Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > EM 2016 >

Deutschland - Australien: Experiment Dreierkette noch nicht gelungen

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Wenig weltmeisterlich  

Bundestrainer Löw überfordert die DFB-Elf mit Experimenten

26.03.2015, 09:41 Uhr | t-online.de

Deutschland - Australien: Experiment Dreierkette noch nicht gelungen. Bei der deutschen Elf herrscht nach dem Remis gegen Australien Enttäuschung. (Quelle: dpa)

Bei der deutschen Elf herrscht nach dem Remis gegen Australien Enttäuschung. (Quelle: dpa)

Aus Kaiserslautern berichtet Patrick Brandenburg

Der Bundestrainer wusste nach dem Spiel in Kaiserslautern selbst nicht so recht, wie er die Leistung seiner Nationalmannschaft verkaufen sollte. "Es war sehr unterhaltsam, mit vielen Chancen auf beiden Seiten", sagte Joachim Löw zunächst über das leicht chaotische 2:2 gegen Außenseiter Australien. Doch dann legte der DFB-Coach auf der Pressekonferenz im Fritz-Walter-Stadion selbstkritisch nach: "Aus Trainersicht war es vor allem hektisch."

Löw befindet sich im Dilemma, den gefeierten Weltmeister zurück in die Normalität und gleichzeitig in die Moderne führen zu müssen. Die Gefahr einer Blamage, wie im ersten Testspiel des Jahres, gehört da zu den einkalkulierten Risiken.

Löw wirft Erfolgskomponenten über Bord

So verständlich, löblich und letztlich notwendig der Ansatz ist - gegen den frechen Asienmeister war der Experimentierwille Löws vermutlich etwas zu viel des Guten. Denn um sein Team näher an aktuelle Trends im Weltfußball heranzuführen, hatte der Bundestrainer gleich mehrere Erfolgskomponenten über Bord geworfen und auf Revolution gesetzt: Dreierkette in der Abwehr, Verzicht auf die doppelte Besetzung des defensiven Mittelfelds, und Zwei-Mann-Angriff, aber ohne echten Stürmer. Fehlenden Mut kann man dem 55-Jährigen jedenfalls nicht vorwerfen.

Den Test mit der Dreierkette musste Löw relativ früh beenden. Allzu offensichtlich waren die Defizite, die gegen den Außenseiter zu Tage traten. Schon nach einer Viertelstunde hätten die Gäste aus Down Under deutlich führen können. Sie traten forsch mit einer 4-3-3-Formation an und ließen gleich drei offensive Kräfte auf die oftmals überforderten Holger Badstuber, Shkodran Mustafi und Abwehrchef Benedikt Höwedes los. Nur mit viel Glück hielt der mehrfach unsicher wirkende DFB-Torwart Ron-Robert Zieler bei den Chancen von Nathan Burns (1. Minute, 14.) und Mathew Leckie (30.) seinen Kasten sauber. Immer wieder fielen die von Trainer Ange Postecoglou glänzend eingestellten Socceroos überfallartig über die Deutschen her.

Experiment Dreierkette noch nicht gelungen

Im zweiten Durchgang reagierte Löw und nahm den angeschlagenen, aber auch unglücklich agierenden Nationalelf-Rückkehrer Badstuber vom Feld. Kölns Youngster Jonas Hector ließ sich schon vorher oft aus dem linken Mittelfeld nach hinten fallen, um in der Defensive auszuhelfen. Faktisch kehrte die DFB-Elf damit zur gewohnten Grundordnung mit Viererkette zurück. Die Annäherung an moderne Spielsysteme, wie sie in Chile oder Italien erfolgreich praktiziert werden, geht nicht von heute auf morgen. "Es benötigt Zeit, vielleicht Monate, um flexibel zu werden", urteilte der Bundestrainer. "Aber es ist wichtig, nicht nur ein System zu beherrschen."

Durch die freigewordene Planstelle in der Abwehr wollte die deutsche Mannschaft eigentlich ein Übergewicht im Mittelfeld schaffen. Aber auch dieser Ansatz ging daneben. Das lag daran, dass sich Sami Khedira nicht mit dem Job als einziger defensiver Abräumer abfinden wollte und entgegen der Vorgabe lieber offensiv Gas gab. Das machte er zwar ziemlich gut. Die Führung durch Marco Reus (17. Minute) bereitete der Real-Madrid-Star mustergültig vor.

