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Metzelder: "Wir müssen unsere Spielweise umstellen"

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Metzelder: "Wir müssen unsere Spielweise umstellen"

23.05.2011, 09:59 Uhr

Metzelder: "Wir müssen unsere Spielweise umstellen". Schalkes Christoph Metzelder: "Es liegen Klassen zwischen uns und Manchester." (Foto: imago)

Schalkes Christoph Metzelder: "Es liegen Klassen zwischen uns und Manchester." (Foto: imago)

Das Interview führte Markus Polak

Christoph Metzelder steht stellvertretend für die Achterbahnfahrt des FC Schalke in dieser Saison. Der 30-jährige Routinier musste sich bei seiner Rückkehr in die Bundesliga zunächst viel Kritik anhören, zeigte aber in der Champions League gute Leistungen. Nach einer schlimmen Bundesliga-Spielzeit, die im Rauswurf von Trainer Felix Magath gipfelte, könnte der Verteidiger nun im Herbst seiner Karriere zum ersten Mal Pokalsieger werden. Seinem FC Schalke 04 winkt bei einem Sieg über den Zweitligisten MSV Duisburg nicht nur der fünfte Gewinn des DFB-Pokals, sondern auch die lange nicht mehr für möglich gehaltene Qualifikation für die Europa League.

Im Interview mit t-online.de erklärt Metzelder, wieso in der Champions League ein Klassenunterschied gegen Manchester United zu erkennen war, warum der neue Trainer Ralf Rangnick seinen Traum vom Offensiv-Feuerwerk bislang nicht verwirklichen konnte, und warum Schalke in der kommenden Saison für einen neuen Torhüter sein gesamtes Spiel umstellen muss.

t-online.de: Herr Metzelder, sie haben jetzt sechs Spiele in Folge verloren. Zuletzt 1:2 in Köln. Waren sie mit den Gedanken schon zu sehr beim Pokalfinale?
Christoph Metzelder: Wir waren mit den Gedanken natürlich nicht beim Pokalfinale, aber in Köln war die Situation so, dass wir in der Liga bereits gerettet waren. Unterbewusst weiß man da natürlich schon, dass eine Niederlage in diesem Fall keine Konsequenzen hat. Das wäre im Pokalfinale natürlich anders. Das ist ein "Alles oder Nichts"-Spiel, das sicher anders ablaufen wird.

Wo sehen Sie die Ursachen für die jüngste Niederlagen-Serie?
Wir haben eine lange Saison hinter uns, in der wir in allen drei Wettbewerben sehr gefordert waren. Das Halbfinal-Hinspiel in der Champions League gegen Manchester United hat uns einen kleinen psychologischen Knacks gegeben, da wir uns vorher alle eine kleine Chance auf das Finale in London ausgerechnet hatten. Das war schon ein herber Dämpfer für uns, und man muss einräumen, dass da einfach noch Klassen zwischen uns und Manchester liegen.

Was muss im Pokalfinale gegen Duisburg dringend besser werden?
Da wird vieles von allein zusammenpassen. Es ist ein ganz anderer Wettbewerb, ein ganz anderes Spiel, ein Finale. Der Weg zum Stadion, die vielen Zuschauer, die Abläufe vor dem Spiel – das sorgt schon automatisch dafür, dass jeder Spieler merkt, was das für ein besonderes Ereignis ist. Es ist ein richtiges Endspiel, ohne Hin- und Rückspiel, und hat einen ganz eigenen Charakter.

Schalke muss gewinnen, um sich noch für die Europa League zu qualifizieren. Kann das lähmen?
Das glaube ich nicht, denn was uns motiviert, ist das Ziel Pokalsieger zu werden. Klar ist: Nur wenn wir gewinnen, war es eine richtig erfolgreiche Saison. Ob wir jetzt gegen Bremen, Hoffenheim oder eben Duisburg spielen. Es geht für uns ganz klar darum, den Titel zu gewinnen und uns für die Europa League zu qualifizieren.

Manuel Neuer verlässt den FC Schalke 04. Wie groß ist die Lücke, die er hinterlässt?
Er ist jetzt schon einer der besten Torhüter der Welt. Er ist Kapitän dieser Mannschaft und eine absolute Schalker Identifikationsfigur. Dass sein Abgang eine Riesenlücke reißt, ist uns allen klar.

Kann sein Nachfolger diese Lücke überhaupt schließen?
Das muss gar nicht unbedingt unser Anspruch sein, weil Manuel Fußstapfen hinterlässt, die man gar nicht ausfüllen kann bzw. soll. Wir werden unser Spiel in Zukunft sicher ändern müssen, wenn wir nicht mehr einen der besten Torhüter der Welt hinter uns haben.

Inwiefern?
Wir haben in dieser Saison viele Spiele gehabt, in denen Manuel uns im Spiel gehalten oder uns Punkte gerettet hat. Wer auch immer kommen wird, wird zu Beginn seine Zeit brauchen. Da müssen wir unsere Spielweise mit umstellen, sonst geht das auf Dauer nicht gut.

Wenn Sie einen neuen Torhüter verpflichten dürften, wer wäre das?
(lacht) Ich bin Feldspieler, ich habe keine Ahnung, was das Torhüterspiel angeht.

Sprechen wir über Raul. Wie wichtig ist er für die Mannschaft?
Raul ist ganz klar unser Schlüsselspieler im Offensivspiel. Er ist jemand, der eine unglaubliche Erfahrung hat. Gerade in den Champions-League-Spielen hat er eindrucksvoll gezeigt, dass er in der Lage ist, die Mannschaft zu führen. Die Art und Weise, wie er mit jungen Spielern umgeht und jeden Tag seine Arbeit verrichtet – das ist einfach phänomenal.

