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EM 2016 Ausschreitungen: "Französische Behörden haben versagt"

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Interview zu schweren Ausschreitungen bei der EM  

"Da muss man sagen, dass sie versagt haben"

14.06.2016, 10:34 Uhr | Rüdiger Fröhlich, t-online.de

EM 2016 Ausschreitungen: "Französische Behörden haben versagt". Beim EM-Spiel England gegen Russland ist es in Marseille zu schweren Ausschreitungen gekommen. (Quelle: dpa)

Beim EM-Spiel England gegen Russland ist es in Marseille zu schweren Ausschreitungen gekommen. (Quelle: dpa)

Nicht die Terrorangst, sondern Hooligangewalt hat zum EM-Start beunruhigt. Die UEFA droht England und Russland mit dem Ausschluss. Auch deutsche und ukrainische Randalierer sorgten für hässliche Bilder.

t-online.de sprach mit dem Sportsoziologen Gunter A. Pilz. Der 71-Jährige gilt in Deutschland als einer der führenden Experten zu dem Thema.

t-online.de: Herr, Pilz, warum taucht gerade jetzt diese erneute Fan-Gewalt rund um die EM in Frankreich auf?

Gunter A. Pilz:
Das war ja lange bekannt, dass Hooligans vor allem aus dem osteuropäischen Raum die EM zum Anlass nehmen wollten, um zu randalieren. Es ist nicht ganz überraschend.

Nach den blutigen Krawallen 
Reaktionen auf die hässlichen Bilder von Marseille

So setzte eine ältere Bewohnerin von Marseille der Gewalt ein Zeichen entgegen. Video

Beim Spiel England gegen Russland hat ein gewalttätiger Fan zunächst auf der Straße in Marseille randaliert und wurde dabei klar durch TV-Bilder identifiziert. Wieso konnte dieser Randalierer danach trotzdem ins Stadion gelangen?

Das ist in der Tat unfassbar. Da hat die Informationspolitik der Polizei versagt, die Sicherheitsvorkehrungen haben nicht funktioniert.

Glauben Sie, dass die UEFA bei erneuter Randale tatsächlich England oder Russland von der EM ausschließen wird?

Ich halte das für ein Ablenkungsmanöver. Wenn denen nichts Besseres einfällt, dann wirft das ein schlechtes Licht auf die UEFA. Es ist abstrus, wenn der englische Verband ausgeschlossen werden soll, weil die Behörden eine Gruppe von 150 Hooligans nicht in den Griff bekommen. Das wird die UEFA nicht machen.

Gibt es Versäumnisse der französischen Behörden beim Kampf gegen Hooligan-Gewalt?

Zumindest muss davon ausgehen, dass sie die Hooligan-Gewalt in Marseille nicht in den Griff bekommen haben. Da muss man sagen, dass sie versagt haben.

Frankreichs Generalstaatsanwalt Brice Robin präsentierte am Montag erste Ermittlungsergebnisse. Demnach sei eine große Gruppe russischer Hooligans, etwa 150 Personen, für die Ausschreitungen verantwortlich. Er sprach von "ultraschneller, ultraharter Gewalt." Wie kann man eine solche Gruppe in den Griff bekommen?

Indem man dafür sorgt, dass nicht gewaltbereite Fans von den Hooligans getrennt werden. Da kann ja irgendetwas nicht stimmen, wenn so ein großes Polizeiaufgebot – und das Spiel England gegen Russland war schon lange vor der EURO 2016 von der Polizei und der UEFA als Risikospiel  der Alarmstufe 3 eingestuft worden – diese Gruppe von Hooligans nicht in den Griff bekommt.

Auch beim Spiel der deutschen Mannschaft gegen die Ukraine ist es in Lille zu Ausschreitungen gekommen. Wie groß ist das Problem bei den deutschen Hooligans?

Auch das war bekannt, dass das Spiel gegen die Ukraine und gegen Polen von den deutschen Hooligans genutzt werden sollte, um zu randalieren. Wir wissen, dass seit geraumer Zeit sich der deutsche Hooliganismus vor allem im rechtsradikalen Lager mobilisiert. Aber wir haben in Deutschland durch das Nationale Konzept Sport und Sicherheit, den intensiven Austausch der Polizei, der Verbände und Vereine , sowie die Fanprojekte und Fanbetreuung gute und gesicherte Erkenntnisse über die Entwicklungen in den Gewaltszenen in Fußball und entsprechend auch präventive und repressive Konzepte die greifen. Informations- und Unterstützungsangebote sind entsprechend auch an die französischen Sicherheitsbehörden bereits im Vorfeld der EURO 2016 gemacht, jedoch leider gar nicht oder nur halbherzig zur Kenntnis genommen worden. Ganz ausschließen kann man Fan-Krawalle natürlich nicht. Es ist jedoch umso ärgerlicher, da die französischen Behörden im Vorfeld Unterstützung, Hilfe und andere Angebote ausgeschlagen haben.

Was bedeuten die Ausschreitungen für den weiteren Turnierverlauf?

Die französische Polizei wird jetzt noch mehr unter Zugzwang stehen, mit noch mehr Repressionen. Es wird noch mehr auf Null-Toleranz gesetzt werden. Da ist es fraglich, wie die normalen Fans darauf reagieren. Die Behörden können sich ein zweites Marseille nicht leisten.

Das Interview führte Rüdiger Fröhlich

Für Respekt im Sport: Gunter A. Pilz – zwischen Graugänsen, Streithähnen und Zaunkönigen, Februar 2015, Arete Verlag, 19,95 Euro


Experte Gunter A. Pilz  (Quelle: imago/Zink)Experte Gunter A. Pilz (Quelle: Zink/imago)

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