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Der Clasico - mehr als nur ein Fußballspiel

25.04.2011, 18:31 Uhr | t-online.de

Der Clasico - mehr als nur ein Fußballspiel. Duell der Spielgestalter: Reals Özil (li.) gegen Barcelonas Iniesta. (Foto: imago)

Duell der Spielgestalter: Reals Özil (li.) gegen Barcelonas Iniesta. (Foto: imago)

Von Jonny Giovanni

Heute erinnert sich kaum noch einer, aber es gab einmal Zeiten, da ging es dem Fußball nicht so gut und die Funktionäre ersannen allerlei Pläne, um ihn wieder attraktiver zu machen. In Deutschland beispielsweise schlug Gerhard Mayer-Vorfelder vor, Hin- und Rückspiele zweier Teams in der Bundesliga an aufeinanderfolgenden Spieltagen abzuhalten.

Der Ligaalltag sollte dadurch etwas mehr Würze bekommen, der Sieger des Gesamtduells mit einem Extra-Punkt belohnt werden. Vorfelders Vorhaben wurde allerdings abgelehnt – unter anderem befürchtete man zu viel böses Blut, wenn es zwischen nationalen, oft tief verfeindeten Rivalen so zügig wieder zur Revanche käme.

Der Schiedsrichter kann einem jetzt schon leid tun

Gut zwei Jahrzehnte nach seinem abgeschmetterten Reformvorschlag dürfte Mayer-Vorfelder dieser Tage dafür seine helle Freude haben, wenn er nach Spanien blickt. Dort treffen sich Real Madrid und der FC Barcelona am Mittwoch zum dritten von vier Malen binnen zweieineinhalb Wochen. Der Reigen begann mit einem "normalen" Ligaspiel (1:1), setzte sich fort mit dem Pokalfinale (1:0 n.V. für Madrid) und gipfelt nun im Halbfinale der Champions League. Und ja, es gibt böses Blut, so viel böses Blut, dass einem der Schiedsrichter im Estadio Santiago Bernabéu, Vorfelders Landsmann Wolfgang Stark, schon vorab richtig leid tun kann.

Bereits eine Ligapartie zwischen diesen zwei Teams ist kaum als "normal" zu bezeichnen. Madrid und Barcelona könnten sich zu einem Freundschaftsspiel auf dem Mars treffen, und es würde um den letzten Zentimeter Weltraum gefightet. Allein sportlich geht es bei diesen Duellen ja meist um nicht wenig – wer ist die Nummer Eins im spanischen Fußball? Daneben aber wird auf symbolischer Ebene gekickt: Zentralstaat gegen Region, das Kernland Kastilien gegen die selbstbewussten Katalanen, die während der Unterdrückung durch die Franco-Diktatur im FC Barcelona ihr "unbewaffnetes Heer" fanden, wie es der Schriftsteller Manuel Vazquez Montalban in berühmten Worten einmal ausdrückte.

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"Kleine Spanier, wir haben eure Liga gewonnen"

Diese starke Identität des FC Barcelona – das Vereinsmotto "mes que un club", mehr als ein Klub, bezieht sich vor allem auf die Botschafterrolle für Katalonien – erklärt auch, warum auf der anderen Seite die Anhänger der Madrilenen gegen Barcelona immer besonders viele spanische Flaggen schwenken und besonders gern "Viva Espana" intonieren. Kein englischer, deutscher oder italienischer Gegner weckt in ihnen so viel nationales Pathos, denn die Frage der nach Eigenständigkeit strebenden Katalanen (und Basken) ist auch 35 Jahre nach Ende der Franco-Zeit noch das prägende politische Thema im Lande. Schätzungsweise ein Drittel der Menschen in Katalonien plädiert für eine Unabhängigkeit, über die Hälfte für eine deutlich weitere Autonomie als bisher in dem ohnehin föderal verfassten Königreich.

Wie sensibel die Thematik ist, zeigten die Wellen, die vorige Woche eine Meldung über angebliche Äußerungen von Barcelonas Gerard Pique schlug. Nach dem 1:1 in der Liga, das die Meisterschaft für seinen Klub bei acht Punkten Vorsprung quasi besiegelte, soll der Katalane laut der Madrider Sportzeitung "Marca" im Spielertunnel die Real-Spieler Iker Casillas und Sergio Ramos angestänkert haben: "Kleine Spanier, wir haben eure Liga gewonnen. Jetzt gewinnen wir noch den Pokal Eures Königs." Pique dementierte zwar und verwies auf seinen Part in der spanischen Nationalmannschaft beim Gewinn des WM-Titels. Doch die Meldung blieb nicht ohne die von der nationalpatriotischen "Marca" wohl durchaus gewollten Folgen – der Auswahlverteidiger wurde beim Pokalfinale von den Real-Fans so unnachgiebig ausgepfiffen wie kein anderer Barca-Spieler.

Die Aggressions-Batterien dürften wieder aufgeladen sein

Vor diesem ganzen Hintergrund reicht in normalen Jahren die Intensität eines einzigen Duells für ein halbes Jahr. Die vier Begegnungen in 18 Tagen sind nun ein absolutes Novum auch für die Beteiligten. Bislang schlägt dabei die Mayer-Vorfelder-Logik voll zu Buche. Da jedes Spiel mit Altlasten des letzten beginnt, geht es von Anfang an richtig zur Sache – allerdings vor allem, was Polemik und Bosheiten angeht. Beim Pokalfinale war die Debattenlust der Akteure fast unerträglich, erst mit fortlaufender Spieldauer ließ sie etwas nach; es fehlte wohl zunehmend die Kraft, jeden Zweikampf um den Ball noch verbal fortzusetzen und nach jedem Pfiff kollektiv den Schiedsrichter zu belagern. Da beide Teams bei ihren (erfolgreichen) Ligaspielen am Wochenende viele Ersatzleute aufboten, dürften die Aggressions-Batterien bis zum Anpfiff im Bernabéu jedoch wieder aufgeladen sein.

Und das ist eben das Problem am Clasico-Reigen, zumal wenn auf einer Seite auch noch ein so zynischer Pragmatiker wie José Mourinho trainiert: Gespielt wird relativ wenig. Für besonders guten Fußball sind die zwei bisherigen Partien jedenfalls nicht in Erinnerung.

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