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EM 2016: Nationalmannschaft trainiert wieder verstärkt Standards

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Erfolg durch besondere Trainingsform  

Was haben sich die Spieler dieses Mal ausgedacht?

11.06.2016, 16:39 Uhr | t-online.de

EM 2016: Nationalmannschaft trainiert wieder verstärkt Standards. Bundestrainer Joachim Löw beim Training des DFB-Teams.  (Quelle: imago/Schueler )

Bundestrainer Joachim Löw beim Training des DFB-Teams. (Quelle: Schueler /imago)

Aus Evian berichtet Thomas Tamberg

Es gab Zeiten, da brauchte man Joachim Löw auf das Thema Standardsituationen gar nicht erst anzusprechen. Der Bundestrainer hielt es für verschwendete Zeit, sich in den knapp bemessenen Trainingseinheiten damit auseinanderzusetzen. Doch Löw zeigte sich lernfähig.

Mittlerweile gehört das Einstudieren von Ecken und Freistößen zum festen Bestandteil der Übungseinheiten der Nationalmannschaft. Dank einer ganz besonderen Trainingsform.

Löw empfand das monotone Flanken in den Strafraum stets als dröge und langweilig und konnte dieser Trainingsform nichts abgewinnen. "Standards auf normalen Wege zu trainieren hat immer etwas Trockenes", sagte Löw in Evian, wo sich das DFB-Team auf die EM 2016 in Frankreich vorbereitet. 

WM 2010: Puyol köpft DFB-Team raus

Früher lag Hansi Flick in seiner damaligen Funktion als Co-Trainer seinem Chef ständig in den Ohren, endlich auch den Fokus auf Ecken und Freistöße zu legen. Doch der ließ sich nicht erweichen.

Wie effektiv Standards indes sein können, konnte die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2010 am eigenen Leibe erfahren. Damals besiegelte Carles Puyol das Aus im Halbfinale, als er einen Eckball zum 1:0-Sieg für die Spanier ins Tor köpfte.

WM 2014: sechs von 18 Toren nach Standards

Dennoch musste erst noch die EM 2012 vergehen, bei der Deutschland - mehr aus Zufall - tatsächlich wieder einmal ein Tor nach einem Freistoß erzielen konnte, bis Löw sich dem Thema geöffnet hat. Mittlerweile ist der Bundestrainer ganz begeistert vom Einstudieren der Standardsituationen.

Kein Wunder: Bei der WM in Brasilien sind sechs von 18 Toren mittelbar oder unmittelbar nach Ecken, Freistößen oder Elfmetern gefallen. Dieser neugewonnenen Stärke hat man maßgeblich den Gewinn des Weltmeistertitels zu verdanken. Kein Wunder, dass man sich nun auch in Frankreich wieder verstärkt diesem Thema zuwendet. 

"Sehr gute Trainingsform entwickelt"

"Wir behandeln das Thema Standards anders als früher", sagte Löw wenige Tage vor dem ersten EM-Spiel am 12. Juni gegen die Ukraine. "Wir nehmen uns dafür mehr Zeit." Der Grund für die neuentflammte Liebe zum ruhenden Ball ist einfach. "Wir haben eine sehr gute Trainingsform entwickelt. Dabei herrscht Spannung und Konzentration."

Das Trainerteam gibt dabei keine Anweisungen vor, sondern lässt die Spieler selbst entscheiden und sie in Gruppen gegeneinander antreten. Zuvor haben sie sich innerhalb ihrer Gruppe über bestimmte Laufwege und Tricks verständigt. So weiß die Abwehr nicht, was auf sie zukommt. Außerdem wird zwischen den Gruppen der Wettbewerb entfacht, wer sich letztlich die besten Standards ausgedacht hat.

Müllers Stolper-Einlage bei WM 2014

Zuweilen treibt diese Trainingsform auch seltsame Blüten. So wie bei Thomas Müller bei der WM 2014 gegen Algerien, als er beim Anlaufen bewusst ins Stolpern geriet, um so den Gegner zu täuschen. Löw war anschließend zwar nicht wirklich begeistert über diesen Trick, sah aber letztlich gnädig darüber hinweg.

Man darf also gespannt sein, mit was die DFB-Elf dieses Mal ihre Fans überraschen wird. Während man sich auf die Offensivstandards also freuen darf, bereiten die Defensivstandards allerdings noch Kopfzerbrechen. "Hier haben wir noch Probleme", sagte Löw. "Zuletzt mussten wir einige Treffer hinnehmen."

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