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EM 2016: Spanien auf dem Weg zu alter Unfehlbarkeit?

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Nach dem WM-Desaster  

Spanien auf dem Weg zu alter Unfehlbarkeit?

08.06.2016, 06:58 Uhr | t-online.de

EM 2016: Spanien auf dem Weg zu alter Unfehlbarkeit?. Spanien und Sergio Ramos wollen bei der EM 2016 ihren Titel verteidigen. (Quelle: dpa)

Spanien und Sergio Ramos wollen bei der EM 2016 ihren Titel verteidigen. (Quelle: dpa)

Von Florian Haupt

Beim Quartier gehört Spanien schon wieder klar zur Elite. Auf der Ile de Ré, wo der Titelverteidiger nächtigt, verbringen auch Politiker und Manager gern den Sommer. Dass das Eiland an der französischen Westküste ziemlich abgelegen ist vom Rest dieser Europameisterschaft – umso besser aus Sicht von Nationaltrainer Vicente del Bosque. Nichts soll die Arbeit stören.

Auf dem Platz muss sich der Gewinner der letzten beiden Kontinentalturniere schließlich erst wieder beweisen. Das WM-Desaster von 2014 mit dem Ausscheiden schon nach den ersten beiden Vorrundenspielen hat viele Gewissheiten erschüttert. Langsam und eher holprig suchte die "Selección" in der Qualifikation ihren Weg.

Schwierige Rahmenbedingungen

Die phasenweise inexistente Vorbereitung tat ein Übriges, um vor der Wiedergutmachungstour durch Frankreich mit Gruppenspielen gegen Tschechien, die Türkei und Kroatien die Skepsis zu nähren. Nirgendwo sonst haben die Spieler so viele Minuten mit ihren Klubs in den Beinen wie bei den diese Saison im Europapokal mal wieder über-erfolgreichen Spaniern.

Zudem musste kein Nationaltrainer so lange auf so viele Spieler verzichten wie Del Bosque. Zum Start der Präparationen hatte er nur acht Aktive seines späteren Kaders zur Verfügung, die letzten Profis kamen wegen des Madrider Champions-League-Finals erst diese Woche zum Team.

Verpatzte Generalprobe

Und dann noch diese Generalprobe. Zuhause verlor Spanien mit 0:1 – gegen Georgien, das auf Platz 137 der Weltrangliste steht und in den letzten zwei Jahren überhaupt nur drei Gegner geschlagen hatte: Schottland, Malta und Gibraltar.

Del Bosque will kein Pessimist sein

"Wir wollten Selbstbewusstsein tanken und eine positive Stimmung schaffen", sagte Del Bosque danach. "Das Gegenteil ist herausgekommen."

Allerdings legte er auch Wert auf die Feststellung, dass die Dinge nicht so schlecht stehen, wie sie an diesem Abend aussahen, an dem Spanien zwar wie gewohnt das Spiel beherrschte, aber nur zwei echte Torchancen produzierte. "Ich will jetzt nicht Pessimist sein."

Lob von Stielike

Anlass für heiterere Gedanken liefert etwa das Testspiel zuvor, als Südkorea mit 6:1 abgefertigt wurde. Nach dieser Vorführung sagte Südkoreas deutscher Trainer Uli Stielike: "Keine andere Mannschaft in Europa erreicht das technische Niveau von Spanien." Da klangen zumindest die Lobeshymnen schon wieder fast so groß wie früher.

Es war ja auch eine einmalige Ära, die Spanien zwischen 2008 und 2012 geprägt hatte. Wohl nie zuvor in der Fußballgeschichte paarten sich so eindrücklich Stil und Erfolg. Die Spielweise der "Selección" wurde weltweit gerühmt, doch anders als bei den Ungarn der 1950er Jahre oder den Niederländer der 1970er fielen auch reihenweise Titel ab. Drei am Stück, das hatte es noch nie gegeben. Sollte in Frankreich ein weiterer gelingen, wäre es der vierte bei den letzten fünf Turnieren. Dann wäre 2014 im Nachhinein kein Ende gewesen, sondern einfach bloß ein Ausrutscher.

Kontinuität beim Personal

Was das Personal betrifft, lässt sich der lange Bogen problemlos spannen. Sicher, es gab ein paar Rücktritte, allen voran den von Spielmacher Xavi Hernández, und ja, womöglich wird Kapitän Iker Casillas, 35, in Frankreich seinen Stammplatz für den zehn Jahre jüngeren David De Gea räumen müssen.

Aber in Sergio Ramos, Andrés Iniesta, David Silva und Cesc Fàbregas dürften gegen Tschechien trotzdem noch vier Spieler auflaufen, die auch das EM-Finale 2008 gegen Deutschland unter Del Bosques Vorgänger Luis Aragonés begannen. Gerard Piqué und Sergio Busquets gehören seit der WM 2010 zu den Säulen, Linksverteidiger Jordi Alba und Rechtsverteidiger Juanfran (letzteres als Ersatz) gewannen die EM 2012. Neu in der wahrscheinlichen Stammelf sind außer De Gea nur die Angreifer Nolito (Celta de Vigo) und Álvaro Morata (Juventus Turin).

Etablierte Kräfte die Anführer

Del Bosque reitet seine etablierten Pferde – und erhält darin immer wieder Recht. Wie schon häufig seit dem brasilianischen WM-Desaster spielte Spanien auch gegen Georgien je schwächer, desto weniger der etablieren Granden auf dem Platz standen. Wirklichen Wiedererkennungswert hatte die Mannschaft nur in der letzten halben Stunde, als Iniesta und Silva gemeinsam agierten und versuchten, das typische schnelle Kurzpassspiel aufzuziehen.

Wer würde sie ernsthaft aus der Mannschaft nehmen? Oder die Achse der Innenverteidiger Ramos und Piqué mit dem defensiven Mittelfeldmann Busquets? Spanien hat gewiss kein Nachwuchsproblem, die Juniorenmannschaften spielen bei internationalen Turnieren in der Regel weiter eine gute Rolle und die Primera División ist voll von jungem Talent. Aber Del Bosque ist keiner, der einen Generationswechsel forcieren würde, nur um der Öffentlichkeit zu gefallen.

Der 65-Jährige tüftelt lieber an Variationen der grundsätzlichen spanischen Spielidee des Angriffsfußballs über ein kompaktes Mittelfeld. Mit der falschen Neun hatte er bei der EM 2012 großen Erfolg, die Idee der Einbürgerung des brasilianischen Mittelstürmers Diego Costa scheiterte hingegen. Wie so viele klassische Angreifer hing auch der diesmal nominierte Aritz Aduriz, bereits 35 Jahre alt, gegen Georgien völlig in der Luft. Ebenso wenig überzeugte die Idee der ersten Halbzeit, betont über die Flügel zu spielen. Spaniens Stärken sind andere.

An ihrer Wiederbelebung wird fortan im Atlantikparadies getüftelt werden. Für die Wochen danach hat Del Bosque die Anbringung eines fünf Meter hohen Sichtzauns um den Trainingsplatz verlangt. Zweieinhalb Meter bekam er zugestanden. Auf dem Weg zurück zu alter Unfehlbarkeit ist Spanien erst auf halber Strecke. 

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