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Werder-Star Thomas Delaney: "Stuttgart? Wir sind besser!"

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Werder-Star im Interview  

Delaney: "Stuttgart? Wir sind besser!"

01.12.2017, 10:44 Uhr | David-Emanuel Digili, t-online.de

Werder-Star Thomas Delaney: "Stuttgart? Wir sind besser!". Seit Januar 2017 bei Werder: Thomas Delaney (vorn). (Quelle: imago)

Seit Januar 2017 bei Werder: Thomas Delaney (vorn). (Quelle: imago)

Thomas Delaney ist Chef im Mittelfeld von Werder Bremen. In Teil 1 des Interviews mit t-online.de spricht der dänische Nationalspieler über die kritische Situation bei den Grün-Weißen, Wege aus der Krise, Änderungen unter Neu-Trainer Florian Kohfeldt – und seine Wunschgegner bei der WM 2018.

Delaney im Gespräch mit t-online.de-Redakteur David-Emanuel Digili. (Quelle: t-online.de)Delaney im Gespräch mit t-online.de-Redakteur David-Emanuel Digili. (Quelle: t-online.de)

Delaney ist gerade mal ein knappes Jahr beim Verein – und schon eine der bestimmenden Figuren. Der 26-Jährige kam im Januar 2017 für zwei Millionen Euro vom FC Kopenhagen zu Werder, ist seitdem aus dem Mittelfeld nicht mehr wegzudenken. In der vergangenen Saison trug Delaney mit vier Toren und einer Vorlage maßgeblich zur Serie von elf Spielen ohne Niederlage bei. 2017/18 tut sich Werder dagegen schwer, steckt aktuell mit nur einem Sieg und acht Punkten aus 13 Saisonspielen tief im Tabellenkeller auf Platz 17. 

Ein Interview von David-Emanuel Digili

t-online.de: Herr Delaney, im Januar 2017 kamen Sie nach Bremen, dann startete Werder die Siegesserie. Dann kam die neue Saison, der Trainerwechsel - wie erlebt man so eine Achterbahnfahrt?

Thomas Delaney: Es ist noch immer eine sehr ernste Situation, und wir sind uns dessen bewusst. Ich glaube aber, dass wir nach dem Trainerwechsel gute Fortschritte gezeigt haben. Ich würde sogar sagen, dass wir gegen Leipzig besser gespielt haben als beim Sieg gegen Hannover. Aber am Ende haben wir trotzdem verloren, und aktuell geht es für uns nur um Punkte. Es sind aber ganz klar Verbesserungen erkennbar, wir und der Trainer müssen uns erst noch aneinander gewöhnen, herausfinden, was wir voneinander wollen, aber in den letzten Spielen hat das schon gut geklappt.

Was fehlt Werder denn aktuell?

Puh…ich sehe Fußball immer in Phasen. Ich kann genausowenig erklären, warum wir in der vergangenen Saison elf Spiele in Folge unbesiegt blieben, wie wir Leipzig 3:0 geschlagen haben, neun Mal gewonnen haben. Wir hatten einfach das Glück, in den richtigen Momenten die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und jetzt andersherum: Im Spiel in Leipzig habe ich einen Fehler gemacht, und im Gegenzug fiel dann das 0:1. Es sind die kleinen Dinge, die aktuell nicht passen.

Neues Gespann: Werder-Trainer Kohfeldt (li.) mit Delaney. (Quelle: imago)Neues Gespann: Werder-Trainer Kohfeldt (li.) mit Delaney. (Quelle: imago)

Und was passt aktuell?

Früh in der Saison hatten wir eine Phase, in der wir kaum Selbstvertrauen hatten und unser Spiel einfach nicht entfalten konnten. Aber jetzt? Im Spiel sind wir sicher im Umgang mit dem Ball, und irgendwann kommen dann auch die Tore.

Gegen Frankfurt, gegen Schalke, sogar gegen Bayern schlug sich die Mannschaft ja lange gut, auch zuletzt gegen Leipzig…

Es gibt zwei Arten, zu verlieren: Entweder bist Du einfach nur richtig schlecht – oder Du verlierst und siehst dabei trotzdem noch gut aus. Natürlich nervt das, aber immerhin kann man den positiven Aspekt herausziehen, dass einiges schon funktioniert im Spiel. Wir müssen nur endlich dann auch gewinnen. Vor allem eines muss man bedenken…

Thomas Joseph Delaney wurde als Sohn eines US-Amerikaners mit irischen Wurzeln und einer Dänin in Fredriksberg nahe Kopenhagen geboren. Vater Michael Delaney ist Spielerberater. Mit 17 Jahren debütierte Delaney 2008 bei den Profis des FC Kopenhagen, für den er seit 1993 die Jugendmannschaften durchlief. Bilanz mit dem "FCK": 245 Einsätze, 24 Tore, vier Mal Meister und drei Mal Pokalsieger in Dänemark. 2015 und 2016 wurde der Techniker zu Kopenhagens "Spieler des Jahres" gewählt. Bisher absolvierte Delaney 23 Länderspiele für Dänemark und traf dabei vier Mal.

