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Torarmut, Taktiererei, Fangewalt: EM 2016 noch kein Sommermärchen

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EM 2016  

Torarmut, Taktiererei, Fangewalt: Noch kein Sommermärchen

19.06.2016, 14:00 Uhr | dpa

Torarmut, Taktiererei, Fangewalt: EM 2016 noch kein Sommermärchen. Die vielen Bilder randalierender Fans überschatteten bislang das Sportereignis.

Die vielen Bilder randalierender Fans überschatteten bislang das Sportereignis. Foto: Ali Haider. (Quelle: dpa)

Paris (dpa) - Kaum Spektakel, wenig Tore, viel Krawall: Die Fußball-Europameisterschaft in Frankreich hat nach rund der Hälfte der Spiele eher für Tristesse als Begeisterung gesorgt.

Die ohnehin dürftigen sportlichen Darbietungen wurden von Bildern randalierender Fans überschattet, die Furcht vor neuen Ausschreitungen ist ein ständiger Begleiter des Turniers.

Sportlich wartet die XXL-Veranstaltung mit erstmals 24 Mannschaften noch auf ein Aha-Erlebnis. Superstars wie Cristiano Ronaldo oder Zlatan Ibrahimovic treten bislang kaum in Erscheinung - zumindest nicht mit Extraklasse auf dem Spielfeld. Vor den Sonntagspartien fielen nicht einmal zwei Tore im Schnitt pro Spiel (1,97). Das ist der zweitschlechteste Wert, seit die Vorrunde in Gruppen gespielt wird. Nur 1980 fielen noch weniger Tore pro Partie.

"Es gibt Mannschaften, die ultra-defensiv sind", sagte Bundestrainer Joachim Löw über die knappen Ergebnisse. Gegen die sogenannten kleinen Nationen täten sich die Topteams sehr schwer, weil Mannschaften wie Albanien oder Wales heutzutage einfach sehr gut verteidigen könnten. Fußballerische Feinkost bekamen die Zuschauer in den Stadien und vor den TV-Schirmen bislang viel zu selten zu sehen.

Italiens 2:0 gegen Belgien, die 3:0-Demonstration Spaniens gegen die Türkei oder die glanzvolle zweite Hälfte der Belgier beim 3:0 gegen Irland waren wohltuende Ausnahmen. Und sonst? Reichlich Durchschnittsware mit hoher Defensivkunst und niedrigem Unterhaltungswert.

"Fußballerisch sieht man bei dieser EM keine Revolution. Auch taktisch wird in den Spielen kaum etwas geboten", sagte der frühere Nationaltorwart Jens Lehmann der "Bild am Sonntag". Nach Beobachtung des Ex-Torwarts führt die ähnliche Taktik der meisten Teams zu unattraktiven Spielen. "Viele Mannschaften verteidigen mit fünf Spielern und noch einmal vier Spielern davor. Ein Stürmer steht vorn allein im Angriff und wartet auf die Bälle", sagte der 46-Jährige.

Auch der Weltmeister tat sich bislang schwer. Dem 2:0-Sieg gegen die Ukraine folgten das torlose Remis gegen Polen und heftige Debatten über die deutsche Harmlosigkeit in der Offensive. Wie Ibrahimovic und Ronaldo ist auch WM-Torschützenkönig Thomas Müller noch ohne Treffer. "Bei einem Turnier ist es für uns wichtig, die Ruhe zu bewahren", sagte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff. Übersetzt könnte das auch heißen: Erst einmal die Gruppenphase überstehen, Nervenkitzel und Spektakel folgen automatisch in der K.o.-Runde.

Was gleich zum nächsten (selbstverschuldeten) Problem des Mammutturniers führt. Durch die Aufstockung von 16 auf 24 Teams gibt es lästige Rechenspiele und für manche Teams möglicherweise eine nervtötende Warterei.

Erst nach Abschluss aller Vorrundenspiele steht fest, welche vier Gruppendritten sich für das Achtelfinale qualifizieren. Das kann zu skurrilen Situationen führen, dass Mannschaften nach ihrer dritten Partie drei Tage warten und trainieren müssen - um dann eventuell doch nach Hause zu fahren.

Den größten Unterhaltungswert boten die zahlreichen Last-Minute-Tore. Top-Nationen wie Frankreich, England oder Italien sicherten sich teilweise erst durch späte Treffer ihre Siege. Löw wundert das nicht. "Für einige Mannschaften ist es hier das Turnier ihres Lebens. Sie werfen alles rein, sie wehren sich mit Händen und Füßen", sagte der Bundestrainer. Sicherheit statt Spektakel.

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