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BVB-Fans zu kritisch? Kevin Großkreutz schimpft über Pfiffe

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Spieler kritisieren Fans  

Der BVB ist weiter, doch der Zauber ist weg

20.03.2014, 14:35 Uhr | t-online.de

BVB-Fans zu kritisch? Kevin Großkreutz schimpft über Pfiffe. Mit hängenden Köpfen schleichen die Dortmunder nach der Niederlage gegen St. Petersburg in die Kabine. (Quelle: AP/dpa)

Mit hängenden Köpfen schleichen die Dortmunder nach der Niederlage gegen St. Petersburg in die Kabine. (Quelle: AP/dpa)

Von Patrick Brandenburg

Als der nächste Meilenstein der Klubgeschichte endlich geschafft war, wurde es ein wenig gespenstisch im früheren Westfalenstadion. Borussia Dortmund hatte gerade zum zweiten Mal in Folge das Viertelfinale der Champions League erreicht, ein solcher Doppelschlag war dem Klub zuletzt vor 16 Jahren gelungen. Doch die überschwängliche Jubelsause nach Spielende fiel aus.

Die Südtribüne war nur noch zur Hälfte gefüllt, als die Spieler sich vor der Gelben Wand feiern lassen wollten. Selbst unter den Treuesten der Treuen sprinteten viele lieber schnell zum Zug, als eine Europapokal-Party zu feiern. Schon als die 1:2-Heimpleite gegen Zenit St. Petersburg Form annahm, hielt sich die Begeisterung in Grenzen - so sehr, dass sich drei BVB-Urgesteine nach Spielschluss bemüßigt sahen, die eigenen Fans zu kritisieren.

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Großkreutz: "Im Spiel brauchen wir Unterstützung"

"Das gefällt mir überhaupt nicht. Nach jedem Ballverlust Gestöhne. Nachher darf man pfeifen, aber im Spiel brauchen wir die Unterstützung", schimpfte Urborusse Kevin Großkreutz wie ein Rohrspatz in die TV-Kameras und hatte dabei offenbar die Haupttribüne im Visier. Angesichts einer erschreckend stotternden Leistung der früheren Vollgasfußballer waren die Anhänger auf den Rängen teilweise nicht in Stimmung, einen Fußballfeiertag zu zelebrieren.

Beim Durchmarsch ins Finale der Königsklasse in der vergangenen Saison waren diese Feste noch mit schönster Regelmäßigkeit zu bestaunen. Trotz des scheinbar komfortablen 4:2-Vorsprungs aus dem Hinspiel in Russland mussten die Fans nun deutlich mehr zittern als gedacht. Nur ein Gegentreffer zusätzlich, und der BVB hätte weiche Knie bekommen. Zwei mehr, und das Abenteuer Europa wäre sogar beendet gewesen. All das war durchaus möglich gegen St. Petersburg. Ein wirkungsvoller Euphorie-Killer, denn viele Schwarz-Gelbe waren im 200. Europapokalspiel des Champions-League-Siegers von 1997 fest auf Jubiläumssieg Nummer 100 programmiert.

Klopp wird philosophisch

"Das war kein gutes Spiel von uns heute, wir haben viele Fehler gemacht“, gab Sportdirektor Michael Zorc zu. Nach dem mäßigen Auftritt der Mannschaft beeilten sich die Verantwortlichen des BVB aber auch, das Resultat ins rechte Verhältnis zu setzen. "Ein ganz, ganz großartiger Erfolg versteckt sich manchmal hinter einer 1:2-Niederlage", sagte etwa Jürgen Klopp beinahe philosophisch.

Wie schon vor vier Tagen bei der Bundesliga-Heimniederlage gegen Gladbach stellte sich der Trainer vor sein eigenes Team und scheute nicht einmal davor zurück, Gegner Zenit sicherheitshalber zu einer "unfassbar talentierten Mannschaft“ zu überhöhen. Und das, obwohl die Russen seit Oktober 2013 nur zwei von 13 Pflichtspielen gewonnen haben.

Der BVB spielt zu verkrampft

Zenits Traumtor durch Brasiliens Nationalstürmer Hulk nach gut einer Viertelstunde raubte dem BVB schnell die Sicherheit, einen lässigen Auftritt hinzulegen. Nicht einmal Sebastian Kehls Ausgleichstreffer noch vor der Pause (38.) war geeignet, Souveränität herzustellen. Der Kapitän nickte nach Maßflanke von Marcel Schmelzer zu seinem allerersten Champions-League-Treffer ein. Nachdem der BVB im ersten Durchgang durch einen Kopfball des ansonsten unterirdischen Pierre-Emerick Aubameyang (5.) und den Weitschuss von Kevin Großkreutz (24.) immerhin noch zwei richtig gute Chancen besaß, verkrampfte sich die Borussia nach dem Wechsel in ihrer Schonhaltung. Keine einzige zwingende Aktion gelang den Dortmundern, in der Schaltzentrale war Henrich Mchitarjan erneut ein Totalausfall.

