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Pulverfass FC Bayern: Stars gehen aufeinander los

30.03.2010, 12:15 Uhr | t-online.de, t-online.de

FC Bayern München: Stars gehen aufeinander los. Miroslav Klose (li.) und Frank Ribéry verfolgen unterschiedliche Ziele. (Foto: imago)

Miroslav Klose (li.) und Frank Ribéry verfolgen unterschiedliche Ziele. (Foto: imago)

Ivica Olic ärgert sich über den Trainer, Miroslav Klose fährt eine Neid-Attacke gegen das Superstar-Duo Robben/Ribéry und Lothar Matthäus wirft dem französischen Dribbelkünstler vor, seinen Abschied aus München zu provozieren. Pulverfass FC Bayern! Es braut sich was zusammen über der Säbener Straße. Nur der Viertelfinal-Kracher gegen Manchester United (siehe auch: Teamcheck Mann gegen Mann) in der Champions League (ab 20.30 Uhr im t-online.de-Live-Ticker) sowie das richtungsweisende Bundesliga-Spiel um die Meisterschaft beim FC Schalke 04 am Wochenende sorgen dafür, dass die Brandherde noch unterdrückt werden. Doch sollte der deutsche Rekordmeister die nächsten beiden Spiele in den Sand setzen, droht Trainer Louis van Gaal der Laden voller Stars und Sternchen um die Ohren zu fliegen.

Vor wenigen Wochen noch alles rosarot

Wer hätte das vor wenigen Wochen für möglich gehalten? Doch nach der 1:2-Heimpleite gegen den VfB Stuttgart, der zweiten Niederlage in der Bundesliga in Folge und dem einhergehenden Verlust der Tabellenführung an Schalke 04, liegen die Nerven an der Isar blank. "Unglaublich. Ich konnte es nicht fassen", sagte Olic der "tz", nachdem ihn van Gaal trotz des zwischenzeitlichen Führungstreffers gegen die Schwaben zur Pause in der Kabine ließ und stattdessen Ribéry aufs Feld schickte. Der Kroate gab offen zu, dass er die Entscheidung des Trainers nicht nachvollziehen kann. "Natürlich bin ich sehr enttäuscht. Diese Entscheidung kann ich nicht verstehen, ich habe doch getroffen."

Van Gaal ignoriert Olic

Dass ausgerechnet der sonst so bescheiden und mannschaftsdienlich auftretende Olic öffentlich Kritik äußert, lässt aufhorchen. Der Angreifer hatte maßgeblichen Anteil daran, dass der FC Bayern nach Startschwierigkeiten in der Hinrunde wieder in die Erfolgsspur zurückfand. Den Einzug in die K.o-Runde der Königsklasse sicherte er nahezu im Alleingang, als er in den letzten beiden Gruppenspielen beim 1:0-Erfolg gegen Haifa das Siegtor erzielte und beim 4:1-Sieg bei Juventus Turin den Elfmeter zum 1:1 herausholte sowie den wichtigen 2:1-Führungstreffer markierte. Olic, der auch in der Liga bereits acht Mal ins Schwarze getroffen hat, avancierte prompt zum Publikumsliebling. Doch plötzlich saß er nur noch auf der Bank.

Klose geht auf die Flügelzange los

Stattdessen lässt van Gaal Lieblingsschüler Thomas Müller in jedem Spiel über 90 Minuten ran, obwohl der Youngster seit Wochen seiner Form aus der Hinrunde hinterherläuft. Nach der Verletzung von Mario Gomez setzte der Bayern-Coach erneut nicht auf Olic, sondern auf Miroslav Klose. Der Nationalstürmer ist seit Monaten ein Schatten seiner selbst und fiel zuletzt nur durch sein rüdes Foul an Sami Khedira auf. Doch ausgerechnet der formschwache Klose lederte nach dem Stuttgart-Spiel gegen Franck Ribéry und Arjen Robben. Der Mittelstürmer reagierte genervt auf den Rummel um die offensiv denkenden "Rib" und "Rob", der im Team nicht immer gut ankäme. "Das sind zwei Spieler, die ein Spiel alleine entscheiden können. Aber man muss auch bedenken, dass neun andere auf dem Platz sind, die die Drecksarbeit machen." Rumms! Ausgerechnet Klose zettelte eine Neiddebatte an.

Matthäus wirft Ribéry Lustlosigkeit vor

Seine Kritik ist nicht ganz unberechtigt, doch hätte er sie wohl besser intern äußern sollen. Gegen Stuttgart arbeiteten weder Robben noch Ribéry viel nach hinten mit. Zu zaghaftes Zweikampfverhalten des Franzosen sorgte letztlich für den Siegtreffer der Gäste. Auf der Tribüne wunderte sich Lothar Matthäus über die Arbeitsmoral der Dribbel-Diva. "Sein Auftritt gegen Stuttgart hat mir nicht gefallen. Da ist Lustlosigkeit dabei und somit auch eine Provokation gegenüber den Zuschauern", deutete der Rekord-Nationalspieler an, dass Ribéry seinen Wechsel zu Real Madrid mit latenter Arbeitsverweigerung erzwingen will.

Van Gaal sind restliche Spieler egal

Van Gaal muss jetzt ausbaden, was er sich im Laufe der Saison selbst eingebrockt hat. Der 58-Jährige setzt auf einen Stamm von gerade einmal 13 Spielern. Den Rest straft er mit Missachtung wie Zehn-Millionen-Euro-Mann Anatolij Timoschtschuk. Wenn er diese Kicker aus der zweiten Reihe im Ernstfall aber braucht, ist die Bereitschaft, für den Trainer durchs Feuer zu gehen, bei den Dauer-Reservisten nicht wirklich ausgeprägt. So wie bei Danijel Pranjic. "Ich bin nicht sauer, nur traurig. Ich hätte erwartet, dass ich durchspiele“, sagte der Allrounder nach seiner Auswechslung zur Pause gegen Stuttgart.

Argentinischer Mannschaftsarzt geht auf Bayern-Coach los

Da passt es ins Bild, dass jetzt auch noch der Arzt der argentinischen Nationalmannschaft dem Bayern-Coach verantwortungsloses Verhalten im Fall Martin Demichelis vorwirft. Der Nationalspieler der Gauchos war rund drei Wochen nach seiner schweren Verletzung, bei der er sich mehrere Knochenbrüche im Gesicht zuzog, gegen Stuttgart in der Schlussphase eingewechselt worden. "Ich bin überrascht, dass sie die Gesundheit des Spielers nicht an erster Stelle sehen", sagte Donato Villani der Sportzeitung "Ole". Er sei wirklich enttäuscht, dass die Verantwortlichen von Bayern München die Konsequenzen, die diese Entscheidung haben könnte, nicht beachtet hätten, sagte Villani weiter.

Pokalfinale für Bayern zu wenig

Auf den FC Bayern und seinen Trainer warten stürmische Zeiten. Nur Siege in der Champions League und der Bundesliga können van Gaal davor bewahren, dass nicht kurz vor Saisonende in München jeder auf jeden losgeht. Der Einzug ins DFB-Pokalfinale ist nur ein schwacher Trost. Ausgerechnet jetzt wartet mit Manchester United eines der stärksten Teams Europas auf die krisengeschüttelten Münchner.

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