Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > EM 2016 >

Fußball - Möller: "WM-Finale von 1954 ist in Ungarn eine Legende"

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Fußball  

Möller: "WM-Finale von 1954 ist in Ungarn eine Legende"

08.06.2016, 10:17 Uhr | dpa

Fußball - Möller: "WM-Finale von 1954 ist in Ungarn eine Legende". Andreas Möller unterstützt Ungarns Coach Bernd Storck.

Andreas Möller unterstützt Ungarns Coach Bernd Storck. Foto: Johann Groder. (Quelle: dpa)

Aix-en-Provence (dpa) - 20 Jahre nach dem EM-Triumph in England ist Andreas Möller wieder bei einer Europameisterschaft dabei.

Im Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht der 48-Jährige über das Turnier in Frankreich, seine Erinnerungen an 1996 und die Bedeutung des WM-Finales von 1954 für den ungarischen Fußball.

Herr Möller, wie oft sind Sie in Ungarn bereits auf das Finale der Weltmeisterschaft 1954 angesprochen worden?

Andreas Möller: Oft, sehr oft. Das WM-Finale von 1954 ist hier in Ungarn eine absolute Legende. Man spürt überall, was für eine große Vergangenheit der ungarische Fußball hat. Alles ist auf Ferenc Puskas und Co. ausgerichtet, den Nachwuchsspielern wird immer wieder erzählt, was die Generation Puskas geleistet hat. Aber es bringt nichts, zu sehr in der Vergangenheit zu schwelgen. Man muss nach vorne schauen. Wir wollen bei der EM unsere eigene Geschichte schreiben.

Die Ungarn waren sehr lange von der großen Fußball-Bühne verschwunden, letztmals waren sie vor 44 Jahren bei der EM dabei. Was bedeutet die Teilnahme in Frankreich für das Land?

Möller: Sehr viel. Die Euphorie in Ungarn ist groß, das spüre ich immer wieder, wenn ich in Budapest bin. Es herrscht Aufbruchstimmung und das ist gut so.

Ihr Team reist dennoch als klarer Außenseiter nach Frankreich. Was ist drin für Ungarn bei dieser EM?

Möller: Das werden wir sehen. Ich will gar nicht so viel über Ziele reden. Wichtig ist, dass wir uns gut präsentieren und unser Land gut vertreten. Wir müssen als Einheit auftreten, dann können wir für viele Teams ein unbequemer Gegner sein.

Wie schätzen Sie die Gruppe mit Portugal, Österreich und Island denn ein?

Möller: Portugal und Österreich sind die klaren Favoriten. Ich habe die Portugiesen in der Vorbereitung zwei Mal gesehen, die haben quasi zwei komplette Mannschaften. Das war sehr beeindruckend. Bei den Österreichern spielt der Großteil des Kaders in Deutschland oder England. Das sagt schon alles. Für uns wird es mit Island um Platz drei gehen, aber darum geht es gar nicht nur.

Worum geht es denn noch?

Möller: Nach der EM gibt es schon wieder eine Qualifikation für die nächste WM. Es geht darum, die Mannschaft zu entwickeln, den Rückstand, den wir haben, aufzuholen. Damit die EM-Teilnahme nicht nur eine Momentaufnahme bleibt.

Wo liegen denn Stärken und Schwächen des ungarischen Teams?

Möller: Das behalten wir für uns (lacht). Ein Nachteil ist sicher die mangelnde Erfahrung unserer Spieler. Wie Sie schon gesagt haben, es ist 44 Jahre her, dass Ungarn bei einer EM dabei war. Außerdem spielt der Großteil unseres Kaders noch in der eigenen Liga, wo das Niveau nicht immer ganz so hoch ist. Die ungarischen Clubs sind ja meistens nicht einmal in der Europa League dabei. Diese fehlende Erfahrung müssen wir durch viel Einsatz und Geschlossenheit wettmachen. In der Qualifikation haben wir defensiv gut gestanden, darauf muss auch in Frankreich unser Hauptaugenmerk liegen.

Ein Mann mit viel Erfahrung ist ihr Torwart Gabor Kiraly. Wie wichtig ist er mit seinen 40 Jahren für die Mannschaft?

