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Atletico - FC Bayern: Madrid hat die "beste Defensive der Welt"

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"Ekliger" Gegner der Bayern  

Atleticos Defensive "die beste der Welt"

27.04.2016, 12:23 Uhr | t-online.de

Atletico - FC Bayern: Madrid hat die "beste Defensive der Welt". Gabi Fernandez in Aktion (Quelle: imago/Agencia EFE)

Gabi Fernandez in Aktion (Quelle: Agencia EFE/imago)

Von Florian Haupt

Seine Mannschaft hätte mehr verdient gehabt, sagte Eneko Boveda, Spieler von Athletic Bilbao vorige Woche nach der 0:1-Heimniederlage gegen Atletico Madrid. Aber nein, man könne deshalb nicht sagen, dass der Sieg der Gäste unverdient gewesen sei: "Sie haben das schon gut gemacht. Sie spielen halt so."

Dieselbe Mischung aus Frust und Anerkennung gibt es in der spanischen Primera Division seit ein paar Jahren regelmäßig zu bestaunen – wenn wieder eine scheinbar ausgeglichene Partie zugunsten von Atletico ausgegangen ist. "Nicht zufällig", wie Boveda hinzufügte. Natürlich nicht; sonst würde der Meister von 2014 kaum schon wieder punktgleich mit Tabellenführer Barcelona um den Titel kämpfen.

In der Regel bleibt es knapp

"Spiel für Spiel", lautete die berühmte Losung von Trainer Diego Simeone. Spiel für Spiel fängt Atletico bei 0:0 an, und Spiel für Spiel bleibt es in aller Regel knapp. Deutliche Siege gehören zu den Ausnahmen, Niederlagen sowieso. Für Pokalwettbewerbe ist die Mannschaft damit prädestiniert. Enge Spielstände machen sie nicht nervös. Im Gegenteil, sie scheint die Spekulation mit dem Resultat zu genießen.

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Er sei sehr glücklich darüber, was er in den vergangenen drei Jahren erlebt habe. Video

Nicht mal im Rückspiel des Champions-League-Achtelfinals gegen den PSV Eindhoven ließen sie sich Madrilenen zu einem Sturmlauf verleiten. Auch wenn sie, die sonst so gern die reicheren Klubs ärgern, diesmal selbst der Favorit waren, die talentierteren Fußballer auf dem Platz hatten und vor eigenem Publikum agierten. Nach einem 0:0 in Holland gingen sie kein hohes Risiko. Wieder 0:0. Dafür trafen sie im Elfmeterschießen alle acht erforderlichen Strafstöße.

Befreiungsschläge werden gefeiert

Die zähe Schlacht bestätigte alle (Vor-)Urteile über Atletico und verleitete Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dazu, bei seinem Plädoyer für eine Setzliste die Partie als dunkles Gegenbeispiel für die spektakulären Achtelfinals der eigenen Elf gegen Juventus Turin zu nennen. Das Publikum im Estadio Vicente Calderon hat mit dem Fußball seines Teams hingegen überhaupt kein Problem.

Atleticos Anhängerschaft ist insofern das Gegenteil der von Real Madrid im nahen Santiago Bernabéu. Wo dort über jede kleinere Ballmisshandlung gemurrt wird, feiern sie am Fluss Manzanares notfalls 90 Minuten lang Befreiungsschläge.

Atletico griff auch nicht an, als es im Viertelfinale gegen Barcelona zuhause einen 1:2-Rückstand aufholen musste. Es überließ den Katalanen den Ball, so wie es das jetzt sicher mit den Bayern (heute ab 20.30 Uhr im Live-Ticker von t-online.de) machen wird. Es setzte den Gegner nur unter Druck, wenn es eine gute Situation zum Pressing antizipierte. Aus einer solchen erzielte Atletico die Führung und verteidigte diese bis zum späten Kontertor zum 2:0 so sicher, wie das gegen Barca nur möglich ist. Wenn Atletico einmal vorn liegt, hat der Gegner ein gehöriges Problem. "Nach hinten sind die beste Mannschaft der Welt", sagt Bilbaos Boveda.

Vor allem ein mentaler Test

Für die Bayern bedeutet das also schon mal: wenn es irgend geht, einen Rückstand vermeiden. Selbst immer kompakt zu bleiben. Bloß nicht die Geduld zu verlieren. Simeones Atletico ist vor allem auch ein mentaler Test.

Keine Mannschaft bestand ihn in der Champions League so gut wie Stadtrivale Real im Viertelfinale der vorigen Saison. Das Team des damaligen Trainers Carlo Ancelotti zeigte 180 Minuten lang kontrollierte Offensive. Sie übernahm den Ball, spielte immer nach vorn, akzeptierte aber das 0:0 im Hinspiel auswärts, öffnete auch im Rückspiel keine Räume für Konter und provozierte schließlich genügend Müdigkeit bei Atletico.

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Die Truppe von Trainer Diego Simeone gilt als unangenehmer Gegner. Video

Dieses musste immer mehr foulen, verlor Arda Turan (heute Barcelona) eine Viertelstunde vor Schluss durch Platzverweis und ermöglichte schließlich die Lücke für den Siegtreffer von Javier Hernandez (heute Leverkusen) in der 88. Minute.

Italienische Inspiration

Es war, ironischerweise, Real einziger Sieg gegen Atletico in den letzten zehn Stadtderbys. Was einen Eindruck davon vermittelt, wie schwer es auch für die Bayern werden könnte gegen die Perfektionisten der Gefahrenabwehr. "Es ist die Mannschaft, die dich am wenigsten machen lässt", sagt Bilbaos Trainer Ernesto Valverde.

Vergleichen lässt sie sich vielleicht am besten mit den erfolgreichen italienischen Teams der Neunziger Jahre. Die Serie A hat Simeone stark inspiriert, als er zwischen seinen zwei Spieleretappen in Madrid (1994-1997, 2003-2005) bei Inter Mailand und Lazio Rom kickte. Taktisch hervorragende, pragmatisch agierende Mannschaften, die schwer zu überwinden waren und vorn auf individuelle Qualität setzten, um aus isolierten Aktionen maximalen Ertrag zu erwirtschaften.

Nur 21 Gegentreffer

Stürmer haben es in so einem System natürlich schwerer als bei offensiv ausgerichteten Teams wie Bayern, Barcelona oder Real Madrid. Die 29 Saisontore (in allen Wettbewerben) von Antoine Griezmann oder die fünf in den letzten sechs Spielen von Fernando Torres bekommen noch mal einen anderen Wert, wenn man bedenkt, dass Atlético nur rund halb so viele Tore schießt wie Real oder Barca.

Dafür kassiert es allerdings auch nur die Hälfte – 16 Gegentore in 35 Ligaspielen, fünf in zehn Champions-League-Spielen. Die defensive Gesamtausrichtung der Mannschaft macht besonders die Innenverteidigung zu einer dankbaren Position. Es scheint nicht mal ein Problem zu sein, wenn einer die ganze Saison über kaum gespielt hat wie der junge Lucas Hernandez – er ersetzte im Viertelfinale gegen Barcelona problemlos die angeschlagenen Jose Maria Gimenez und Stefan Savic. Gegen die Bayern fehlt allerdings mit Abwehrchef Diego Godín ein anderes Kaliber, nicht zuletzt auf mentaler Ebene.

Da die Mittelfeldspieler in Simeones üblichem 4-4-2 stark einrücken, kommt den Außenverteidigern eine Schlüsselrolle auch in der Offensive zu. Der ehemalige Flügelstürmer Juanfran dringt dabei auf rechts gern zur Grundlinie vor, während der zuletzt enorm starke Filipe Luis auf links variabel agiert und bisweilen ein Teil der Spielmacheraufgaben übernimmt; insbesondere in Kontersituationen.

Gabi als verlängerter Arm

Vor allem gegen Spitzenmannschaften kann Simeone der Torabschluss gar nicht schnell genug gehen. Auf dem Weg dorthin verfügt er über eine Reihe von Spezialagenten. Für den entscheidenden Pass in die Spitze hat er das Eigengewächs Koke, für Vorstöße aus der zweiten Reihe den ebenfalls aus der eigenen Jugend stammenden Saul und für schnelle Alleingänge den im Sommer aus Monaco verpflichteten Yannick Carrasco.

Wie die Stürmer muss aber auch dieses kreative Trio zuvorderst die eigenen Reihen geschlossen halten – und sich ausufernd am Pressing beteiligen.

Dieses wird von Kapitän Gabi Fernandez organisiert, dem fußballerisch vielleicht unspektakulärsten, strategisch aber wichtigsten Atletico-Spieler. Der Routinier ist der verlängerte Arm des ehemaligen Mittelfeldspielers Simeone. Gabi setzt die Signale für Vorstöße und Rückzuge, er korrigiert die Abstände eines Kollektivs, dessen Teile so perfekt ineinandergreifen wie kaum anderswo in Europa. Er weiß auch ziemlich gut, wann ein taktisches Foul dem Gesamtplan weiterhilft.

Den Ball schnell laufen lassen

Dass die Bayern sich auf einen robusten Gegner mit "ekliger" (Manuel Neuer) Spielweise treffen, die Spieler von Real und Barça in den letzten Jahren bisweilen sogar als "gewalttätig" bezeichneten – all das ist zuletzt hinreichend beschworen worden. Die Gefahr dürfte also eher darin bestehen, die möglichen Scharmützel zu überhöhen und damit Atletico in die Falle zu tappen.

Für den Erfolg müssen sich die Münchner wohl auf das konzentrieren, was sie besser können. Den Ball schnell laufen lassen, ihre offensiven Varianten zeigen. Damit nicht auch sie später mit einer dieser Niederlagen dastehen, die irgendwie unerklärlich aussehen. Aber doch erklärbar sind. 

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