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EM 2016: Julian Draxler entzündet den Kämpfer-Funke

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Julian Draxler is on fire  

Deutschland entfacht das EM-Feuer

27.06.2016, 14:12 Uhr | t-online.de

EM 2016: Julian Draxler entzündet den Kämpfer-Funke. Julian Draxler zeigte gegen die Slowakei eine beeindruckende Leistung. (Quelle: Reuters)

Julian Draxler zeigte gegen die Slowakei eine beeindruckende Leistung. (Quelle: Reuters)

Aus Lille berichtet Thomas Tamberg

Das war ein Statement: Die deutsche Nationalmannschaft steht dank des 3:0 (2:0)-Erfolgs gegen die Slowakei im Viertelfinale der EM 2016. Es war vor allem die Art und Weise wie sich das Team in die nächste Runde gespielt hat, die mächtig Eindruck hinterließ.

Die DFB-Elf packte nach einer eher durchwachsenen Vorrunde endlich den Weltmeister aus und Julian Draxler war dabei der Funke, der das EM-Feuer endgültig entfacht hat. Plötzlich ist Deutschland wieder ein absoluter Titelfavorit.

Auf dem Platz stark - abseits des Feldes zurückhaltend

Etwas überraschend rotierte Draxler für Mario Götze in die Startelf. Nach dem Frühstück hatte Joachim Löw dem Wolfsburger mitgeteilt, dass er von Beginn an ran darf. "Ich freue mich, dass ich dem Bundestrainer das Vertrauen zurückzahlen konnte", sagte er nach der Partie fast schon schüchtern. Mehr als ein "ich freue mich, dass ich ein gutes Spiel gemacht habe", war ihm zu seiner eigenen Leistung indes nicht zu entlocken.

Dabei machte der Offensivspieler wohl das beste Länderspiel in seiner immer noch so jungen Karriere. Draxler ist schon so lange dabei, da vergisst man schon mal ganz gerne, dass der Offensivspieler erst 22 Jahre jung ist. Sein Auftritt gegen die Slowakei dürfte ein wichtiger Meilenstein in seiner weiteren sportlichen Entwicklung gewesen sein. Er drückte dem tollen Spiel der gesamten Mannschaft seinen Stempel auf. Frei nach dem aktuellen nordirischen EM-Schlager: Julian Draxler is on fire.

Gomez strotzt vor Selbstbewusstsein

Mit einem technisch feinen Solo leitete er das 2:0 durch Mario Gomez (43. Minute) ein. Der Angreifer von Besiktas Istanbul strotzt nur so vor Selbstvertrauen und konnte bereits seinen zweiten Turniertreffer erzielen. 

"Wir haben begeisternd gespielt und verdient gewonnen, weil wir eine unglaubliche Flexibilität und Variabilität im Spiel hatten", sagte Gomez und schickte noch einen ganz besonderen Gruß in Richtung des Vorlagengebers: "Julian hat zwei brillante Zauberfüße. Er ist ein Klassefußballer und ein guter Typ. Daher freut es mich sehr für ihn."

Löw adelt Draxler

Nach der Pause sorgte Draxler dann höchstpersönlich mit seinem Schuss unter die Latte schnell für das 3:0 und die endgültige Entscheidung (63.).  Doch es waren nicht nur diese beiden Szenen, sondern viele weitere Aktionen und vor allem seine dynamischen Dribblings, mit denen er immer wieder zu gefallen wusste. "Er ging mit Tempo in die Eins-zu-Eins-Situationen, dazu zeigte er gute Laufwege. Ich war sehr zufrieden mit ihm", lobte ihn Löw.

Der 56-Jährige konnte jedoch auch mit allen anderen Spielern sehr zufrieden sein. Es gab keinen Akteur, der abfiel. Lediglich eine einzige Tormöglichkeit ließ die DFB-Elf zu. Der Kopfball von Juraj Kucka (41.) hatte es in sich, aber so durfte wenigstens auch Manuel Neuer mit einer Weltklasse-Parade seinen Teil zum Erfolg beitragen. Im Verbund mit Mats Hummels und Jerome Boateng bildet Neuer ein unglaublich souverän agierendes Defensiv-Trio.

Boateng bedankt sich bei Ärzten und Physiotherapeuten

Ausgerechnet Boateng war es vorbehalten, diesem Spiel die Richtung vorzugeben. Aufgrund von Wadenproblemen war vorab lange um seinen Einsatz gebangt worden, dann erzielte er mit einem spektakulären Volleyschuss das 1:0 (8.). Sein Jubellauf führte ihn direkt Richtung Ersatzbank zum Ärzteteam. "Die Ärzte und Physios haben alle Vollgas gegeben, sonst hätte ich heute nicht spielen können", galt sein Dank der medizinischen Abteilung. Es war übrigens Boatengs erstes Länderspieltor in seinem 63. Einsatz.

Sein früher Treffer sorgte für die nötige Sicherheit im Spiel und dürfte vor allem auch für die Slowaken ein ordentlicher Dämpfer gewesen sein. Ihnen wurde schnell klar, dass sie ihr Defensivkonzept aufgeben müssen. Doch die DFB-Elf agierte in allen Mannschaftsteilen so engagiert und konzentriert, dass die Slowakei bis zum Schlusspfiff so gut wie keinen einzigen eigenen Angriffsspielzug zu Ende führen konnte.

Özils Elfer fällt nicht ins Gewicht

Selbst als Mesut Özil (13.) einen Elfmeter verschoss, sorgte das bei dem Gegner für keinerlei Aufwind. Im Gegenteil: Die deutsche Mannschaft wirkte in den darauf folgenden Minuten noch entschlossener. "Es war eine sehr gute Leistung. Die Mannschaft arbeitet gut zusammen", zog Thomas Müller nach der Partie zufrieden Bilanz.

Der Torjäger, der immer noch auf seinen ersten EM-Treffer wartet, war vor allem mit dem Spiel nach vorne sehr zufrieden: "Wir haben in den letzten beiden Spielen in der Offensive mehr Schwung hereinbekommen." Man merke einfach, so Müller weiter, dass man nach vier Spielen in Folge immer besser aufeinander abgestimmt sei.

"Slowakei war kein Gradmesser"

Auffällig war allerdings, dass Löw trotz der bis dato besten Turnierleistung seines Teams reserviert blieb. "Bei allem Respekt für den Gegner, aber das war kein Gradmesser. Es gibt andere Mannschaften, die von ihrer Qualität woanders anzusiedeln sind. Wir müssen uns weiter steigern, wenn wir dieses Turnier gewinnen wollen", sagte er. Dieser Mann hat offenbar noch Großes vor hier in Frankreich. 

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