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Champions-League-Finale: Atletico und Simeone greifen nach den Sternen

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Kein Außenseiter gegen Real  

Atletico und Simeone greifen im Finale nach den Sternen

22.05.2014, 15:04 Uhr | t-online.de

Champions-League-Finale: Atletico und Simeone greifen nach den Sternen. Diego Simeone  (Quelle: imago/Xinhua)

Diego Simeone hat aus Atletico Madrid eine Weltklassemannschaft geformt. (Quelle: Xinhua/imago)

Von Florian Haupt

Die Straßen rund um Madrids Neptunbrunnen waren rappelvoll, als Diego Pablo Simeone das Wort ergriff. Der Trainer von Atletico Madrid dankte seinen Spielern, der Vereinsführung – und dann gab er der am Vortag in Barcelona errungenen spanischen Meisterschaft vor zehntausenden feiernden Anhängern quasi den philosophischen Überbau. "Noch eine Sache: Das ist nicht nur eine gewonnene Liga. Jungs, Frauen, es ist etwas Wichtigeres. Wenn man glaubt und arbeitet, dann geht es auch."

Wer mag, kann dieser Tage ja in der Tat auf den Gedanken kommen, dass im Leben nichts unmöglich ist, wenn sogar das Duopol im spanischen Fußball gebrochen werden kann. Über viermal so groß ist der Etat von Real Madrid und dem FC Barcelona, die zehn letzten Meisterschaften hatten sie unter sich ausgemacht und dabei in den letzten Jahren zumeist um die zwanzig, dreißig Punkte Vorsprung auf den Dritten gehabt. Bis Simeone zum Jahresbeginn 2012 die Arbeit bei Atletico aufnahm.

Atletico nicht in der Außenseiterrolle 

Die komplette Stammelf von heute stand damals auch schon im Kader, nur Diego Costa und Raul García waren ausgeliehen, außerdem stürmte statt David Villa ein gewisser Radamel Falcao. Es geht hier also nicht um eine Geschichte von klugen Transfers oder einem plötzlichen Schub epochaler Talenten aus der Nachwuchsabteilung. Dass eine Mannschaft, die damals auf Platz elf der Liga rangierte, jetzt Meister ist, dass ein Team, das bei seiner letzten Teilnahme an der Champions League vor vier Jahren kein einziges Spiel gewinnen konnte, jetzt ungeschlagen durch den Wettbewerb rauschte und am Samstag gegen Real Madrid nicht wirklich als Außenseiter gilt – all das hat ganz zweifelsohne in erster Linie mit ihm zu tun, Diego Simeone: El Cholo. 

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So sein Spitzname, der Begriff umschreibt in Argentinien Menschen mit indianischen Wurzeln, es gab außerdem schon mal einen Spieler, der so genannt wurde, aber Simeone sagt: "Den Namen hat mir ein Trainer gegeben, als ich acht war. Keine Ahnung warum". Aufschlussreicher ist wahrscheinlich, dass sie in Spanien inzwischen vom "Cholismus" sprechen, wenn es um bestimmte Weisheiten des Fußballs und des Lebens geht, etwa seine berühmteste Phrase: "partido a partido" – "Spiel um Spiel". 

Die betete Simeone monatelang herunter, um das leidige Thema der Meisterschaftschancen zu umgehen. Vor allem aber, um seinen Spielern zu verdeutlichen, dass eine Mannschaft wie Atletico nur mit den ganz Großen mithalten kann, wenn sie jede Partie angeht, als wäre sie das letzte. Leichte Routinesiege, wie sie Real oder Barca immer wieder mal gelingen, findet man im Archiv des Meisters relativ wenige. Auch deshalb glaubten alle bis vor wenigen Monaten, Atletico werde im Rennen mit den Branchenriesen irgendwann abreisen lassen müssen. 

Ein historischer Glücksfall für den Klub

Die einmalige Intensität dieser Elf ist wohl nur damit zu erklären, dass sich da eine Ausnahmekonstellation zusammen gefunden hat. An Spielern, natürlich, die überwiegend vereint, dass sie nie zu den Stars des Business oder zu dessen größten Talenten gezählt wurden. Die sich deshalb perfekt für die Underdog-Erzählung von Simeone eignen, die sich von ihm infizieren lassen, die ihm "mein Herz geben", wie es Mittelfeldmann Arda Turan einmal formulierte. 

Denn primär ist ja der Coach selbst ein historischer Glücksfall. Jeder Verein hat so etwas wie seinen idealen Trainer, bei Manchester United war es Alex Ferguson, beim FC Barcelona Pep Guardiola, bei Borussia Dortmund ist es Jürgen Klopp. Zu Atlético passt Simeone so gut, dass er die Identität des gefühligen Arbeiterklubs nicht nur komplett verinnerlicht hat. Sondern dem Verein als erster seit der 2014 verstorbenen Klublegende Luis Aragonés auch zeigt, wohin ihn seine Werte tragen können. Mit Zutrauen und Arbeit – für Simeone ist der Fußball wie das Leben. 

Viril, leidenschaftlich, sentimental

Dem 44-jährigen aus einem Innenstadtviertel von Buenos Aires gelingt das alles, weil er sich nicht verstellen muss. Simeone ist wie Atletico: Viril, leidenschaftlich, sentimental. Einer, der gern von "dicken Eiern" seiner Spieler spricht, aber auch in der Öffentlichkeit weinen kann, vor allem wenn es um die Familie geht – seine drei Kinder, die er wegen seiner anderen Liebe, dem Fußball zuhause zurückließ (sein ältester Sohn Giovanni ist inzwischen Profi bei River Plate), oder seinen Vater, der zum Saisonfinale nach Barcelona anreiste, was zu rührenden Wiedersehensszenen am Stadion führte. 

Simeone ist durchaus autoritär, er gilt unter Spielern als einer, den man lieber nicht zum Feind haben möchte. Andererseits war er vor ein paar Monaten entspannt genug, sich die Frisur von einem seiner Spieler abzuschauen. Oben Tolle, an den Seiten ausrasiert – er hatte das von seinem Ersatzverteidiger Toby Alderweireld. 

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Ein Team nach seinem Abbild

Fußballerisch funktioniert der Stiltransfer allerdings umgekehrt. „Eine Mannschaft, die schnell und konkret spielt, die Einsatz zeigt, die nichts verloren gibt, die Widerstände überwindet“: So definierte Simeone einmal, was das Publikum in Atleticos Estadio Vicente Calderón gern sieht. Genauso gut hätte er über seine eigenen Vorlieben sprechen können. Simeone hat ein Team nach seinem Abbild geschaffen. 

Schon als Spieler war er Kämpfer und Stratege, mit Talent, aber auch nicht mit so viel, dass er notwendigerweise argentinischer Rekordnationalspieler werden musste. 106 mal stand er für sein Land auf dem Platz, gehörte aber zu der Generation, die oft als Favorit zur WM reiste, aber dort nie auch nur ins Halbfinale kam. Erfolgreicher war er mit seinen Klubs, allen voran bei Atletico. Mit den Madrilenen gewann er 1996 auch die Meisterschaft – es war die letzte, bis vorige Woche in Barcelona. 

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Als er bei Atletico ankam, sagte Simeone, das Ziel müsse es sein, "dass die Rivalen es als unangenehm empfinden, wenn sie gegen uns spielen müssen." Das ist ihm weidlich gelungen. Bei Real Madrid, so war zu vernehmen, wäre ihn jeder Gegner im Champions-League-Finale lieber gewesen als der vermeintlich kleine Nachbar. 

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