Was denkt ein Weltstar wie Raul nach seinem ersten Jahr bei Schalke über die Bundesliga?
Noch ist die Saison nicht vorbei. Am Samstagabend werden wir dann alle ein Fazit ziehen können, von dem ich hoffe, dass es ein sehr positives sein wird. Als Privatperson fühlt sich Raul mit seiner Familie hier in Deutschland aber sehr wohl.

Özil, Sahin und früher Netzer, Breitner, Schuster oder auch Sie selbst – Warum ist Real Madrid bei Deutschen so beliebt, bzw. wieso sind Deutsche bei Real so beliebt?
Der Verein weiß einfach, was er an deutschen Spielern hat, und wir haben mittlerweile eine kleine Tradition dort. Der Wechsel eines Deutschen nach Madrid war eigentlich immer mit dem Gewinn eines Titels verbunden. Zudem gelten deutsche Spieler bei Real als diszipliniert und zuverlässig. Dass im Umkehrschluss für jeden Spieler Real Madrid einer der größten Vereine der Welt ist, ist auch klar. Wenn man die Chance bekommt, dort zu spielen, dann sollte man sie auch nutzen.

Wie sehen Sie den Vergleich zwischen der Bundesliga und der Primera Division? Ist die Bundesliga mittlerweile zumindest auf Augenhöhe?
Die Primera Division ist ja nicht nur der FC Barcelona und Real Madrid. Diese beiden Vereine sind sicher deutlich vor der Spitze in Deutschland, aber alles, was danach kommt, kann sich mit deutschen Vereinen nicht messen. Die Bundesliga ist für mich mit die ausgeglichenste Liga Europas und hinter der englischen Premier League die Nummer zwei.

Trotzdem ist die Bundesliga seit zehn Jahren ohne europäischen Titel. Die Engländer, Spanier oder auch Portugiesen räumen richtig ab. Warum die deutschen Klubs nicht?
Wir reden hier über Vereine, die aufgrund ihrer finanziellen Verhältnisse einen ganz klaren Wettbewerbsvorteil haben. Da können aus deutscher Sicht vielleicht die Bayern gerade noch so mithalten. Was aber die Ausgeglichenheit innerhalb der Liga angeht, kann uns da nur die Premier League das Wasser reichen.

Sie haben in der Champions League für Furore gesorgt, sind gegen Manchester United aber sang- und klanglos ausgeschieden. Fehlt Schalke einfach nur die Erfahrung, um im Konzert der Großen mitzumischen?
Nein. Da hat man schon einen deutlichen Klassenunterschied ausmachen können. Manchester United ist ein Verein, der seit fast 20 Jahren jede Saison in der Champions League spielt. Hinzu kommen Liga, Liga-Pokal und der FA Cup – und das fast immer bis zum Ende. United hat einfach eine Mannschaft, die neben großer Klasse auch sehr viel Erfahrung in genau solchen Wettbewerben mitbringt. Diese Mannschaft hat uns ganz deutlich unsere Grenzen aufgezeigt.

Was ist Ihnen im Gedächtnis geblieben? Die Gala von Mailand oder das bittere Aus gegen Manchester?
Leider bleibt doch eher die letzte Emotion hängen. Das ist eigentlich schade, weil wir sehr stolz darauf sein können, was wir geleistet haben. Das Erreichen des Halbfinals war für Schalke ein historischer Moment und hat allen gezeigt, was es bedeutet, international zu spielen. Wir sollten jetzt nach vorne blicken und alles daran setzen, dort in den kommenden Jahren wieder auftreten zu dürfen.

Was muss dazu passieren?
In erster Linie müssen wir natürlich schauen, regelmäßig unter die ersten Sechs in der Bundesliga zu kommen. Darauf sollten wir uns konzentrieren. Wenn wir das schaffen, ist der besondere Rhythmus mit den internationalen Spielen auf Dauer auch einfacher zu verkraften.

Mit Ralf Rangnick haben Sie seit Ende März einen neuen Trainer. Wie unterscheidet sich seine Arbeitsweise von der seines Vorgängers Felix Magath?
Ich habe in zehn Jahren so viele Trainer erlebt, da ist jeder anders. Jeder verfolgt einen anderen Ansatz, eine andere Spielweise, eine andere Trainingsphilosophie. Ralf Rangnick stellt da keine Ausnahme dar. Bei ihm stehen schnelles Umschalten, Pressing und Gegenpressing im Vordergrund. Das sind Dinge, auf die er großen Wert legt.

Mit Schalke möchte Rangnick auf Dauer attraktiven Offensiv-Fußball zelebrieren. Was fehlt der Mannschaft, dieses Vorhaben im Moment gewinnbringend umzusetzen?
Man darf nicht vergessen, dass Ralf Rangnick erst während der laufenden Saison gekommen ist. Das hat es für ihn deutlich schwieriger gemacht, seine Vorstellungen auch zeitnah umsetzen zu können. Grundsätzlich sollte man ihn jetzt nicht an einer Philosophie messen, die wir als Mannschaft zuletzt nicht so umgesetzt haben, wie er sich das vorgestellt hatte.

Wenn Sie auf Ihre erste Saison bei den Königsblauen zurückblicken. Was ist da bei Ihnen ganz besonders hängengeblieben?
Sicher eine sehr dramatische Saison mit vielen Höhen und Tiefen. Das habe ich in dieser Form in meiner Karriere noch nicht erlebt. Trotzdem war es eine sehr spannende Zeit. Warten wir mal ab, was das Finale gegen Duisburg noch bringt.

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