26.04.2012, 13:57 Uhr | t-online.de
Bastian Schweinsteiger freut sich nach dem entscheidenden Elfer. (Quelle: dapd)
Es war ein Spiel für die Geschichtsbücher. Jeder, der es live mitverfolgen durfte, wird sich sein Leben lang an dieses Match erinnern. "So etwas habe ich in 40 Jahren im Profifußball noch nicht erlebt", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge im Überschwang der Gefühle. "Das toppt alles, was wir in den 70er und 80er Jahren erlebt haben." Wenige Minuten zuvor hatte der FC Bayern München in der Hölle von Bernabeu in einer dramatischen Partie mit 4:3 nach Elfmeterschießen gegen Real Madrid gewonnen und den Einzug ins Finale der Champions League perfekt gemacht. (Video: Rummenigge über das Spiel in Madrid)
"Es war ein außergewöhnliches Spiel. Es ist alles passiert, was man sich vorstellen kann. Ein unglaubliches Spiel, hohes Niveau, hohe Intensität. Das war ein historischer Sieg heute", zollte auch der anwesende Bundestrainer Joachim Löw den Bayern für ihren couragierten Auftritt im Halbfinal-Rückspiel der Königsklasse Respekt.
Der deutsche Rekordmeister triumphiert bei Real Madrid. Tore und Highlights aus dem Halbfinal-Rückspiel. zum Video
Es bleibt dabei: Der FC Bayern ist und bleibt Real Madrids Angstgegner. Im 19. Duell war es der elfte Sieg bei zwei Remis für die Münchner. "Otra vez la bestia negra", titelte die Internetausgabe der "Marca" unmittelbar nach dem Match. "Wieder die schwarze Bestie". So werden die Bayern ehrfurchtsvoll genannt.
Dabei starteten die Gastgeber furios als gäbe es kein Morgen. Nach zwei Treffern von Cristiano Ronaldo (6. Handelfmeter/14.) drohte den Bayern vor 80.000 euphorisierten Zuschauern im Bernabeu-Stadion ein Debakel. "In den ersten 15 Minuten hatten wir große Schwierigkeiten", sagte Trainer Jupp Heynckes. Doch Arjen Robben sorgte mit seinem Foulelfmeter (27.) für den 2:1-Anschlusstreffer. Damit herrschte nach dem 2:1-Hinspielsieg der Münchner Gleichstand.
Während beide Teams in der ersten Hälfte mit offenem Visier eine Attacke nach der anderen auf das gegnerische Tor starteten (Uli Hoeneß: "In einem Auswärtsspiel in einem Champions-League-Halbfinale habe ich noch nie so viele Torchancen erlebt"), wurde das Spiel mit zunehmender Dauer immer taktischer. Keiner wollte den entscheidenden Fehler begehen. So musste letztlich im Elfmeterschießen die Entscheidung fallen. Und da hätten die Deutschen ja meistens die Nase vorn, sagte Bastian Schweinsteiger hinterher.
Der Mittelfeldstratege hielt die gesamten 120 Minuten durch und verwandelte den entscheidenden fünften Elfmeter. "Bis zur 110 Minuten habe ich mich ganz gut gefühlt, dann begannen die Krämpfe", sagte er und gab zu, beim Gang zum Punkt doch ein wenig nervös geworden zu sein. "Ich habe kurz meine Eier verloren, habe sie aber rechtzeitig wieder gefunden. Ich hatte nur im Kopf, den Ball rein zu machen." Ein Sonderlob gab es daher vom Trainer. Heynckes: "Er hat in diesem Jahr viel durchgemacht und heute super gespielt."
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Doch der Mann des Abends hieß Manuel Neuer. Im Elfmeterschießen parierte er gleich die ersten beiden Schüsse von Ronaldo und Kaka und zog so den Spaniern den Zahn. "Ronaldo hat mich im Spiel bereits einmal verladen, da hatte ich was gutzumachen", kommentierte der Ex-Schalker seine Glanzparade gegen den 94-Millionen-Euro-Mann. "Deswegen lieben wir ihn alle", sagte Rummenigge. Dass anschließend Toni Kroos ("Ich dachte ein bisschen Spannung wäre gut") und Philipp Lahm ebenfalls vom Punkt scheiterten, passte ins Bild dieses dramatischen Abends.
"Ich dachte, ich sterbe", sagte Hoeneß, nachdem der Bayern-Kapitän an Iker Casillas scheiterte. Zum Glück setzte Sergio Ramos direkt nach Lahm seinen Elfmeter in die Wolken. Noch nie zuvor hatte man den Klub-Präsidenten so fertig und geschafft erlebt wie unmittelbar nach dem Schlusspfiff. Mit dem Endspiel am 19. Mai im eigenen Stadion habe man sich einen Traum erfüllt, so Hoeneß. "Es ist doch noch eine tolle Saison geworden."
Davon kann bei Real Madrid keine Rede sein. Zwar steht der Klub als neuer spanischer Meister so gut wie fest, doch bei den Königlichen zählt eben vor allem die Königsklasse. "Wir sind alle sehr niedergeschlagen", sagte der deutsche Nationalspieler in Reihen Reals Sami Khedira. "Wir haben nahezu perfekt angefangen und dann ein bisschen aufgehört Fußball zu spielen und verpasst, das dritte Tor nachzulegen. Das müssen wir jetzt erst mal verdauen."
Verdauen müssen auf Bayern-Seite Holger Badstuber, David Alaba und Luiz Gustavo die Tatsache, dass sie im Finale gegen den FC Chelsea nicht dabei sein werden. Sie sahen jeweils ihre dritte Gelbe Karte und sind im Endspiel gesperrt. "Das ist natürlich ein Wermutstropfen", sagte Heynckes. Für Rummenigge ist es "wurscht. Wir sind im Finale und werden am 19. Mai alles reinschmeißen, um diesen Pokal in München zu lassen."
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Bereits jetzt hat der FCB Historisches erreicht. Nie zuvor ist ein Klub in das Finale der Königsklasse im eigenen Stadion eingezogen. Der Schlachten erprobte Hoeneß weiß den Moment richtig einzuordnen: "Das allerhöchste was du erreichen kannst, ist eine Weltmeisterschaft oder ein Champions League-Endspiel im eigenen Stadion. Das wird ein Spieler nie wieder erleben."
Quelle: t-online.de
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