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Vorzeigeprojekt Campo Bahia: Zweifel und Enttäuschung

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WM-Quartier ein Jahr danach  

Vorzeigeprojekt Campo Bahia: Zweifel und Enttäuschung

13.07.2015, 06:31 Uhr | sid

Vorzeigeprojekt Campo Bahia: Zweifel und Enttäuschung. Blick auf das Campo Bahia, das WM-Quartier der deutschen Mannschaft 2014 in Brasilien. (Quelle: dpa)

Blick auf das Campo Bahia, das WM-Quartier der deutschen Mannschaft 2014 in Brasilien. (Quelle: dpa)

Durch den WM-Triumph der deutschen Mannschaft in Brasilien hatte auch das Campo Bahia seinen Platz in den Geschichtsbüchern sicher. Das Team-Quartier der Elf von Bundestrainer Joachim Löw gilt im Nachhinein als wichtiger Faktor für den Titel von 2014. Noch heute schwärmen Spieler, Trainer und Betreuer von der besonderen Atmosphäre in der eigens zum Turnier erbauten Wohn-Anlage. Dabei war das ambitionierte Projekt von Beginn an äußerst umstritten.

Schließlich wirkte der Plan des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) schon beinahe ein wenig dekadent. Obwohl Teammanager Oliver Bierhoff nicht müde wurde, zu betonen, dass die Hotel-Anlage nicht ausschließlich für die DFB-Elf errichtet werde, gab es reichlich öffentliche Kritik für das Vorhaben.

Schlechte Auslastung?

Doch der sportliche Erfolg gab Bierhoff und dem Münchner Bauherrn Christian Hirmer recht. Die deutschen Spieler schrieben positive Schlagzeilen und betonten dabei fleißig, wie entscheidend sich die spezielle Wohnsituation im WG-Dorf auf Teamgeist und Moral auswirkte. Der Plan mit dem Urlaubs-Resort im 800-Seelen-Fischerdorf Santo André ist offenbar aufgegangen. Auch für das Hotel. "Natürlich hat der WM-Titel der deutschen Elf dem Campo Bahia weitere Aufmerksamkeit und vor allem Sympathie verschafft", erklärte deshalb auch die deutsche PR-Agentur des Luxus-Resorts.

Nach Angaben der Hotel-Besitzer liegt die Anlage auch ein Jahr nach der Abreise der Weltmeister-Elf wirtschaftlich voll auf Kurs. Während brasilianische Medien zuletzt über eine Auslastung von nur 40 Prozent berichteten, gibt man sich bei der Hotelverwaltung betont optimistisch. Obwohl in Brasilien von März bis Oktober Wintersaison ist, habe man in den ersten sechs Monaten über 400 Gäste im Haus gehabt. "Seitens der Kundenakzeptanz" sei das Resort damit "vollkommen im Plan", vor allem, weil neben den vielen Europäern und deutschen Urlaubern auch immer mehr Brasilianer einen Aufenthalt im "Campo Bahia" buchten.

Versprechungen nicht eingehalten

Als "einzigartiges, nachhaltiges brasilianisch-deutsches Zukunftsprojekt" preist sich das Resort auf seiner Homepage. Zumindest das darf allerdings ernsthaft bezweifelt werden, denn die Einheimischen profitieren vom Tourismus kaum.

Auf die versprochenen Investitionen in die Infrastruktur wartet Santo André nach übereinstimmenden Augenzeugenberichten bislang vergeblich. Die Straßen sind noch immer von Schlaglöchern übersät, eine Kläranlage nicht gebaut und selbst die Arbeitsplätze sollen entgegen der Angaben der Hotel-Betreiber vornehmlich an Profis aus entfernten Regionen vergeben worden sein.

Zweifel an der Nachhaltigkeit

In der Bevölkerung in Bahia macht sich deshalb Frust breit, auch weil im Vorfeld falsche Erwartungen entstanden waren. Gerüchte machten die Runde, das Hotel solle nach der WM zu einer Schule umgebaut werden, andere erwarteten eine private Wohnanlage - nichts davon stand je zur Debatte. Stattdessen ist das Campo Bahia ein Luxus-Erholungs-Resort mit Kult-Charakter, aber fraglicher wirtschaftlicher Zukunft.

"Über den Fußball hinaus etwas hinterlassen" wollte die deutsche Mannschaft laut Bierhoff in Brasilien. Das ist zumindest bezüglich des sozialen Engagements auch zweifellos geglückt. Mehr als eine halbe Million Euro sollen über die 15 Projekte, die der DFB zusammen mit seinen Nationalspielern und etlichen Stiftungen ins Leben gerufen hat, bereits nach Brasilien geflossen sein. Zumindest was das WM-Quartier Campo Bahia angeht, darf die Nachhaltigkeit der deutschen Mission allerdings bezweifelt werden.

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