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Stadionbesuch nach dem Terror-Alarm: Aufmerksamkeit ja, Angst nein

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Gefühle eines Reporters und Fans  

Stadionbesuch - Aufmerksamkeit ja, Angst nein

18.11.2015, 18:51 Uhr | Sebastian Schlichting, t-online.de

Stadionbesuch nach dem Terror-Alarm: Aufmerksamkeit ja, Angst nein. Gefahrenlage: Ein schwer bewaffneter Polizist vor dem Stadion in Hannover. (Quelle: AP/dpa)

Gefahrenlage: Ein schwer bewaffneter Polizist vor dem Stadion in Hannover. (Quelle: AP/dpa)

Von Sebastian Schlichting

Fußball ist die schönste Nebensache der Welt. Keine Ahnung, wie oft ich diesen Spruch schon gehört habe. Für mich ist Fußball mehr. Ein Kumpel hat mal gesagt, er wird unruhig, wenn er länger als drei Tage nicht auf einem Platz ist. Egal wo. Egal welche Liga. Das geht mir genauso. 

Ein Fußballspiel live vor Ort zu erleben, ist immer etwas Tolles. Mit 15 Leuten in der Kreisliga C. Oder mit Zigtausenden in einem EM-Finale. Mit Freunden, Bier und Bratwurst. Oder auf einer Pressetribüne. Wird das so bleiben?

Bisher unbekanntes Gefühl

Ich war am Freitag im Stade de France und am Dienstag in Hannover. Habe die Detonationen vor dem Stadion in Paris gehört, habe miterlebt wie Menschen in Panik geraten sind. Habe in diesem Moment Angst verspürt, weil ich nicht wusste, was jetzt kommt. Angst in einem Stadion. Ein Gefühl, das ich bisher nicht kannte.

Ernstzunehmender Hinweis 
DFB-Spiel in Hannover wegen Terrorgefahr abgesagt

Das Stadion wurde aufgrund einer "konkreten Gefahrenlage" evakuiert. Video

In Hannover bin ich gar nicht erst ins Stadion reingekommen. Wieder Sirenen. Blaulicht. Wie in Paris. Zahllose schwer bewaffnete Polizisten rund um die Arena. Um zur Pressekonferenz mit Bundesinnenminister Thomas de Maizière reingelassen zu werden, stand ich fast eine halbe Stunde einen Meter vor einem Polizisten mit Maschinenpistole. Danach bin ich kontrolliert worden wie noch nie in meinem Leben.

Glaube - auch aus Selbstschutz

Dies sind Situationen, die sowohl als Reporter als auch als Fußball-Fan neu für mich sind. Verstörend. Ich habe bislang im – wohl naiven – Glauben gelebt, dass so etwas, wie rund um das Stade de France passiert, bei einem Fußballspiel nicht möglich sei. Das mag auch Selbstschutz gewesen sein, solche Gedanken gar nicht erst zuzulassen. Journalistenkollegen sagten sofort, dass der ohrenbetäubende Knall in der ersten Halbzeit kein Böller war. Ich glaubte an die harmlose Variante. Oder wollte es glauben. 

Nach meiner Rückkehr aus Paris haben mich viele gefragt, ob ich denn jetzt Angst hätte, in ein Stadion zu gehen. Nein! Angst hatte ich nur diesen kurzen Moment, als Panik ausbrach. Aber mir ist im Nachhinein schon sehr flau geworden, als ich las, was hätte passieren können, wenn die Attentäter ins Stadion gekommen wären.

Mit gezogener Waffe

Ich bin am Dienstag trotzdem ohne schlechtes Bauchgefühl nach Hannover gefahren. "Heute bleibt alles ruhig. Da bin ich mir sicher", sagte ich noch auf der Hinfahrt zu einem Freund am Telefon. Und landete wieder in einer Situation aus Gefahr, Unsicherheit und Terrorwarnung.

UMFRAGE
Wie beeinflussen Sie die Ereignisse in Paris und Hannover bei Stadionbesuchen?

Nach der Absage des Länderspiels gegen die Niederlande habe ich nah des Stadions gesehen, wie mehrere Polizisten mit gezogenen Waffen auf dem Bürgersteig einen jungen Mann in Schach hielten. Radfahrer wurden von Beamten aufgefordert, einen Bogen zu machen.

Sie taten es, ohne groß Notiz zu nehmen. So, als wäre die Situation völlig normal. Da habe ich mich gefragt, ob es in Zukunft vielleicht dazu gehören wird, dass Spiele aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. Dass das Risiko immer mitläuft auf dem Weg zum Stadion.

Werde weiter ins Stadion gehen

Innenminister de Maizière sagte auf der Pressekonferenz nach der Absage: "Wir sind uns einig, auch und gerade nach dem heutigen Abend, dass wir nicht bereit sind, unsere Lebensweise grundsätzlich zu ändern. Wir wollen uns treffen auf großen Veranstaltungen." Er nannte in der folgenden Aufzählung Fußballstadien als erstes.

Ich stimmte in Gedanken zu. Ich werde weiter ins Stadion gehen. Gar keine Frage. Schon in dieser Woche. Sowohl zum kleinen Fußball in die Oberliga als auch am Sonntag zu Hertha BSC. Das Gefühl wird ein anderes sein als sonst. Vorsicht und mehr Aufmerksamkeit werden sich in die Freude mischen, die ich jedes Mal verspüre, wenn ich ein Stadion betrete. Aber ich werde ohne Angst hineingehen.

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