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Freizeit bei der EM 2016: Golfen, sonnen, Zeit totschlagen

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Fußball  

Freizeit bei der EM 2016: Golfen, sonnen, Zeit totschlagen

27.06.2016, 14:27 Uhr | dpa

Freizeit bei der EM 2016: Golfen, sonnen, Zeit totschlagen. Der Pole Arkadiusz Milik beim Golfen in La Baule.

Der Pole Arkadiusz Milik beim Golfen in La Baule. Foto: Bartlomiej Zborowski. (Quelle: dpa)

Paris (dpa) - Karten kloppen, Tischtennis, mal ein Bootsausflug, notfalls ein Buch in die Hand nehmen. Keine Spielkonsole, kein Smartphone, keine 87 TV-Programme. Nur verständlich, dass die Trainer in den 70er, 80er und 90er Jahren bei Turnieren kaum etwas mehr fürchteten als einen Lagerkoller.

Heutzutage sind die Fußball-Stars zwischen den Spielen und Trainingseinheiten schon gut damit beschäftigt, ihre sozialen Netzwerke zu pflegen. Und ansonsten stehen bei der Europameisterschaft in Frankreich Golfen, Snooker und am Pool abhängen hoch im Kurs. Und immer noch Bootsausflüge.

"Ich war mit meiner Freundin auf dem See. Das Wetter war gigantisch... Wenn der Trainer freigibt, um mal die Köpfe freizukriegen, ist Sonne ideal", erklärte Mario Gomez im Camp der DFB-Auswahl am Genfer See dem Berliner "Tagesspiegel". "Uns Spieler hat es ja in alle Richtungen verstreut." Für die deutschen EM-Asse war im örtlichen Freibad sogar ein Bereich abgesperrt, damit sie ungestört Beachvolleyball spielen konnten.

Europameister wird nur, wer auch Weltmeister im Zeit-Totschlagen ist. "Das Leben hier ist trainieren, essen und ausruhen", erklärte Spaniens Mittelfeldspieler Bruno Soriano kürzlich den immer gleichen Trott an den vielen spielfreien Tagen. Falls es jemand nicht gleich kapiert hatte: "Also, trainieren, essen - und ausruhen."

Allerdings hatte der EM-Titelverteidiger schon reichlich Frauen- und Familienbesuch auf der Ferieninsel Ile de Ré. Bayern-Profi Thiago wurde mit Kollegen am Jachthafen von Saint-Martin-de-Ré gesichtet. Kapitän Sergio Ramos veröffentlichte einen Videoschnipsel von sich, wie er mit Kinderanhänger und freiem Oberkörper am Strand entlang radelte.

Die Spieler mögen oft lieber ein Hotel in Großstädten, wo sie auch mal shoppen und sich in Restaurants mit Angehörigen treffen können. Noch heute schwärmen manche deutsche Nationalspieler vom WM-Quartier 2006 in Berlin-Grunewald.

Einzelzimmer sind längst Standard bei den Rundumsorglos-Paketen der Nationalteams. Damit man sich bei dem wochenlangen Gruppenzwang auch mal zurückziehen kann und nicht noch mit seinem Mitbewohner in die Haare kriegt. Mit Quizspielen und Tischtennis hat sich Außenseiter Wales in seinem EM-Quartier abgelenkt. "Wir genießen unseren Aufenthalt in Dinard sehr. Wir amüsieren uns und versuchen, eine positive Stimmung zu bewahren", sagte Superstar Gareth Bale in einem Interview der "L'Équipe".

Kulturprogramm ist eher selten angesagt. Immerhin nahmen die Rumänen nach ihrem Ausscheiden auch die EM-Erinnerung an einen Ausflug zum Schloss Chantilly mit. Die Engländer spielen mit Leidenschaft Golf. Im weißen Polo-Shirt mit den drei Löwen auf der Brust stapfte Kapitän Wayne Rooney über die Grüns im Club du Lys Chantilly - und musste dabei am freien Tag auch mal den Ball in den umliegenden Wäldern suchen. Peinlicherweise wurde er dabei erwischt, wie er in die Büsche pinkelte.

Wie fällt den Profis bloß die Decke nicht auf den Kopf? Oliver Bierhoff, der Manager der deutschen Mannschaft, hat sich seit dem famosen WM-Quartier Campo Bahia in Brasilien als Innenarchitekt und Freizeitgestalter quasi Welt(meister)ruhm erworben. "Was wir mitgenommen haben aus dem Campo Bahia, ist, dass kurze Wege und ein kompaktes Raumkonzept wichtige Kriterien eines Quartiers sind", erklärte er in einem Interview der Tageszeitung "Die Welt". "Wir wollen, dass man sich begegnet, sich austauscht, miteinander kommuniziert. Das Leben findet auf engstem Raum statt. So findet sich auch ein Team."

Wie Campo Bahia ist auch der "Geist" von Spiez (1954) und Malente (1974) ein fester Begriff in der deutschen Fußball-Historie. "Bei einer Weltmeisterschaft ist ein gutes Quartier schon die halbe Miete", soll schon Sepp Herberger zu seinem Assistenten Helmut Schön gesagt haben. Dank gelegentlicher Ausbüchserei haben die deutschen Fußballer auch diese Kasernierungen schadlos überstanden. Auch ohne große Unterhaltungselektronik.

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