Mangelnde Kommunikation im Schaltzentrum

Dafür ließ Khedira aber Ilkay Gündogan mit der Aufgabe im Stich, nach gut 19 Monaten Länderspielpause alleine vor einer wackelnden Abwehr Wache zu halten. Der Dortmunder war nominell eigentlich dafür auserkoren, weiter vorne an der Seite von Mesut Özil die Offensive in Schwung zu bringen. Diese mangelnde Kommunikation im Schaltzentrum bereitete der deutschen Elf lange Zeit Probleme. "Wir haben viele Fehler gemacht, auch aufgrund des Systems", ärgerte sich Ersatz-Kapitän Khedira. Vermutlich über sich selbst.

UMFRAGE
Schafft die DFB-Elf noch die Qualifikation zur EM 2016 in Frankreich?

Noch am besten funktionierte die neue Variante im Sturm. Nachdem die Australier ihr erstes Pulver verschossen hatten, sorgten die früheren Dortmunder Teamkollegen Reus und Mario Götze für viel Wirbel und einige Chancen. "Da müssen wir eigentlich zwei, oder sogar drei zu Null in Führung gehen", ärgerte sich Löw. Reus hatte die Vorentscheidung auf dem Fuß, vergab aber nach 22 Minuten freistehend vor Aussie-Keeper Mathew Ryan, der erneut den Vorzug vor Dortmunds Torwart Mitch Langerak erhielt. Im späteren Verlauf der Partie tauchte aber auch das dynamische Duo Reus/Götze immer mehr ab.

So kamen die Australier erst zum Ausgleich durch den Kopfball des frei stehenden James Troisi (40.) und zur zwischenzeitlichen Führung durch den feinen, aber wohl nicht unhaltbaren Freistoß durch Mile Jedinak (50.). Weitere gute Kontermöglichkeiten ließen die Gäste liegen - zum Glück für die DFB-Elf.

Nach Remis gegen Australien 
Löw kritisch: "Hatten das Spiel nie im Griff"

Die Socceroos haben es dem Weltmeister schwerer gemacht als gedacht. Video

Podolski rettet das Remis

"In der zweiten Hälfte haben wir die Struktur nicht gefunden", bemängelte Löw. Vielleicht fehlte auch der letzte Biss, um im unwichtigen Testspiel ein Erfolgserlebnis zu erzwingen. Vermutlich war es Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet Joker Lukas Podolski die deutsche Mannschaft mit seinem Abstaubertor acht Minuten vor dem Ende vor dem Ausrutscher bewahrte. Eben jener Podolski, den viele auf dem Weg in die fußballerische Moderne für einen Mann von gestern halten.

Am Sonntag, wenn es gegen Gastgeber Georgien in Tiflis um Punkte in der EM-Qualifikation geht, wird Löw wohl zurückrudern und seine Mannschaft wieder im klassischen System aufs Feld schicken. Mit wahrscheinlich nur einer Sturmspitze, einer Doppelsechs im defensiven Mittelfeld und ziemlich sicher einer Viererkette in der Abwehr. Dann auch mit den geschonten Stammkräften Manuel Neuer, Mats Hummels, Jerome Boateng, Bastian Schweinsteiger oder Thomas Müller. Denn im Spiel gegen den nächsten Außenseiter darf sich der Weltmeister keine Experimente leisten, wenn die ohnehin holprige EM-Qualifikation nicht noch schwieriger gestaltet werden soll.

Liebe Leserinnen und Leser, leider können wir bei bestimmten Themen und bei erhöhtem Aufkommen die Kommentarfunktion nicht zur Verfügung stellen. Warum das so ist, erfahren Sie in einer Stellungnahme der Chefredaktion.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Die besten Videos des Jahres 2016 
Historischer Panzer fährt nach 70 Jahren wieder

Mit großer Not startet der 520-PS-starke Motor zu neuem Leben. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Multimedia-Sale: Technik- artikel stark reduziert

Jetzt zuschlagen: Fernseher, Notebooks, Beamer, Navis u. v. m. zu Toppreisen. bei OTTO

Shopping
Voll im Trend und garantiert keine kalten Füße mehr

Kuschelige weich und warm gefüttert, Boots für gemütliche Tage zuhause. bei BAUR

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal