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FC Bayern wirkt in Champions League nicht wie ein Titelkandidat

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Fehlender "Killerinstinkt" in Madrid  

FC Bayern wirkt nicht wie ein Titelkandidat

29.09.2016, 14:02 Uhr | t-online.de

FC Bayern wirkt in Champions League nicht wie ein Titelkandidat. Franck Ribery (links) und Arturo Vidal: Es war nicht der Abend der Bayern in Madrid. (Quelle: Reuters)

Franck Ribery (links) und Arturo Vidal: Es war nicht der Abend der Bayern in Madrid. (Quelle: Reuters)

Aus Madrid berichtet Florian Haupt

Fünf Minuten Nachspielzeit, ein wild gestikulierender Trainer Diego Simeone, ein Stadion am Rande des Infarkts. Es war ein Abend voller Leidenschaft im Estadio Vicente Calderón, ein Spitzenspiel der Champions League, ein Sieg, den die Gastgeber von Atlético Madrid in großem Stil zelebrierten. Noch weit nach dem Schlusspfiff dieses 1:0 (1:0) ihrer Mannschaft durch ein Tor von Yannick Carrasco.

Den unterlegenen Bayern blieb derweil wenig Trost. Sie hatten nicht höher verloren, was angesichts eines Pfostentreffers von Fernando Torres und eines Lattenelfmeters von Antoine Griezmann möglich gewesen wäre. Und wenigstens in dieses spanische Stadion müssen sie wohl nie wieder zurück: es wird im Sommer abgerissen.

Nichts als Ernüchterung

Ansonsten brachte der ersehnte Härtetest nach fünf relativ leichten Bundesligagegnern - darunter die vier Letzten der aktuellen Tabelle - nichts als Ernüchterung. Auch wenn es "nur ein Gruppenspiel" war, wie die Bayern nachher betonten, hatten sie sich doch etwas vorgenommen: mal nicht in Spanien zu verlieren - etwa nach den Pleiten der Vorjahre in Madrid (Bernabéu und Calderón) sowie Barcelona. Und den gelungenen Start unter dem neuen Trainer Carlo Ancelotti in einer dieser wenigen Ansetzungen zu veredeln, die für eine Mannschaft ihrer Klasse als Gradmesser gelten.

Doch am Ende verließ niemand das Calderón unbeschadet. Nicht die Spieler, denen Torwart Manuel Neuer den "Killerinstinkt" absprach und für die Kapitän Philipp Lahm unumwunden die Verantwortung übernahm: "Wenn zu viele nicht auf ihrem Niveau spielen - und da zähle ich mich dazu -, dann wird es schwer gegen so eine Topmannschaft." Aber auch der neue Trainer sah nicht gut aus. Dabei hatte Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge den Spanien-Trip zu einer Art Vergleich mit seinem Vorgänger stilisiert: "Die Chance, mit Carlo zu zeigen, dass wir wenigstens mal einen Punkt da holen können – oder auch drei".

Fünf Monate nach dem Halbfinale der Vorsaison unter Pep Guardiola waren die Bayern jedoch eher weiter weg von einem (Teil-)Erfolg. War es ihnen damals gelungen, die Partie fast durchgängig zu kontrollieren, wusste man diesmal oft nicht so recht, was sie spielten. Noch das Alte? Schon etwas Neues? Und wenn ja, was?

Bayern-Herrlichkeit dauert eine Viertelstunde

Dass Ancelotti in seinen zwei Jahren bei Real Madrid insgesamt 13 Mal gegen Simeones Atlético angetreten war, machte sich nur anfangs positiv bemerkbar. Da gelang es den Münchnern noch, die punktuellen Pressing-Überfälle der Gastgeber abzuwehren und ihnen keine Überzahl in Ballnähe zu gestatten. Die Herrlichkeit dauerte ungefähr eine Viertelstunde und erlebte die beste Bayern-Chance des ganzen Spiels, einen Volleyschuss von Thomas Müller nach wunderbarem Lupfer von Thiago. Danach störte Atlético die Münchner Kombinationen immer gefährlicher und gelangte binnen weniger Minuten zu mehr Torchancen als im gesamten Halbfinale der Vorsaison.

