Startseite
Sie sind hier: Home > Sport > EM 2016 >

Schiedsrichter aus Oberbayern erfand das Elfmeterschießen

...
t-online.de ist ein Angebot der Ströer Content Group

Nach Losen ziehen und Münzen werfen  

Bayrischer Friseur erfand das Elfmeterschießen

25.06.2016, 13:30 Uhr | dpa, sid

Schiedsrichter aus Oberbayern erfand das Elfmeterschießen. Die EM 1976 in Belgrad wurde durch Elfmeterschießen entschieden. Uli Hoeneß war fassungslos nach dem verpatzten Schuss. (Quelle: imago/Sven Simon)

Die EM 1976 in Belgrad wurde durch Elfmeterschießen entschieden. Uli Hoeneß war fassungslos nach dem verpatzten Schuss. (Quelle: imago/Sven Simon)

Wegen eines oberbayerischen Friseurs droht den Weltstars bei der EM mal wieder Bangen und Zittern. Dass in Frankreich in der K.o.-Phase nämlich Elfmeterschießen über Triumph oder Tränen entscheiden können, geht auf eine Idee des früheren Amateur-Schiedsrichters Karl Wald aus Penzberg zurück.

Dieser führte erstmals bei Partien in Bayern das Nervenspiel vom Punkt ein - seit 1970 werden Fußballspiele ohne Sieger nach Verlängerung durch ein Elfmeterschießen entschieden.

2011 starb Wald im Alter von 95 Jahren - doch seine Erfindung lebt weiter.

Zwischenfazit nach EM-Vorrunde 
"Gomez hat sich im Zentrum festgespielt"

Wie lief die Vorrunde für die DFB-Elf und wie geht es jetzt weiter? Thomas Tamberg berichtet. Video

"Geistesblitz" als Ursprung der Idee

In England, das ist einer der ersten Gedanken, wäre Wald wohl Staatsfeind Nummer eins. Dramen hätte sich das Mutterland des Fußballs im halben Dutzend ersparen können, wäre der Schiedsrichter, geboren am 17. Februar 1916, nicht 54 Jahre später vom "Geistesblitz" getroffen worden: Der "Krimi vom Punkt" (Wald), oder, wie in den Statuten des Weltverbandes FIFA später stand, "Schüsse von der Strafstoßmarke zur Siegerermittlung" - eine Idee, die das Spiel zuspitzte.

"Siege per Münzwurf sind keine Siege"

Wald, der seine letzten Jahre in einem Altenheim lebte, hat die Eingebung sportliche Unsterblichkeit verliehen. Häufig dachte er auch im gesetzten Alter verärgert an die Zeiten zurück, in denen es am Ende einer Verlängerung kein sportliches Entscheidungskriterium mehr gab. "Siege per Münzwurf, das waren keine Siege, das war gar nichts! Dermaßen ungerecht war das! Es konnte so nicht weitergehen", erzählte er.

Doch wie das so ist mit revolutionären Neuerungen: Im verkrusteten Schiedsrichterwesen stieß der Vorschlag erst mal auf taube Ohren. Wald, der während des Krieges im Pariser Prinzenpark-Stadion Fußballspiele des Militärs geleitet hatte, testete seine Idee heimlich bei Oster- oder Schulturnieren. Und plötzlich waren Münzwürfe und Wiederholungsspiele vergessen - Hunderte schlugen sich fast um die besten Plätze am Strafraum.

"Neumodische Idee"

Nun mussten die Granden des Weltfußballs überzeugt werden. Wald setzte auf eine Revolution von unten und präsentierte seinen Vorschlag am 30. Mai 1970 beim 12. Schiedsrichter-Verbandstag des Bayerischen Fußball-Verbandes in München. Die "neumodische Idee" passte dem Präsidenten Hans Huber, eher ein konservativer Vertreter, überhaupt nicht in den Kram, doch Wald kann stur sein: "Herr Präsident, ich habe Ihnen heute einige Stunden sehr diszipliniert zugehört. Ich bitte Sie daher, mir fünf Minuten ebenfalls zuzuhören!"

Es folgte ein flammender Appell für Gerechtigkeit und gegen die unbefriedigende Regentschaft des Zufalls. "Kameraden! Ich bitte Sie, geben Sie dem Antrag grünes Licht, Erfolg rechtfertigt alles. Vielen Dank", schloss Wald damals. Nach 30-minütiger Beratungspause wurde es spannend - und Huber gab nach.

Neue Dimension von Dramatik

Das Elfmeterschießen trat seinen Siegeszug an, ließ die Deutschen jubeln, aber Niederländer oder Engländer verzweifeln. Doch zuvor waren nicht weniger als 47 Sondersitzungen der Regelkommission des Weltverbandes nötig gewesen, um 1976 die wulstige Umschreibung ins Regelwerk aufzunehmen. Und das war eine richtige Entscheidung - zum 90. Geburtstag von Wald gratulierte der damalige FIFA-Präsident Sepp Blatter höchstpersönlich.

Das Elfmeterschießen bescherte dem Fußball eine ganz neue Dimension von Dramatik, doch natürlich machte sich Wald nicht nur Freunde. "Das ist, als würde ein großer Krieg nicht mit einem geistigen Kräftemessen am Konferenztisch beendet, sondern mit einer Partie russischem Roulette zwischen ausgewählten Gefreiten auf beiden Seiten", sagte Oscar-Preisträger Sir Peter Ustinov einmal.

Inzwischen aber bezweifelt niemand mehr den Sinn der Strafstoß-Lotterie. Außer den Engländern vielleicht. Und den Niederlanden. Und Uli Hoeneß.

Liebe Leserin, lieber Leser, aktuell können zu diesem Thema keine neuen Kommentare abgegeben werden. Ab 6 Uhr können Sie hier wieder wie gewohnt diskutieren. Wir danken für Ihr Verständnis.
Liebe Leser, bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel kommentieren zu können. Mehr Informationen.
Neue Kommentare laden
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Anzeige
Video des Tages
Brutale Methode 
Therapie mit langer Nadel nichts für schwache Nerven

Diese Behandlung ist garantiert nichts für zartbesaitete Menschen. Video

Anzeige

Shopping
tchibo.deOTTObonprix.deESPRITC&ACECILzalando.dedouglas.deKlingel.de
Sport von A bis Z

Anzeige
shopping-portal