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Wie schon zuletzt in der Liga wirkten die Ideen im Offensivspiel der Westfalen mitunter unverständlicher als die Steuerakte von Uli Hoeneß. Obwohl die Partie beim Spielstand von 1:1 wieder wie gemalt war für die ehemaligen Umschaltweltmeister, fanden die Klopp-Schützlinge nicht ein einziges Mal (!) gefährlich den Weg vors Tor von Zenit-Keeper Wjatscheslaw Malafejew. Auf der anderen Seite suchte Zenit bis zuletzt seine kleine Chance, kam durch Jose Rondon (73.) zum zweiten Treffer und hätte durch den Distanzschuss von Axel Witsel sogar fast noch das bedrohliche dritte Tor erzielt (88.).

Korken auf der Dortmunder Vorliebe für Party und Euphorie

"Ich habe das Gefühl, dass wir uns dafür entschuldigen müssen, in der Runde der letzten Acht zu sein. Das stört mich“, kritisierte Mittelfeldspieler Nuri Sahin, nachdem alle mal kräftig durchatmen konnten. Neben Großkreutz rieb sich auch der zweite Urborusse offenbar an der mangelnden Unterstützung, anstatt die eigene, höchstens durchschnittliche Darbietung dafür verantwortlich zu machen, dass der Funke nicht übersprang wie gegen Donezk, Malaga oder Madrid in der vergangen Saison, oder selbst noch gegen Neapel oder Marseille in der jüngsten Gruppenphase.

Auch Routinier Kehl gesellte sich zu den Kritikern, als er auf die Atmosphäre und die Ungeduld mancher Fans angesprochen wurde. "Einige in der Mannschaft beschäftigt das sehr. Ein Heimspiel sollte ein positives Erlebnis sein und nicht das Gefühl vermitteln, dass man ein Verbrechen begangen hat."

Lewandowski mit Selbstkritik

Immerhin fand Robert Lewandowski klare Worte zur sportlichen Leistung: "Wenn wir so spielen wie heute, wird es im Viertelfinale schwer", sagte der Stürmer, der ebenfalls einen gebrauchten Abend erwischte und sich zu allem Überfluss noch eine Gelbe Karte einhandelte: Im richtungsweisenden Hinspiel der nächsten Runde ist Dortmunds Lebensversicherung in Sachen Europapokaltore gesperrt.

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Weil kurz vor Schluss in Marcel Schmelzer auch noch der stärkste Borusse dieses Achtelfinalduells verletzt ausfiel und das BVB-Lazarett immer größer wird, steht die Borussia zumindest auf dem Papier schon jetzt vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe. Schließlich liegen bei der Auslosung in Nyon am Freitag nur noch absolute Top-Teams wie Bayern München, der FC Barcelona, Real Madrid, Paris Saint-Germain, der FC Chelsea oder Atletico Madrid im Topf. Lediglich das Los Manchester United scheint derzeit ein wenig Hoffnung zu bieten, da die Engländer trotz des Weiterkommens in einer unbewältigten Krise stecken.

Der große Zauber ist weg

Auch wenn der erneute Einzug ins Viertelfinale natürlich ein Riesenerfolg ist - verdient obendrein angesichts des unfassbaren Ausfallpechs in den letzten Wochen und Monaten - so wirkt es 2014 doch ein wenig, als habe sich der BVB ins Konzert der Großen verirrt. Nicht nur aus finanzieller Sicht, wie im vergangenen Jahr, oder aus atmosphärischer, wie nun ziemlich überraschend deutlich wurde, sondern vom spielerischen Niveau. Der ganz große Zauber scheint weg bei dem Team, das in den jüngsten drei Spielzeiten doch alle Fußball-Gesetze aus den Angeln gehoben hatte.

Dass der Klub zurückgeworfen ist auf seine Rolle als krasser Außenseiter, könnte allerdings auch ein Segen sein, um Team und Zuschauer bei der schweren Aufgabe in den beiden ersten Aprilwochen wieder zusammenzuschweißen. Der nie um einen Spruch verlegene Klopp arbeitet jedenfalls schon clever vor, um die Sinne für die äußeren Feinde zu schärfen: "Im Viertelfinale der Champions League steht die Creme de la Creme des europäischen Fußballs - und wir!"

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