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Willi Kronhardt: "Das Jule-Shirt habe ich in der Halbzeit angefertigt"

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"Sonst zieht sich der Nächste die Hose aus"

28.02.2011, 20:59 Uhr | t-online.de, t-online.de

Willi Kronhardt: "Das Jule-Shirt habe ich in der Halbzeit angefertigt". Gruß an Jule: Willi Kronhardt 1997 im Halbfinale gegen den KSC. (Foto: Getty)

Gruß an Jule: Willi Kronhardt 1997 im Halbfinale gegen den KSC. (Foto: Getty)

Das Gespräch führte Sebastian Schlichting
Willi Kronhardt war der Pionier in Sachen Trikot-Grußbotschaft. Im DFB-Pokalhalbfinale 1997 zeigte er nach seinem Tor für den damaligen Drittligisten Energie Cottbus gegen den Karlsruher SC ein Shirt mit der Aufschrift "Jule". 14 Jahre später steht Energie wieder im Halbfinale, diesmal gegen den MSV Duisburg (Dienstag ab 20.15 Uhr im Live-Ticker). Kronhardt, der in der 2. Liga für Cottbus, den TSV Havelse und Fortuna Köln spielte, spricht über seine Aktion und die schwierige aber erfolgreiche Zusammenarbeit mit Trainer Eduard Geyer.

Herr Kronhardt, lassen Sie uns zurückblicken: Es ist der 15. April 1997…
Willi Kronhardt: …und es fängt an zu schneien. Im April. Da rechnet nun wirklich kein Mensch mit. Ein paar Stunden vor unserem Halbfinale gegen den Karlsruher SC. Nicht nur, dass die zu uns müssen, ins kleine Cottbus. Nein, dann schneite es auch noch. Da wussten wir: Die haben schlechte Karten.

Aber der KSC war damals noch Bundesligist. Mit Claus Reitmaier im Tor, Sean Dundee, Thorsten Fink... Trotzdem waren Sie siegessicher?
Die waren eine richtige Nummer. Aber wir fühlten uns damals unschlagbar. Wir waren mittendrin in einer Riesenserie, an deren Ende 57 Spiele ohne Niederlage standen. Das enge Stadion und nun auch noch der Schnee.

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Und dann kam die 64. Minute.
Melle (Jens Melzig, d. Red.) legt mir den Ball auf, ich trampel voll gegen die Kugel und der Ball geht genau in den Knick. Der war drin, ehe Reitmaier die Arme hoch bekommen hat. Danach haben wir schnell das zweite Tor erzielt und dann war das Spiel rum.

Haben Sie mit Ihrem Tor gerechnet?
Warum?

Weil Sie das passende T-Shirt zum Jubeln drunter hatten. Mit „Jule“ drauf, dem Namen Ihrer damaligen Freundin.
Ach, das glaubt mir immer keiner, aber ich habe es wirklich in der Halbzeit angefertigt.

Wie bitte?
Ich habe mir in der Kabine meinen Edding genommen und „Jule“ drauf geschrieben. Ich hatte irgendwie im Gefühl, dass ich ein Tor schieße.

Jule soll weniger begeistert gewesen sein, und die Beziehung war kurz danach beendet.
Sie war nicht unbedingt begeistert, das stimmt. Aber das ist lange her. Das möchte ich jetzt nicht neu aufrollen.

Sie waren damals so etwas wie der Erfinder der Trikot-Grußbotschaft. Später gab es das geradezu inflationär.
Für mich ist es uninteressant, ob ich damit etwas ins Rollen gebracht habe. Ich habe das damals gemacht, weil ich etwas für eine Person empfunden habe.

Haben Sie sich die Sache patentieren lassen?
Nein, aber ich habe mich später erkundigt, dass es ohnehin nicht gegangen wäre. Ich wäre also auf jeden Fall so arm geblieben wie ich war (lacht).

In Aachen war Willi Kronhardt (re., im Gespräch mit Ewald Lienen) Co- und kurzzeitig Chef-Trainer. Er hat außerdem Eintracht Braunschweig und VfL Wolfsburg II trainiert. (Foto: imago)In Aachen war Willi Kronhardt (re., im Gespräch mit Ewald Lienen) Co- und kurzzeitig Chef-Trainer. Er hat außerdem Eintracht Braunschweig und VfL Wolfsburg II trainiert. (Foto: imago)Inzwischen ist das Ausziehen des Trikots längst verboten und wird mit einer Gelben Karte bestraft. Haben Sie Verständnis dafür?
Einerseits muss man ja Regeln einführen. Sonst zieht der eine sein Trikot aus und der nächste die Hose und zeigt seinen nackten Hintern. Andererseits steht Fußball doch für Emotionen. Ich zum Beispiel habe damals ein tolles und gleichzeitig für die Mannschaft wichtiges Tor erzielt. Da habe ich mich einfach gefreut, heute würde ich dafür bestraft werden.