Möller: Gabor hat die Ruhe weg. Damit tut er der Mannschaft sehr gut. Es ist wichtig für die Spieler, dass sie wissen, da steht einer im Tor, den kann nichts erschüttern. Es freut mich für Gabor ganz besonders, dass er zum Ende seiner Karriere noch einmal die Chance bekommt, bei einer EM dabei zu sein. Ich habe ihm gesagt, er soll das Turnier genießen.

Sie wissen ja auch, wovon Sie sprechen. Beim letzten EM-Titel einer deutschen Mannschaft vor 20 Jahren waren Sie dabei ...

Möller: Genau, das sind tolle Erinnerungen. Wir waren damals eine richtige Mannschaft. Es war ja nicht so, dass wir einfach mal so durch das Turnier marschiert sind. Aber wir hatten einen großartigen Zusammenhalt, das war am Ende der Schlüssel zum Triumph.

Im Halbfinale gegen England haben Sie den entscheidenden Elfmeter verwandelt ...

Möller: ... ja, darauf werde ich gerade in diesen Tagen oft angesprochen. Den letzten Elfer zu schießen, gegen England, in Wembley, mehr Druck geht eigentlich gar nicht.

Trauen Sie Bastian Schweinsteiger und Co. denn zu, dass sie in Frankreich in ihre Fußstapfen treten?

Möller: Absolut. Die Qualität ist definitiv vorhanden, das hat man phasenweise ja auch in dem Test gegen uns gesehen. Die individuelle Klasse ist beeindruckend, jetzt müssen sie diese nur noch im Laufe des Turniers abrufen.

Wen zählen Sie sonst noch zu den Favoriten?

Möller: Spanien und Italien darf man nie vergessen. Frankreich als Gastgeber natürlich auch nicht. Aber auch Kroatien, Portugal und Belgien haben starke Mannschaften. Einer aus dem Trio könnte für eine Überraschung sorgen. Bei den Engländern bin ich mir nicht so sicher. Sie haben tolle Spieler, aber ich weiß nicht, ob das alles so passt. Außerdem ist die Saison in der Premier League immer sehr lang, die Spieler sind deshalb bei den Turnieren oft müde.

Wenn man Sie reden hört, spürt man, mit welcher Begeisterung Sie dabei sind. Haben Sie durch den Job als Assistent Blut geleckt und können sich nun auch einen Job als Cheftrainer vorstellen?

Möller: Ach, diese Frage kommt zu früh. Mir macht meine jetzige Aufgabe sehr viel Spaß, zusammen mit Bernd Storck und Holger Gehrke haben wir ein tolles Trainerteam. Wir haben erst vor kurzem für die WM-Qualifikation verlängert, von daher ist das im Moment gar kein Thema. Es war nie mein Ziel, Bundesliga-Trainer zu werden. Aber auf dem grünen Rasen zu stehen, nahe an der Mannschaft zu sein, das macht schon sehr viel Spaß. Jetzt freue ich mich erst einmal auf die tolle Chance, bei der EM dabei zu sein. Was die Zukunft mal bringt, werden wir dann sehen.

ZUR PERSON: Andreas Möller gehörte 1996 in England zu jenem Team, das als bislang letzte deutsche Mannschaft einen EM-Titel gewonnen hat. In der Bundesliga war er für Dortmund, Schalke und Frankfurt aktiv, gewann mit dem BVB 1997 die Champions League. Seit Herbst 2015 ist er als Assistenztrainer der ungarischen Nationalmannschaft tätig.

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Straßenlaterne rettet Leben 
Junge Frau hat das Glück ihres Lebens

An einer Kreuzung stoßen zwei Autos zusammen. Ein Peugeot verliert die Kontrolle, rast auf den Bürgersteig zu. Eine Straßenlaterne rettet einer jungen Passantin das Leben. Video

Anzeige

Shopping
Shopping
Jetzt EntertainTV Plus bestellen und 1 Jahr sparen!

EntertainTV Plus 1 Jahr statt 14,95 € für 4,95 €* mtl. sichern. www.telekom.de Shopping

tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal