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Spanien - Deutschland: Der entthronte Weltmeister ist motiviert

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Spaniens aktuelle Gefühlslage: Euphorie  

Der entthronte Weltmeister geht motiviert in das Deutschland-Spiel

17.11.2014, 08:43 Uhr | t-online.de

Spanien - Deutschland: Der entthronte Weltmeister ist motiviert. Real-Star Isco bejubelt seinen Treffer für Spanien im Quali-Spiel gegen Weißrussland. (Quelle: dpa)

Real-Star Isco bejubelt seinen Treffer für Spanien im Quali-Spiel gegen Weißrussland. (Quelle: dpa)

Aus Spanien berichtet Florian Haupt

Umbruchzeiten sind mit Stimmungsschwankungen verbunden. Was wohl jeder aus seinem eigenen Leben kennt, ist rund um die spanische Nationalelf nicht anders. So abrupt, wie das deftige Vorrundenaus bei der WM die Iberer nach drei Titeln in Folge erwischte, wechseln auch weiterhin die Befindlichkeiten. Es gab in dieser Saison schon Pessimismus (nach einem 0:1 in Frankreich), Optimismus (5:1 gegen Mazedonien), Endzeitstimmung (1:2 in der Slowakei) und Erleichterung (4:0 in Luxemburg). Am Samstag (3:0 gegen Weißrussland) kam nun wieder etwas Neues dazu: Euphorie.

Jedenfalls, wenn man den Kommentaren in Funk, Fernsehen und Presse folgte. "'La Roja' ist zurück", titelte "El Mundo Deportivo". Vor dem Spiel gegen Deutschland am Dienstag in Vigo (ab 20.30 Uhr im t-online.de Live-Ticker) sieht "As" ein Spanien, "das die Freude zurückerlangt", und "Marca" eines, "das fröhlich wirkt wie seit langer Zeit nicht mehr".

Abkehr von der reinen Kurzpasslehre

Auf den ersten Blick wirkten diese Elogen etwas schwer nachvollziehbar. Weißrussland ist 106. der aktuellen Weltrangliste, hinter Ländern wie Haiti, Botswana oder, jawohl, St. Vincent und die Grenadinen, einer britischen Karibikkolonie mit 120.000 Einwohnern. Gegen den zu erwartenden Abwehrriegel der Osteuropäer überzeugte Spanien in einigen Facetten: Pressing, Passgeschwindigkeit und Kompaktheit. Andere Fächer der Fußball-Lehre wurden allenfalls gerade so eben bestanden. "La Roja" spielte relativ viele Fehlpässe und war äußerst ineffizient bei der Produktion von Chancen. Mit viel gutem Willen konnte man in 90 Minuten sechs aussichtsreiche Torgelegenheiten zählen. Dass davon 50 Prozent verwandelt werden konnten, passiert nicht alle Tage - zumal die ersten beiden Treffer durch Distanzschüsse fielen.

Letzteres allerdings, und damit nähert man sich den Gründen für die übersteigert positive Wahrnehmung in der spanischen Öffentlichkeit, wird als Zeichen des Wandels gedeutet. Bei allem weltweiten Stöhnen über vermeintlich langweiliges Tiki-Taka sollte nicht übersehen werden, dass auch in Spanien selbst viele Beobachter genug haben von dem elaborierten Kombinationsfußball à la FC Barcelona. Zumindest von ihm als einzige Heilslehre und zumal nach dem WM-Gau. Durch die ligainternen und zuletzt erfolgreicheren Gegenmodelle Real und Atlético Madrid ist eine Kritikerschar weiter gewachsen, für die es gern auch mal ein bisschen vertikaler, riskanter und notfalls brachialer zur Sache gehen darf. Beispielsweise mit Distanzschüssen, einem No-Go nach der reinen Kurzpasslehre. Oder eben auch auf die Gefahr von Fehlpässen hin.

Debatten um Riss im Team

Versinnbildlicht wird die Sehnsucht nach neuen Helden und einem etwas anderen Fußball vom Mann des Abends gegen Weißrussland, dem jungen Isco. In Abwesenheit der verletzten Iniesta, Silva und Fàbregas durfte der Offensivkünstler von Real sein Startelfdebüt geben und riss das Spiel sofort an sich. Er machte Fehler, aber er hatte keine Angst vor Fehlern. Er zeigte schon in den ersten Szenen oft genug seine Stärken - enge Ballführung, technische Finten, kreative Zuspiele -, um das Publikum in Huelva auf seine Seite zu ziehen. Als er in der 18. Minute aus 20 Metern fast ansatzlos in den Torwinkel zum 1:0 traf, war es um die Anhänger endgültig geschehen. Bei jeder halbwegs gelungenen Szene feierten sie ihn fortan mit ihren Chorälen.

"Isco sagt, dass es eine Zukunft gibt", befand "As". Das in diesen Worten mitschwingende Aufatmen war nicht geheuchelt, denn just an der Zukunftsfähigkeit der Mannschaft hatten manche Beobachter in den vergangenen Tagen gezweifelt. Düstere Debatten wurden da geführt. Sergio Busquets erklärte, es werde nie wieder so gute Tage geben wie unter der großen Elf zwischen 2008 und 2012. "Das Spanien der Vergangenheit wird nicht zurückkehren", assistierte auch Santi Cazorla. Dazu warf Sergio Ramos den angeschlagen fortgebliebenen Chelsea-Profis Diego Costa und Cesc Fàbregas kaum verklausuliert vor, die Termine bei der Nationalelf geschwänzt zu haben, und entfachte damit Spekulationen über einen vermeintlichen Riss im Team.

Voller Einsatz gegen den Weltmeister

An Einsatz und Solidarität mangelte es gegen Weißrussland dann aber definitiv nicht. Auch gegen Deutschland ist wieder mit einer motivierten Truppe zu rechnen. Gegen den amtierenden Weltmeister kann trotz der vielen Absagen auf beiden Seiten zumindest ein kleiner Teil des verlorenen Prestiges zurück gewonnen werden. Außerdem gilt es den gerade wieder etwas freundlicheren Trend über das Jahr zu retten. So plötzlich nach dem Sieg gegen Weißrussland die Begeisterung durch das Land schwappt, so schnell könnte die Lage bei einer Enttäuschung am Dienstag wieder kippen.

Schonen für die nächsten Aufgaben im Verein dürfte sich kaum ein Spanier. Der neue Bandenführer Isco ist bei Real Madrid sowieso nur erster Ersatz, auch einer wie Innenverteidiger Gerard Piqué spielt derzeit regelmäßig nur in der Landesauswahl, und daneben werden etliche Akteure zum Einsatz kommen, für die sich in dieser Länderspielwoche ein lang ersehntes Fenster geöffnet hat. Spieler wie Bruno Soriano, 30, abseits des Rampenlichts seit Jahren ein exzellenter Mittelfeldmann bei Villarreal, Außenstürmer José Callejón, 27, vom SSC Neapel, der gegen Weißrussland debütierte, Torwart Kiko Casilla, 28, von Espanyol Barcelona, der es gegen Deutschland tun wird, und Angreifer Nolito, 28, von Celta de Vigo, der ebenfalls auf eine späte Premiere hofft. Oder Nachrücker aus den Jugend-Nationalteams wie Mittelstürmer Morata (Juventus Turin), Mittelfeldmann Camacho (Málaga) und Außenverteidiger Bernat (FC Bayern).

(Noch) nicht die ganz großen Namen, aber wenn es eine Chance gibt, sich zu empfehlen, dann jetzt. Auch das gehört zu den Eigenheiten einer Umbruchzeit.

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