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Joachim Löw übt Selbstkritik trotz Schützenfest

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Selbstkritik trotz Schützenfest  

Löw: "An der Grenze zur Arroganz"

14.06.2015, 12:22 Uhr | t-online.de

Joachim Löw übt Selbstkritik trotz Schützenfest. Bundestrainer Joachim Löw kritisiert seine Mannschaft nach dem Sieg gegen Gibraltar. (Quelle: imago/Jan Huebner)

Bundestrainer Joachim Löw kritisiert seine Mannschaft nach dem Sieg gegen Gibraltar. (Quelle: imago/Jan Huebner)

Aus Faro berichtet Patrick Brandenburg

Der Begriff Ergebniskosmetik: Für die deutsche Nationalmannschaft hat er plötzlich eine ganz neue Bedeutung. Während seine Spieler im Algarve-Stadion von Faro darum bemüht waren, eine erschreckende erste Halbzeit gegen Fußballzwerg Gibraltar noch zum standesgemäßen 7:0 (1:0)-Erfolg aufzubrezeln, ließ sich der Bundestrainer von TV-Kameras mit einer Nagelfeile bei der Maniküre erwischen. "Das sollte nicht despektierlich wirken", bemühte sich Joachim Löw schnell um Schadensbegrenzung, als in den sozialen Netzwerken längst ein Sturm der Entrüstung losgebrochen war. Und doch passte es zum selbstvergessenen Auftritt der DFB-Elf, der selbst bei ihrem Chef Wünsche offen ließ.

"Das war manchmal an der Grenze zur Arroganz", kritisierte Löw nach der Partie gegen den krassen Außenseiter, der erst seit 2013 Pflichtländerspiele bestreiten darf und bis heute nicht einmal in der FIFA-Weltrangliste geführt wird. Der Bundestrainer bezog sich in seiner Bewertung vor allem auf die Chancenverwertung seiner Mannschaft, die gegen das Amateurteam der britischen Kronkolonie in den ersten 45 Minuten allerbeste Gelegenheiten ausließ und nur mit der knappsten Führung in die Pause ging.

Karim Bellarabi (6. Minute) Patrick Herrmann (41., 44., 45), Mesut Özil (44.) sowie Kapitän Bastian Schweinsteiger mit einem zu schwach geschossenen Elfmeter ließen tolle Chancen verstreichen. Nur Andre Schürrle, der sich neben Mario Götze im 4-4-2-System als zweiter Stürmer bewies, nutzte eine seiner beiden Möglichkeiten (28.). Die andere vergab er im Duell mit dem über sich hinaus wachsenden Keeper Jordan Perez und bestärkte damit Löw in seinem Urteil: "Oft haben wir zu lässig den Torhüter angeschossen oder den Ball vertändelt."

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Löw: "Musste schon etwas deutlicher werden"

Grund genug für den Bundestrainer, in der Halbzeit ausnahmsweise den Ton zu verschärfen. "Ich musste schon etwas deutlicher werden", sagte der sonst eher ruhige Löw. Dass seine Mannschaft in der Nach-WM-Saison Schwierigkeiten hatte, im Spielaufbau aus der Abwehr heraus ohne lange Bälle auszukommen, hat er als Problem längst erkannt. Auch, dass im Umschaltspiel gegen bessere Gegner die Dynamik verloren gegangen ist. Dass es aber gerade beim Spiel im letzten Drittel, also im Abschluss hakt, wollte er gegen Gibraltar nicht hinnehmen. Schließlich gilt es in der EM-Qualifikationsgruppe D nicht nur den Drei-Punkte-Rückstand auf Polen aufzuholen. Auch in der Tordifferenz hinkt die DFB-Elf mit fünf Treffern hinter dem Spitzenreiter her - trotz des aktuellen Schützenfests.

Nach dem fast peinlichen Auftritt im ersten Durchgang, ohne zündende Idee gegen das mutige, aber fußballerisch arg limitierte Gibraltar, riss sich die deutsche Mannschaft aber immerhin zusammen. Der eingewechselte Max Kruse (48., 81.), Ilkay Gündogan (51.), Bellarabi mit seinem ersten DFB-Treffer (57.) sowie erneut Schürrle (65., 71.) schraubten das Ergebnis in angemessene Höhen.

Wobei der Weltranglisten-Erste trotzdem weitere Möglichkeiten ausließ und Löws Mantra der letzten Monate bestätigte: "Wir belohnen uns zu wenig." Zwar wollte er seinem Team kein fehlendes Engagement unterstellen. Aber doch war irgendwie klar, dass sich die Spieler nach einer langen Saison gedanklich längst in den Sommerurlaub verabschiedet hatten. Sinnbildlich: Mittelfeldmann Christoph Kramer, der nicht einmal zum Einsatz kam, stieg versehentlich in den Teambus des Gegners ein. 

Schweinsteiger präsentiert sich schwach

Auf dem Platz zeigten sich andere orientierungslos: Gündogan fehlten zunächst die Ideen, genau wie Regisseur Mesut Özil, der lange Zeit über den Platz trabte, ehe er im zweiten Durchgang mit drei Torvorlagen doch deutlich die Kurve bekam. Durchgehend schwach präsentierten sich Schweinsteiger, nicht nur wegen des verschossenen Elfmeters oder Jonas Hector, der mit Gibraltars Außenstürmern unerwartete Probleme hatte. Der Kölner war es auch, der Jake Goslings Riesenchance zum Ausgleich heraufbeschwor.

Zum Glück war Torwart Roman Weidenfeller zur Stelle gegen die frechen Außenseiter, die am Ende mächtig stolz waren, dem Weltmeister auch im zweiten Anlauf Probleme bereitet zu haben. "Selbst beim Stande von 0:7 haben wir weiter nach vorne gespielt", sagte deren Interims-Trainer Dave Wilson auf der Pressekonferenz mit leuchtenden Augen. Und: "Das heute war unser bester Auftritt in der gesamten EM-Qualifikation." Vor nur 7.500 Fans im schicken Ausweich-Stadion im portugiesischen Faro hätte sich sein Team zumindest das zweite Pflichtspieltor der jungen Länderspiel-Geschichte verdient gehabt.

Nationalelf wird verjüngt

Diese Schmach blieb der DFB-Elf erspart. Nicht erspart bleibt ihr dagegen ein Haufen Arbeit bis zum heißen Herbst, in dem Löw seine Mannschaft auf die Top-Duelle in Frankfurt gegen Polen sowie in Schottland und Irland vorbereiten muss. Möglicherweise dann mit frischer Energie, und sicher mit etlichen derzeit geschonten Rückkehrern: Mats Hummels, Thomas Müller, Manuel Neuer, Toni Kroos oder Marco Reus hatten die Reise an die Algarve ja nicht einmal angetreten.

Und wahrscheinlich auch mit frischem Personal. Denn zumindest punktuell wird die Nationalelf schon bald verjüngt werden. Aus der U21, die diesen Monat um den EM-Titel spielt, drängen etliche Kandidaten nach, die müden Weltmeistern Beine machen können. Auch Löw hofft perspektivisch offenbar bereits darauf, wenn er an die jüngere DFB-Geschichte erinnert: "Von der U21, die 2009 Europameister wurde, waren bei der WM in Südafrika ein Jahr später dann schon fünf, sechs Spieler dabei."

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