Ja?

Wenn man uns vor der Saison gefragt hätte, was wir uns in einem Auswärtsspiel in Leipzig ausrechnen, hätten wir alle von einem sehr schwierigen Spiel gesprochen. Gerade deshalb gefällt mir unsere momentane Mentalität sehr gut. Wir sind nicht nach Leipzig gefahren, um zu verlieren. Wir wollten die Punkte – auch wenn es am Ende leider nicht geklappt hat. Das Spiel machte doch aber nicht den Eindruck, als hätte da der Tabellenzweite gegen den Vorletzten gespielt. Das bringt uns zwar punktemäßig nichts, aber das Selbstvertrauen stärkt es trotzdem.

Was macht Florian Kohfeldt denn anders als Alex Nouri?

Er geht mit der ganzen Situation einfach anders um, besonders unter der Woche. Wir verbringen viel Zeit im Videoraum, und er zeigt uns, was ihm nicht gefällt. Wir arbeiten daran, dass wir nicht so tief stehen, wenn der Gegner den Ball hat. Wir möchten offensiver verteidigen. Wir sprechen viel über die Ballzirkulation, darüber, den Mitspieler besser einzusetzen. Wenn man einen Spieler wie Max (Kruse, Anm. d. Red.) im Team hat, dann muss man ihn auch finden. Es ist sehr detailliert.

Das, was die Mannschaft gerade braucht?

Ja, auf jeden Fall. Ich denke auch, dass wir einen guten Kader haben. Das soll nicht heißen, dass wir ein Titelkandidat sein sollten. Aber ich denke, da unten in der Tabelle haben wir nichts zu suchen. Wir müssen uns wieder mehr auf unsere eigenen Qualitäten besinnen.

Goalgetter: Delaney (r.) jubelt über seinen Hattrick gegen den SC Freiburg in der vergangenen Saison. (Quelle: imago)Goalgetter: Delaney (r.) jubelt über seinen Hattrick gegen den SC Freiburg in der vergangenen Saison. (Quelle: imago)

Im Sommer ging mit Serge Gnabry und den erfahrenen Clemens Fritz und Claudio Pizarro aber auch Qualität…

In dieser Saison hat uns vielleicht auch ein solcher Spieler gefehlt. Es ist uns schwergefallen, uns aus einigen Situationen herauszuziehen. Ein, zwei erfahrene Spieler mehr hätten uns da geholfen, anleiten, auch beruhigen können, weil sie solche Situationen sicher schon mal erlebt haben.

Hat die Elf-Spiele-Serie in der vergangenen Saison vielleicht auch ein falsches Gefühl der Sicherheit gegeben?

Elf Spiele in Folge ohne Niederlage – da haben wir vielleicht etwas über unsere Verhältnisse gespielt. Ich meine, wenn man diese Form eine ganze Saison lang hält, landet man auf Platz zwei. Nur die Bayern wären wie immer noch besser (lacht). Aber so weit sind wir noch nicht. Wir haben vielleicht auch unseren Fokus zu stark verschoben…

Wie meinen Sie das?

Werder war zuletzt meist eine Mannschaft, die viele Tore erzielt, aber auch viele Tore kassiert hat. Jetzt treffen wir seltener – und haben aber auch eine bessere Abwehr. So entstehen besonders knappe Spiele, und die hatten für uns immer ein unglückliches Ende. Wir müssen einfach Max und Fin (Bartels, Anm. d. Red.) noch besser einsetzen.

Werders Gegner bis zur Winterpause sind der VfB Stuttgart zuhause, Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen auswärts, Mainz 05 zuhause und der SC Freiburg im Pokal – was ist da drin?

Ich denke, besonders in Spiele wie das gegen Stuttgart sollten wir mit dem Gedanken gehen: Wir sind besser! Denn wir sind es auch. Leider heißt das nicht zwangsläufig, dass wir dann auch gewinnen (lacht). Aber es ist auf jeden Fall etwas für uns drin. Auch gegen Freiburg. Dortmund ist natürlich ein anderes Kaliber, aber auch da – in ihrer momentanen Situation…

Es ist also etwas möglich?

