglich den vereinslosen Claudio Pizarro nachverpflichtet, 38 Jahre alt. Hat Geschäftsführer Jörg Schmadtke im Sommer versäumt, einen geeigneten Ersatz für Modeste zu holen?

Das finde ich nicht! Schauen Sie: Der FC hat mit Simon Zoller und Yuya Osako zwei meiner Meinung nach gute Stürmer und hat Jhon Cordoba noch zusätzlich verpflichtet. Auch der ist gut, belohnt sich im Moment aber nicht für seinen Fleiß. Insgesamt kann ich die vor der Saison getroffene Einschätzung absolut nachvollziehen, dass der FC einen guten Bundesliga-Sturm hat. Dazu kommt noch ein toller Mittelfeldspieler wie Leonardo Bittencourt. Trotz der längeren Negativphase sage ich: Die Qualität ist vorhanden.

Manager Schmadtke sagte nach der Niederlage gegen RB Leipzig (1:2), dass Trainer Peter Stöger nicht zur Diskussion steht. Zu Recht?

Natürlich! Peter Stöger hat aufgrund seiner Erfolge in den vergangenen Jahren großes Vertrauen verdient. Ich sage Ihnen: Eine sportliche Krise liegt nicht immer am Trainer. Es geht doch für den FC jetzt auch nicht darum, alles zu verändern. Sie müssen in Ruhe die Spiele analysieren, der Trainer muss jeden Tag aufs Neue die eigenen Fehler aufzeigen – und dann geht es auch wieder bergauf.

Toni Polster spielte von 1993 bis 1998 für den 1. FC Köln. In 165 Pflicht-Spielen erzielte er 87 Tore für den Klub. Seit 2014 ist er Trainer beim SC Wiener Viktoria in der Wiener Stadtliga.

Aber der FC hat schon jetzt sechs Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz 16. Wann ist der Zeitpunkt erreicht, an dem man sich auch von einem verdienten Trainer trennen muss?

Wenn der Rückstand noch größer wird, gibt es diesen Moment natürlich, dann geht es um das Wohl des Vereins und nicht um einzelne Personen. Aber jetzt, so früh in der Saison, ist der Zeitpunkt für einen Rauswurf von Peter Stöger mit Sicherheit nicht gekommen. Alle im Klub müssen geduldig bleiben und gemeinsam Punkte sammeln wie ein Eichhörnchen. Dann erledigt sich diese Diskussion von alleine.

Der Traum vom Europapokal ist bislang eher ein Albtraum, nach der Niederlage gegen den FC Arsenal (1:3) verlor der FC auch zuhause gegen Roter Stern Belgrad (0:1) – und traf dabei drei Mal den Pfosten. Wird die Europa League ein großes Minus im Abstiegskampf?

Der FC ist mit einem relativ kleinen Kader Risiko eingegangen, da kann die Doppelbelastung natürlich in den nächsten Monaten ein Problem werden. Bislang sehe ich das aber noch nicht. Zumal die Leistungen international in Ordnung waren, gegen Arsenal kann man verlieren und gegen Belgrad war unglaublich viel Pech dabei.

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