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Euro 2016: Russland nach Marseille-Randale um Normalität bemüht

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EM 2016  

Nach Fan-Krawallen: Russlands Nationalteam um Normalität bemüht

13.06.2016, 19:21 Uhr | dpa

Euro 2016: Russland nach Marseille-Randale um Normalität bemüht. Russische Hooligans randalierten in Marseille.

Russische Hooligans randalierten in Marseille. Foto: Daniel dal Zennaro. (Quelle: dpa)

Croissy-sur-Seine (dpa) - Russland spielt bei der EM ab sofort auf Bewährung. Sollten Fans erneut randalieren, muss sich die UEFA an ihrer Ausschlussdrohung messen lassen. Beim Training sind alle um Normalität bemüht, aus der Heimat kommen verstörende Funktionärs-Kommentare.

Die weiß-blau-rote Fahne am Rande des Trainingsplatzes hängt schlapp in der Luft. Seitdem die russische Fußball-Nationalmannschaft vor einer Woche ihre erste Übungseinheit im Parc Omnisports von Croissy-sur-Seine etwa 30 Kilometer westlich von Paris absolvierte, steckt das Stück Stoff hier in der Erde.

Und so schnell will die Mannschaft um den Schalker Bundesliga-Profi Roman Neustädter die Flagge auch nicht wieder einrollen - obwohl ihr nach den Fan-Krawallen von Marseille im Wiederholungsfall der Ausschluss von der Europameisterschaft in Frankreich droht.

Mehr als verstörend wirkten da die Kommentare von Parlamentsvize Igor Lebedew. "Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden. Im Gegenteil, gut gemacht Jungs. Weiter so!", schrieb der Politiker der nationalistischen Liberaldemokraten im Kurznachrichtendienst Twitter. Die Hooligans hätten "die Ehre ihres Landes verteidigt und es den englischen Fans nicht gestattet, unser Land zu entweihen".

Roman Neustädter hat ernüchtert auf die Fan-Ausschreitungen von Marseille reagiert. Als Profi sehe er keinerlei Möglichkeit, solch aggressive Anhänger zu beeinflussen, sagte der Spieler des FC Schalke 04 dem Magazin "Vice" am Montag. "Wir können das nicht verhindern. Wir haben natürlich eine Vorbildfunktion, aber wie soll ich für diese Leute noch Vorbild sein? Wir können diese Schläger gar nicht erreichen."

Im Quartier der Nationalmannschaft sind alle Beteiligten um Normalität bemüht. Am Tag nach dem Beschluss des Exekutivkomitees der Europäischen Fußball-Union versammelt Nationaltrainer Leonid Sluzki mit einem kurzen Pfiff in seine Trillerpfeife die 23 Spieler in der Mitte des Rasens. Der 45-Jährige hält eine zweiminütige Ansprache, von der man noch nicht einmal ein Murmeln versteht.

Die Frage nach einem Gespräch mit Neustädter lehnt der russische Presse-Offizier freundlich, aber bestimmt ab. Ob die Ausschreitungen und der mögliche Ausschluss von der EM in der Mannschaft diskutiert werden? "Wir kommentieren das nicht", heißt es. Ob es vielleicht einen gemeinsamen Aufruf der Spieler an die Vernunft der Fans geben wird? "Ich weiß es nicht. Sorry", lautet die Auskunft.

Als nach einer Stunde ein heftiger Platzregen einsetzt und auf das provisorische Zeltdach des Pressezentrums trommelt, sitzt Abwehrspieler Roman Schischkin von Lokomotive Moskau auf dem Podium und sagt: "Wir sind Fußballspieler und wir sind hier, um Fußball zu spielen. Das ist es, worauf wir uns konzentrieren müssen."

Nach dem Last-Minute-Remis gegen England steht am Mittwoch gegen die Slowakei bereits ein vorentscheidendes Duell an. Vorher aber wird im Raum Odeon II des schicken Pullman-Hotels unter dem Eiffelturm über das EM-Schicksal der Russen beraten. Dort tagt die Disziplinarkommission der UEFA, die wegen der Ausschreitungen im Stade Vélodrome ein Verfahren gegen den russischen Verband eingeleitet hat. Am Dienstagnachmittag soll das Urteil stehen.

Gerechnet wird zumindest mit einer saftigen Geldstrafe und einem Punktabzug auf Bewährung. Mit der Ausschlussandrohung durch das Exekutivkomitee hat dieses Verfahren nichts zu tun. Es wird von dem Gremium um den deutschen Richter Hans Lorenz quasi on top geführt, da die Fans der Sbornaja im Gegensatz zu den Engländern nicht nur außerhalb, sondern auch in der Arena randalierten, Feuerwerkskörper abbrannten und rassistische Ausfälle dokumentiert wurden.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft waren an den Krawallen etwa 150 russische Hooligans beteiligt. Keiner konnte festgenommen werden, berichtete der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin. "Das sind Leute, die für sowas trainieren", sagte er. Zwei Russen wurden des Landes verwiesen. Robin zufolge wurden 35 Menschen verletzt, vier davon schwer, ein weiterer Mensch schwebte noch in Lebensgefahr.

Bei der UEFA wendet sich die Stimmung gegen Russland. "Viele haben die Schnauze richtig voll von diesen Dingen", berichtete ein Teilnehmer der Sondersitzung der Exekutive. Denn die Erinnerungen an die EM vor vier Jahren in Polen und der Ukraine sind noch präsent. Auch 2012 sorgten vereinzelte russische Fans für Schlagzeilen. Sollte es nun erneut zu Krawallen kommen, muss sich die UEFA an ihrer Ankündigung messen lassen. Wohlwissend, welch gravierende Folgen ein EM-Ausschluss des WM-Gastgebers 2018 nach sich ziehen würde.

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