Eine davon nutzte Carrasco mit einem Flachschuss, nachdem ihm Griezmann den Ball nach einer eleganten Ballbehauptung gegen drei Bayern in den Lauf gelegt hatte. Die Botschaft dieses Kontertors sollte sich noch öfter wiederholen: die Bayern verloren zu viele Bälle. Und immer wenn Atlético das Tempo anzog, waren sie in der Rückwärtsbewegung schnell überfordert.

"Wir haben sehr langsam gespielt"

Geschwindigkeit, das Thema des Abends - auch in die andere Richtung. "Wir haben sehr langsam gespielt, das war das Problem", analysierte Carlo Ancelotti. Etwas statisch, ließe sich noch ergänzen. Von der Flexibilität des Guardiola-Fußballs war nicht viel zu sehen. "Wir hätten uns besser an die Aufgaben anpassen müssen, die wir gestellt bekamen“, sagte Müller. "Wir müssen das noch analysieren. Vom Gefühl her hatten wir ein bisschen wenig Spieler im Zentrum. Ich weiß jetzt nicht, ob das daran lag, dass Atlético uns dazu gezwungen hat oder ob wir es vielleicht nicht so gut gemacht haben.“ So oder so - Müller konzedierte den taktischen Triumph Simeones.

Der Nationalspieler war das große Thema des letzten Besuchs gewesen, nachdem ihn Guardiola auf der Bank gelassen hatte und dafür quasi der Denkmalschändung beschuldigt wurde. Aber auch Ancelotti erschien Müller letztlich nicht die Bestbesetzung für die Aufgabe im Calderón - nach weniger als einer Stunde nahm er ihn vom Platz. Noch so ein Teilaspekt, dank dem Guardiolas Coaching plötzlich nicht mehr so schlecht dasteht, wie es von manchen in den letzten Wochen schon wieder gemacht wurde.

Kann Bayern den Schalter umlegen?

Umgekehrt ist natürlich noch keine Champions League im September gewonnen oder verloren worden. Wer wüsste das besser als Ancelotti, der dreifache Titelgewinner. Es kann auch sein Gutes haben, dass er es gemächlich angehen lässt. Die Frage wird sein, ob diese Mannschaft den Schalter umlegen kann, wenn es darauf ankommt. Und ob Ancelotti so stur an den Hierarchien festhält wie in Madrid, wo der hochgelobte Joshua Kimmich erst als dritter Einwechselspieler kam und die anderen Youngster gar nicht.

Spieler wie Lahm, Franck Ribéry und Arjen Robben - neben dem inzwischen abgewanderten Bastian Schweinsteiger und Müller die Standarten der drei Champions-League-Finals zwischen 2010 und 2013 - sind inzwischen über 30 und bisweilen wirkten sie gegen Atléticos Dynamik auch kein Jahr jünger.

Nichts anderes gilt im Mittelfeld gegen Spitzenteams seit geraumer Zeit für Xabi Alonso, 34. Neben ihm stellen Thiago wegen seiner Schwankungen und Vidal wegen seiner Fahrigkeit, die in Madrid in dem auf groteske Weise verschuldeten Elfmeter gipfelte, keine absolute Weltklasse dar.

Barca und Co. zweifelsohne besser

Mannschaften wie der FC Barcelona und Real Madrid sind da individuell zweifelsohne besser besetzt. Mannschaften wie Atlético oder auch Borussia Dortmund bringen dafür ihren Furor und eine Spielidee ein, die sie mit blindem Glauben umsetzen.

Was ist der Kern von Ancelottis Bayern? Nach der Ernüchterung von Madrid wird man umso genauer hinschauen, wenn mal wieder ein richtiger Gegner kommt.

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