
28.06.2012, 14:05 Uhr | dpa
Warschau (dpa) - Beim nächsten Turnier wird alles anders. Keine Debatten über Menschenrechtsverletzungen, keine Probleme mit Bauprojekten und keine Großereignis-unerfahrenen Gastgeber.
Die EM 2012 in Polen und der Ukraine ist in wenigen Tagen Geschichte, 2016 trifft sich die kontinentale Fußball-Elite in der Fußballnation Frankreich. Wobei sich das mit der Elite erst noch weisen muss.
Erstmals sind 24 Teams beim wichtigsten europäischen Mannschaftswettbewerb dabei. Fast die Hälfte der 53 Mitgliedsverbände der UEFA kann sich qualifizieren. Die EURO 2016 wird also nicht nur zur organisatorischen Verschnaufpause nach dem gelungenen Wagnis Osteuropa und vor einem möglicherweise neuen Experiment 2020 in der Türkei. Die Frankreich-Festspiele stehen in der Heimat von UEFA-Chef Michel Platini vor allem wegen der umstrittenen Expansion unter Beobachtung.
"Ich mache mir keine Sorgen um die Qualität. Wir können acht Mannschaften mehr dabei haben, die genauso gut sind wie die anderen. Wir können ein wunderbares Achtelfinale haben", sagte Platini während der EM. Der Chef der Europäischen Fußball-Union verteidigt die EURO-Erweiterung vehement.
Kritiker monieren, dass sich nun die breite und manchmal auch graue Mittelschicht Zutritt verschafft zu einem Turnier, dessen spielerisches Niveau generell hoch ist und das auch von der Ausgeglichenheit und Spannung in der Gruppenphase lebt.
In Polen und der Ukraine scheiterten nur die Iren und Schweden schon vor den letzten Vorrundenpartien. In vier Jahren drohen eine Verwässerung des Niveaus und einseitige und langweilige Spiele zwischen etablierten Nationen und den nun mitmischenden Kleinen.
Die Vorrunde wird von 24 auf 36 Spiele verlängert, ein Modus für die Achtelfinal-Qualifikation muss gefunden werden. Böse Stimmen sprechen von einer inoffiziellen Osterweiterung mit potenziellen EM-Teilnehmern aus Ungarn, Rumänien, Estland oder Bosnien.
"Für die Länder, die sich qualifizieren können, ist eine EM-Teilnahme sehr wichtig", sagte Platini. "Bei 16 Mannschaften gibt es viele, die fehlen", betonte der 57 Jahre alte Franzose und zählte Länder wie Serbien, Belgien, Schweiz, Norwegen oder die Türkei auf, die die Reise zur ersten Fußball-EM in Osteuropa verpasst hatten.
In Wahrheit dürften hinter der Ausweitung jedoch vor allem wirtschaftliche und sportpolitische Argumente stecken. Die UEFA generiert deutlich höhere Einnahmen durch eine größere Teilnehmerzahl. Die millionenschweren Werbepartner sind natürlich an einer möglichst langen Live-Berichterstattung interessiert.
Und Platini wird sicher auch schon an die nächste Wahlkampagne denken. Ob nun erneut als Chef der UEFA oder als Nachfolger Joseph Blatters an der Spitze des Weltverbandes FIFA: Die Stimmen der Kleinen sind entscheidend. Platini aber beteuert vor seinem Heimspiel 2016: "Es ist gut für die Entwicklung des Fußballs."
Quelle: dpa
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