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Champions League: Olympique Lyon schlägt Dinamo Zagreb sensationell hoch

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Lyoner Wunder und Rekord-Dreierpack in Zagreb

08.12.2011, 10:27 Uhr | t-online.de

Champions League: Olympique Lyon schlägt Dinamo Zagreb sensationell hoch. Glückwunsch für Bafetimbi Gomis für seinen Dreierpack (Quelle: Reuters)

Glückwunsch für Bafetimbi Gomis für seinen Dreierpack (Quelle: Reuters)

Für die einen war es ein Fußball-Märchen, für die anderen ein Alptraum: Am Ende des wahrscheinlich verrücktesten Fernduells in der Geschichte der Champions League jubelte Olympique Lyon über den kaum noch für möglich gehaltenen Einzug ins Achtelfinale, während Ajax Amsterdam mit dem Schiedsrichter haderte. Hinter den Zahlen 7:1 (Lyon bei Dinamo Zagreb) und 0:3 (Amsterdam gegen Real Madrid) verbirgt sich eine schier unglaubliche sportliche Wiederauferstehung.

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Diese ganze Dramatik ließ andere außergewöhnliche Dinge in den Hintergrund rücken. So zum Beispiel die Tatsache, dass Lyons Gomis den schnellsten Dreierpack in der Geschichte der Königsklasse schaffte (zwischen der 45. und 52. Minute) und sich als siebter Spieler in die Reihe der Vierer-Torschützen einreiht. Mehr Treffer in einer Partie schaffte noch niemand. Sehr schnell reagierte übrigens Dinamo Zagreb, das nach dem Debakel Trainer Krunoslav Jurcic entließ.

Daumen hoch

Allerdings könnte die Begegnung ein Nachspiel haben. Die französische Wettkontrollbehörde sieht anscheinend Anzeichen für eine Manipulation und hat daher Untersuchungen eingeleitet. Wetten auf dieses Spiel würden derzeit überprüft, sagte ein Sprecher. Die niederländische Tageszeitung "De Telegraaf" verweist zudem auf eine von TV-Kameras eingefangene Szene aus der 64. Minute. Nach dem 5:1 für Lyon zwinkert Zagrebs Verteidiger Domagoj Vida Stürmer Gomis zu und hebt dabei den Daumen. Jedoch könnte dies auch das Ende eines kleinen Verbalduells der beiden gewesen sein.

Die spanische Sporttageszeitung "Marca" zweifelt ebenfalls an der Rechtmäßigkeit des Sieges. "Ein ganz, ganz komisches Spiel. Dieses Video sollte sich die UEFA genau anschauen", hieß es in dem Blatt. Demnach sei es offensichtlich, dass sich Zagrebs Torwart Ivan Kelava bei den sechs Gegentoren in der zweiten Halbzeit sehr passiv verhalten habe. Amsterdams Trainer Frank de Boer wollte sich mit dem hohen Sieg des Konkurrenten nicht so einfach abfinden: "Ein 7:1 kommt auf diesem Niveau normalerweise nicht vor. Die UEFA muss die Sache untersuchen."

UEFA: "Keine irregulären Wettmuster"

Unterdessen hat das Wettbetrugs-Warnsystem der UEFA bislang keine Auffälligkeiten gemeldet. "Zum jetzigen Zeitpunkt" habe das Warnsystem "keine irregulären Wettmuster bezüglich des gestrigen Spiels gezeigt, die eine Untersuchung rechtfertigen würden", hieß es in einer schriftlich übermittelten Stellungnahme des europäischen Dachverbandes.

Die UEFA habe "die Berichte über das gestrige Spiel und die verschiedenen in Medien erhobenen Vorwürfe zur Kenntnis genommen" und warte nun die Berichte des Schiedsrichters, der Schiedsrichter-Beobachter und der Match-Delegierten ab. Man wolle sehen, ob nach deren Ansichten "etwas Verdächtiges passiert sein könnte". Wenn es in diesen Berichten Anhaltspunkte für Unregelmäßigkeiten gebe, werde die UEFA Untersuchungen einleiten. "Aber im Moment gibt es dafür keine Gründe", hieß es weiter.

Zur Halbzeit mit ganz schlechten Karten

Lyon war mit drei Punkten und sieben Toren Rückstand auf den Gruppenzweiten Ajax ins letzte Spiel der Gruppe D gegangen. Zur Halbzeit stand es in Zagreb 1:1. Amsterdam schien trotz eines 0:2-Rückstands und zwei nicht anerkannten regulären Toren bei Real voll auf Kurs zu sein.

Was dann passierte, beschreibt Olympique auf seiner Webseite schlicht als Wunder. Den Weg dorthin ebneten Bafetimbi Gomis (48., 52.) und Maxime Gonalons (ebenfalls 48.) mit drei Treffern binnen vier Minuten. 4:1, doch das war noch nicht genug. Beim 6:1 - Lisandro Lopez (65.) und erneut Gomis (70.) hatten getroffen - war Lyon erstmals "virtuell" vor Ajax. Das 7:1 durch Jimmy Briand (76.) und Amsterdams 0:3 gegen Madrid in der 90. Minute sorgten dann sicher nicht nur bei Olympique-Präsident Jean-Michel Aulas für "eine Erinnerung fürs Leben".

"Wie ein Hammerschlag"

Eine solche dürften auch die Niederländer mitgenommen haben. Allerdings eher eine traumatische. "Das hat Ajax nicht verdient", sagte Real-Trainer José Mourinho auch mit Blick auf die zwei nicht gegebenen Tore der Gastgeber. Deren Trainer de Boer fühlte sich von einem Werkzeug getroffen: "Das ist wie ein Hammerschlag."

Lyon wehrt sich gegen Verdacht

Unterdessen hat sich Lyon gegen den Betrugsverdacht gewehrt. Der französische Klub "bedauert, dass die Kommentare sich nicht auf den sportlichen Teil einer unglaublichen Heldentat beschränken, die sowohl Olympique Lyon als auch der französische Fußball vollbracht haben", heißt es in einem Kommuniqué des Vereins.

Rache der Spanier?

Olympique-Präsident Jean-Michel Aulas warf den spanischen Medien vor, die Betrugsgerüchte aus Rache in Gang gesetzt zu haben. "Das ist eine Antwort der spanischen Medien auf die von (Ex-Tennis-Star) Yannick Noah angezettelte Doping-Polemik", sagte Aulas im Gespräch mit dem Radiosender Europe 1. Man dürfe sich nicht "völlig unmögliche Sachen vorstellen (...) Ich glaube, das ist vonseiten der Spanier kein Fair Play", fügte Aulas an. Der Franzose Noah hatte jüngst mit pauschalen Dopingvorwürfen gegen den spanischen Sport und der Forderung nach einer Freigabe verbotener Mittel Empörung ausgelöst.

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