Cottbus war seinerzeit Drittligist. Die Mannschaft ist bis ins Pokal-Finale gekommen und in die 2. Liga aufgestiegen. Was war der Schlüssel?
Wir waren ein verschworener Haufen. Und wir hatten einen Trainer, der alles platt gemacht hat. Als Mensch konnte Eduard Geyer durchaus gutmütig sein, als Trainer war er, sagen wir, sehr speziell. Aber er hat die Mannschaft genau richtig zusammengestellt. Er wusste, wer nach Cottbus, in diese kleine, unscheinbare Arbeiterstadt passt, und wer nicht. Dafür hatte er eine Gabe.

Erzählen Sie uns etwas über die Zusammenarbeit mit ihm.
Ich habe in einem Interview mit ihm gelesen, dass er früher selbst beim „Mensch ärgere dich nicht“ seinen Sohn nicht hat gewinnen lassen. Das sagt schon viel. Aber die Erfolge sprechen für ihn. Er hat uns angeschrien und beleidigt. Mancher schmunzelt darüber, wenn man davon erzählt, aber das war nicht witzig. Ich glaube nicht, dass sich Spieler das heute noch gefallen lassen würden. Aber es hat uns den Erfolg gebracht. Was aber nicht heißen soll, wir haben dafür alles mit uns machen lassen.

Hatten die Spieler Angst vor ihm?
Angst würde ich nicht sagen, mit Angst kannst Du nicht spielen. Aber riesengroßen Respekt. Wenn er uns im Training mal wieder zur Sau gemacht hat, hatte das auch einen positiven Aspekt: Wir wollten ihm am nächsten Tag im Spiel zeigen, dass wir es doch können. Wir waren voll motiviert – und er hatte sein Ziel erreicht. Er hat alles aus den Spielern rausgeholt. Er hat richtig ausgeteilt, aber er konnte auch das Echo vertragen. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Wir hatten mal ein Trainingsspiel, ich war in einer ziemlichen Rumpelmannschaft und bin für drei gelaufen. Geyer kam erst nach 45 Minuten dazu, als ich gerade stand und Luft holte. Da schrie er rum, dass ich mich endlich bewegen solle.

Und Sie?
Ich war so geladen, dass ich mich umgedreht und zurückgebrüllt habe. Da waren auch ein paar derbe Beleidigungen dabei. Nach dem Training war auch bei ihm alles vergessen.

Es gibt die Umschreibung „für jemanden durchs Feuer gehen“. Trifft die zu?
Wenn er gesagt hätte, „Springt von der Brücke“, wären wir sicher nicht gesprungen. Aber wenn er einen von uns angebrüllt hat, hatte das auch zur Folge, dass wir als Mannschaft näher zusammengerückt sind.

Wie sehr verfolgen Sie Energie heute noch?
Zum einen oder anderen habe ich noch Kontakt. Melle oder Sven Benken zum Beispiel. Ich hatte in Cottbus die zwei erfolgreichsten Jahre meiner Laufbahn. Wir sind aufgestiegen und waren im Pokalfinale. Ich verfolge immer noch, was Energie macht. Denn da habe ich nicht nur sportlich viel gelernt, sondern als Profi aus dem Westen im Osten auch viel über Neid, Missgunst, aber auch Ehrlichkeit und Menschlichkeit.

Dienstag spielt Cottbus erstmals seit 1997 wieder im Halbfinale. Was trauen Sie dem Team zu?
Natürlich kann das Team eine Menge verlieren: Nämlich den Finaleinzug. Aber so darf die Mannschaft nicht denken. Sie sollte mit der Einstellung reingehen: Fußball ist das Schönste, die Menschen kommen, um uns gewinnen zu sehen und wir werden dafür auch noch entlohnt. Wir wollen einfach Spaß haben. Dann haben sie auf jeden Fall eine Chance, schließlich ist Duisburg von den drei möglichen Gegnern am ehesten bezwingbar.

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