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FC Bayern: Rätsel um dubiose Hoeneß-Brandrede

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Rätsel um dubiose Hoeneß-Brandrede

18.08.2011, 07:56 Uhr | t-online.de

FC Bayern: Rätsel um dubiose Hoeneß-Brandrede. Uli Hoeneß war anscheinend mit der ersten Halbzeit seiner Bayern gegen Zürich nicht zufrieden. (Foto: imago)

Uli Hoeneß war anscheinend mit der ersten Halbzeit seiner Bayern gegen Zürich nicht zufrieden. (Foto: imago)

Aus München berichtet Thomas Tamberg

Der Einzige beim FC Bayern München, der sich derzeit in Höchstform präsentiert, ist Uli Hoeneß. Zwar legte der deutsche Rekordmeister mit einem nie gefährdeten 2:0-Erfolg gegen den FC Zürich im Play-off-Hinspiel den Grundstein für den Einzug in die Gruppenphase der Champions League. Doch für die Schlagzeilen an diesem lauen Sommerabend sorgte der Präsident. Vor dem Spiel watschte er in einem TV-Interview Oliver Kahn für seine Führungsspieler-Kritik ab, dann machten Gerüchte um eine dubiose Kabinenpredigt in der Halbzeit die Runde. Hoeneß soll beim Stand von 1:0 dem Team in der Pause einen überraschenden Besuch abgestattet haben.

Den Stein ins Rollen brachte jedenfalls Arjen Robben, der im "Sky-Interview" auf die Frage, ob Hoeneß eine Brandrede gehalten habe, frei von der Leber antwortete: "Ja, da sind Sie gut informiert. Das waren einfach Emotionen, das gehört zum Fußball." Karl-Heinz Rummenigge dagegen dementierte einen solchen Auftritt: "Das stimmt nicht."

Jeder sagt etwas anderes

Auch die Spieler gaben unterschiedliche Antworten. Während Manuel Neuer preisgab, dass Hoeneß in der Kabine gewesen sei, sagte Bastian Schweinsteiger: "Ich habe ihn nicht gesehen." Ebenso wie Franck Ribéry. Der Franzose mutmaßte: "Vielleicht war er ja vor der Tür." Auch Mario Gomez konnte oder wollte nicht zur Erhellung beitragen: "Ich weiß nicht, wo er in der Halbzeit war."

Christian Nerlinger übte sich indes in Diplomatie. "Was in der Kabine passiert, ist nichts für die Öffentlichkeit", sagte der Sportdirektor lediglich. Immerhin gab Lahm letztlich zu, dass der Klub-Präsident zwar nicht direkt in der Kabine gewesen sei, aber: "Bei uns ist die Kabine etwas größer als nur ein Raum." Direkt zur Mannschaft habe er jedoch nicht gesprochen, so der Bayern-Kapitän. Laut "tz"-Informationen soll Hoeneß sich im Kabinenvorraum aufgehalten und dort seinem Ärger Luft gemacht haben.

Schweinsteiger-Treffer zu wenig

Sollte sich die Begebenheit tatsächlich so abgespielt haben, zeigt es vor allem den enormen Druck, der auf dem FC Bayern und seinen Bossen lastet und der schon einmal zu einer emotionalen Überreaktion führen kann. Ein Verpassen der Champions League würde die Saison zu einem Fiasko machen, bevor sie überhaupt erst richtig angefangen hat. Schließlich findet das Finale in München statt.

Eigentlich wäre ein präsidialer Kabinengang nicht nötig gewesen. Der FC Bayern ging früh durch ein Kopfballtor von Schweinsteiger in Führung (8.). Einziger Vorwurf: Der Gastgeber setzte gegen die vor Ehrfurcht erstarrten Züricher, die über die gesamte Spielzeit so gut wie keine Torgefahr ausstrahlten, nicht entschlossen genug nach. "In der ersten Halbzeit hatten wir zu wenig Bewegung ohne Ball, wir haben nicht aggressiv genug nach vorne gespielt", analysierte Jupp Heynckes.

Lahme Flügelzange

Aber Hoeneß dürfte auf der Tribüne nicht entgangen sein, dass die Flügelzange mit Ribéry und Robben ("Ich bin erst bei 60 oder 70 Prozent") ebenso noch längst nicht das Niveau vergangener Tage erreicht hat, wie Stoßstürmer Gomez, der drei hochkarätige Torchancen ausließ. Die größte vergab der Torschützenkönig der letzten Saison in der 51. Minute. "Ich habe ihn angenommen, geguckt und dann neben das Tor geschossen", sagte Gomez trocken über seinen Schuss aus fünf Metern in den Nachthimmel.

So blieb es wieder einmal Robben vorbehalten, mit einem Geniestreich das beruhigende 2:0 zu erzielen. In der 72. Minute zirkelte er den Ball aus 18 Metern in den Winkel. "Wir hätten höher gewinnen müssen", sagte Lahm. "Das müssen wir uns ankreiden. Ansonsten war es ein gutes Spiel." Und Schweinsteiger hob das Defensivverhalten hervor. "Wir haben wieder zu Null gespielt. Das ist sehr wichtig." Letztlich zog Vereinsboss Rummenigge ein treffendes Fazit: "Wir haben ein gutes Ergebnis erzielt, das ein sehr gutes hätte werden können."

Robben übt scharfe Kritik

Dennoch bleibt der FC Bayern 2011 ein hochsensibles Gebilde. Das lassen auch die Worte Robbens vermuten, der längst nicht so positiv in die Zukunft blickt, wie die beiden Kapitäne. "Wir machen zu viele Fehler und spielen nicht aggressiv genug nach vorne. So wird es ganz schwierig. Wir brauchen mehr Leidenschaft. Die haben wir heute nicht gesehen", kritisierte der Niederländer das Team ungewohnt scharf.

Vielleicht gelingt es allen Beteiligten nach dem Rückspiel am Dienstag, den 23. August, etwas Dampf aus dem Kessel zu nehmen. Es verfestigt sich immer mehr der Eindruck, dass der gewaltige Druck dieses Mal nicht von außerhalb kommt, sondern hausgemacht ist. Bester Beweis ist der Kabinengang des Präsidenten.

Kein Zweifel am Weiterkommen

Und so scheinen die Aussagen von Heynckes ("Die Erwartungshaltung ist riesig, aber man muss Geduld haben") und Nerlinger ("Ich glaube, dass wir die Erwartungshaltung, die hier an die Mannschaft gestellt wird, etwas senken müssen. Ein 2:0 gegen den FC Zürich ist ein hervorragendes Ergebnis") eher nach innen gerichtet, als an ein Appell an die eigenen Fans und die Medien. Schließlich müsste es schon mit dem Teufel zugehen, so Neuer, wenn sich der FC Bayern in Zürich noch die Butter vom Brot nehmen lassen würde.

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