Ich sehe uns einfach nicht dauerhaft im Tabellenkeller. Und beim Blick auf die nächsten Spiele ist es sehr angenehm, nicht bei jedem Gegner sofort „Sch…“ zu denken (lacht).

WM-Ticket gelöst: Delaney beim 5:1-Sieg mit Dänemark im Playoff-Rückspiel in Irland. (Quelle: imago)WM-Ticket gelöst: Delaney beim 5:1-Sieg mit Dänemark im Playoff-Rückspiel in Irland. (Quelle: imago)

Ähnlich wie bei der Auslosung der WM-Gruppen heute in Moskau. Sie haben sich mit Dänemark für das Turnier 2018 qualifiziert – durch ein furioses 5:1 im Playoff-Rückspiel in Irland. Was ist da bloß passiert?

Das 5:1 war vielleicht etwas zu hoch. Das Hinspiel war extrem frustrierend, weil sie überhaupt nichts tun wollten. Es ist unglaublich schwer, gegen eine Mannschaft zu spielen, die alles gibt und leidenschaftlich kämpft, aber kein Tor schießen will. Sie wollten einfach nur kein Gegentor bekommen. Wir hätten noch ewig weiterspielen können und hätten sie trotzdem nicht geknackt. Und dann das Spiel dort, mit den wunderbaren irischen Fans, auf einem tollen Platz. Sie gingen früh in Führung und dann war das Spiel für uns plötzlich offen. Ich glaube aber, dass wir auch gewonnen hätten, wenn wir nicht schon früh in Rückstand geraten wären. Unsere Mannschaft ist zu gut.

Was ging nach dem Spiel in der Kabine ab?

Einiges! Wir konnten es einfach nicht glauben, es war unfassbar. Unser Land erwartet so viel von uns. Alle erinnern sich noch immer an den EM-Titel 1992 und das setzt uns natürlich unter Druck…

Thomas Delaney...

- war im Sommer 2017 Überraschungsgast auf der Meisterfeier des FC Kopenhagen – und wurde extra mit dem Meisterpokal per Hubschrauber ins Stadion eingeflogen.

- erzählte in einem Interview, er wollte nach seinem ersten Werder-Training seine Trainingskleidung wie einst in Kopenhagen zuhause waschen – bis ihm Teambetreuer sagten, dass der Klub das übernimmt.

Zu viel Druck?

Man muss ja bedenken, dass wir ein kleines Land sind, und trotzdem manchmal Länder schlagen, die uns eigentlich voraus sein müssten. Genau wie die Isländer, die einfach fantastisch sind. Und dann werden solche Wunderdinge natürlich immer öfter erwartet. Alle erinnern sich noch an Peter Schmeichel, Michael Laudrup oder Allan Simonsen, das waren Weltklassespieler. Aber heute? Armenien hat Henrikh Mkhitaryan, Polen hat Robert Lewandowski, Montenegro hat Stevan Jovetic. Überall Spieler von Weltformat. Das macht es nicht einfacher. Umso erlösender war es für uns, dass wir es geschafft haben und vor allem unsere eigenen Ambitionen erfüllen konnten.

Und jetzt? Wen wünschen Sie sich als Gruppengegner bei der Auslosung?

Puh, was soll ich sagen? Wir könnten als leichteste Lose Polen, Panama und Peru bekommen – oder im schwersten Fall Deutschland, Spanien und Nigeria…

Ausgelassen: Delaney nach dem Sieg gegen Irland. (Quelle: imago)Ausgelassen: Delaney nach dem Sieg gegen Irland. (Quelle: imago)

Sind nicht Gegner, die richtig fordern, attraktiver?

Nein, nein, nein (lacht)! Natürlich ist es toll, gegen Teams wie Brasilien zu spielen – aber nicht, wenn Du verlierst.  Die gleiche Diskussion hatten wir früher auch in Kopenhagen, wenn wir Champions League spielten. Attraktive Gegner sind schön für die Fans und für den Klub, aber am Ende wollen wir alle gewinnen. Zurück zur WM: Die beste Lösung liegt irgendwo dazwischen. Wenn wir in eine Gruppe mit Deutschland kommen sollten, und Deutschland alle Partien gewinnt, dann macht das uns nichts aus. Schlimmer wäre eine richtig enge Gruppe, in der jeder jeden schlagen kann. 

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