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Champions League: Reals Carlo Ancelotti steht vor dem Finale unter Druck

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Ein Trainer für die großen Momente  

Reals Carlo Ancelotti steht vor dem Finale unter Druck

23.05.2014, 11:09 Uhr | t-online.de

Champions League: Reals Carlo Ancelotti steht vor dem Finale unter Druck. Carlo Ancelotti. (Quelle: imago/MIS)

Carlo Ancelotti trat in Madrid die Nachfolge von Jose Mourinho an. (Quelle: MIS/imago)

Von Florian Haupt

Angesichts der großen Namen im Kader und der nicht minder großen Investitionen dahinter ist es ja schon erstaunlich, dass es zwölf Jahre gedauert hat bis Real Madrid wieder in einem Champions-League-Finale steht. Zwölf Jahre sind eine unerträglich lange Zeit für einen Verein, der in den 1950er Jahren den Mythos des Europacups begründete, darüber selbst zum Mythos wurde und aus dieser Verstrickung ein Sonderverhältnis zu dem silbernen Henkeltopf ableitet. Ein Klub, der sich über nichts so definiert wie diesen Pokal, der nicht wirklich im Reinen mit sich leben kann, wenn sein aktuelles Exemplar nicht in der Vitrine des Klubmuseums im Estadio Santiago Bernabéu steht.

Man sollte also meinen, dass sie dem Typen ein Denkmal bauen, der geschafft hat, wozu unter anderem die Kollegen Carlos Queiroz, Wanderlei Luxemburgo, Fabio Capello, Bernd Schuster, Manuel Pellegrini und José Mourinho in eben diesen zwölf Jahren nicht in der Lage waren: den königlichen Klub wieder auf ein Spiel an das große Ziel heranzuführen. Aber so einfach ist es dann halt auch nicht. Ex-Bayern-Trainer Jupp Heynckes gewann für Real im Jahr 1998 die Trophäe nach 32 Jahren zurück und wurde trotzdem zum Saisonende entlassen; wegen Platz drei in der Liga, dem Pokal-Aus gegen einen Zweitligisten und weil die Spieler sich angeblich über ihn lustig machten.

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Spieler schwärmen von Ancelotti

Die zwei letzteren Umstände treffen auf Carlo Ancelotti schon mal nicht zu. Den Pokal hat er gewonnen, durch einen Halbfinalerfolg gegen den Champions-League-Endspielgegner Atlético gefolgt von einem Finalsieg gegen den Erzrivalen FC Barcelona. Und was die Spieler betrifft: Sie schwärmen in höchsten Tönen von ihm. Cristiano Ronaldo, der Lobhudeleien ja normalerweise eher für sich selbst reserviert, sagt: "Von Anfang an war es sehr angenehm mit ihm, er ist eine großartige Persönlichkeit, ein einmaliger Mensch." Er hoffe, dass Ancelotti noch lange bleibt.

Doch Real Madrid wäre nicht Real Madrid, wenn das alle so sähen. Es gibt Insider, die vermuten, der Trainer könnte eine Finalniederlage nicht im Amt überleben. "Ancelotti vor Gericht", betitelt die renommierte "El País" ihre Vorschau. Was absurd klingen mag, wenn man Real zuletzt beim 4:0 in München, dem wohl triumphalsten Auswärtssieg der Madrider Europapokalgeschichte, gesehen hat. Verständlich wird es allenfalls dann, wenn man die Darbietungen nach dem Bayern-Spiel in Erwägung zieht. Da warfen die Königlichen mit zwei Punkten aus drei Spielen die Meisterschaft weg.

Drei Champions-League-Finals mit dem AC Mailand

Das desaströs verlaufende Ligafinale wirkt dieser Tage neben den Sorgen um die angeschlagenen Ronaldo, Pepe und Benzema sowie dem gelbsperrenbedingten Ausfall von Xabi Alonso als Stimmungshemmer – und es betont eine auffällige Konstante in der Trainervita von Ancelotti. Der 54-jährige Italiener war nie so sehr ein Experte für Meisterschaften. In seinen acht Jahren beim AC Mailand gewann er nur einmal die Serie A. Zwar gelang ihm an seiner nächsten Station Chelsea auf Anhieb der Gewinn der Premier League, zuletzt bei Paris St. Germain verspielte er in seinem ersten Jahr aber eine zur Halbserie übernommene Tabellenführung und erspielte im zweiten den Titel eher als glanzlosen Vollzug der überwältigenden Finanzkraft der Hauptstädter.

Unter dem Flutlicht der Europapokalnächte aber verwandelt sich "Carletto". Da gibt es kaum einen Trainer, der aus seinen Mannschaften so intelligente und selbstsichere Auftritte extrahieren kann. Im selben Zeitraum, in dem er nur eine Serie-A-Meisterschaft erreichte, führte er Milan in drei Champions-League-Finals, von denen er zwei gewann (2003, 2007) und eines nur durch ein Wunder nicht (2005 – die legendäre Aufholjagd des FC Liverpool). Nun würde er mit einem Erfolg gegen Atlético zum ehemaligen Liverpool-Trainer Bob Paisley aufschließen als bisher einzigem Coach mit drei Triumphen im wichtigsten Klubwettbewerb des Kontinents.

Gelassenheit kann Gold wert sein

Wahrscheinlich erklären sich sowohl die Stärke im Europacup wie die relative Schwäche in der Liga letztlich über dieselbe Eigenschaft, die seine herausragende ist, weil sie ihn von allen anderen derzeitigen Spitzentrainern unterscheidet: seine Ruhe, die Gelassenheit. Im Alltag kann sie leichter mal zum Phlegma werden und womöglich das Hochhalten der Intensität erschweren. Doch in den emotionalen Stressmomenten rund um die großen Matches ist sie Gold wert. Dann lässt sie ihn den Überblick behalten und in aller Regel die richtigen Entscheidungen treffen, wo sich anderswo selbst hochkompetente Kollegen verrennen oder ihre Spieler mit Botschaften überfrachten, anstatt ihnen die Nervosität zu nehmen.

Als ähnlich unbestritten wie sein Fußball-Sachverstand und seine feine Beobachtungsgabe gilt in der Fachwelt auch der Befund, dass diese Gelassenheit genauso das Richtige ist für einen so komplexen und latent überreizten Verein wie Real Madrid. So manch anderer hätte schon diese Saison nicht ausgehalten.

Ancelotti: "Ich mache gern weiter, ob mit oder ohne Titel"

Nach einem schwachen Start galt Ancelotti bereits als schwer angezählt, ehe ihn eine Serie von 31 Spielen ohne Niederlage für die Geschichtsbücher empfohlen hätte, wäre sie nicht just durch eine Heimniederlage gegen den FC Barcelona beendet worden, welche die Uhren praktisch wieder auf Null stellte. Ein zittriges Weiterkommen gegen Borussia Dortmund im Champions-League-Viertelfinale vermehrte die Zweifel, die Demontage der Bayern beseitigte sie, das Austrudeln in der Liga holte sie zurück.

"Ich denke nicht an meine Zukunft, sie hängt nicht davon ab, was in diesem Finale passiert", sagt Ancelotti. "Ich mache gern weiter, ob mit dem Titel oder ohne." Sollten sie es im Verein anders sehen, es wäre wohl in erster Linie ihr Verlust.

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