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EM 2016: Neue Spielweise des DFB-Teams macht Mario Gomez wertvoller

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Neues Erfolgsgeheimnis  

Mario Gomez – der freie Mann fürs Grobe

30.06.2016, 20:28 Uhr | t-online.de

EM 2016: Neue Spielweise des DFB-Teams macht Mario Gomez wertvoller. Neue Kraft durch veränderte Einstellung: Mario Gomez trumpft bei der EM bisher auf. (Quelle: imago/Contrast)

Neue Kraft durch veränderte Einstellung: Mario Gomez trumpft bei der EM bisher auf. (Quelle: Contrast/imago)

Aus Evian berichtet Thomas Tamberg

Vor der EM war Mario Gomez einfach nur froh, überhaupt dabei sein zu dürfen. Als Backup war er eingeplant, falls Bundestrainer Joachim Löw doch mal auf einen richtigen Stürmer zurückgreifen möchte. Mittlerweile ist Gomez aus dem Team gar nicht mehr wegzudenken. Und das liegt nicht nur an den beiden Treffern, die er in diesem Turnier erzielt hat, sondern vielmehr an seinem veränderten Spielstil.

Das Comeback des 30-Jährigen ist bemerkenswert und hat seinen Ursprung darin, dass der Profi etwas viel Grundlegenderes geändert hat. Nämlich seine Einstellung zum Leben. Dadurch hat er einen anderen, viel gelasseneren Blick auf den Fußball gewonnen. Eine Tatsache, aus der Gomez viel Kraft schöpft.

Er wird daher nicht müde diesen Perspektivwechsel zu erwähnen, wenn er nach dem Grund gefragt wird, warum er plötzlich auf dem Feld wieder so auftrumpft. So als wundere er sich selbst darüber wie einfach doch alles sein kann.

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Traumatisches Erlebnis bei EM 2008

Ob seine Karriere noch ein Jahr geht oder fünf? Egal. Wo er nächste Saison spielen wird? Egal. "Damit beschäftige ich mich nach der EM", sagt er. Irgendeine Option werde sich schon ergeben. Ob er gegen Italien auflaufen wird? Egal. Das alles hat nichts mit Gleichgültigkeit zu tun, sondern vielmehr mit Dankbarkeit. Und daher meint es Gomez ernst, wenn er Sätze wie diesen sagt: "Wenn ich im nächsten Spiel nicht spiele, dann soll derjenige das Tor machen, der für mich spielt."

Um den neuen Gomez zu verstehen, muss man einen Blick zurückwerfen. Bei der EM 2008 vergibt der damals 22-Jährige gegen Österreich eine klare Tormöglichkeit. Seitdem begleitet ihn der Ruf des Chancentods. Dabei hat er immer seine Tore gemacht. 171 Tore in 298 Bundesligaspielen, 29 Tore in 67 Länderspielen. Doch wehe er schoss nur einmal vorbei, dann war er schnell wieder der Buhmann. Der Wechsel vom FC Bayern ins Ausland sollte eine Befreiung sein, doch es kam noch schlimmer.

Pech in Florenz, "Wiederauferstehung" in Istanbul

In den zwei Jahren beim AC Florenz war er die meiste Zeit verletzt. Die WM 2014 fand ohne ihn statt. Doch in dieser Zeit ist etwas passiert. Plötzlich musste sich Gomez nicht mehr den Kopf darüber zerbrechen, wie er gespielt hat und wie ihn andere beurteilen. Sondern vielmehr über den Umstand, gesund zu werden, um überhaupt wieder auf den Fußballplatz zurückkehren zu können. Sein Glück und Selbstvertrauen fand er schließlich in der abgelaufenen Saison in der Türkei. Dort wurde Gomez mit 26 Treffern Torschützenkönig und Meister mit Besiktas Istanbul.

"Ich habe überhaupt nicht mehr das Gefühl, dass mich alle Fans und alle Journalisten mögen müssen. Ich weiß nicht, warum das so ist. Vielleicht habe ich dieses Gefühl irgendwann mal auf der Straße liegen gelassen", sagte Gomez in einem Interview mit dem "Tagesspiegel": "Ich habe nichts bewusst dafür getan. Ich habe nicht mein Leben auf den Kopf gestellt. Ich glaube, dass ist einfach ein Mix aus Reife, Erlebtem und Gelassenheit."

Neue Spielweise macht Gomez wertvoller

Und diese Gelassenheit könnte ihn bei dieser EM noch weit bringen. Mit fünf Toren ist er bereits jetzt neben Jürgen Klinsmann der erfolgreichste deutsche EM-Torschütze aller Zeiten. "Ich freue mich über jedes Tor unendlich", sagte Gomez nach dem Spiel gegen die Slowakei, "aber mein Ziel ist nicht, Rekorde zu brechen." Er habe ein bisschen dazugelernt und wisse, dass Fußball mehr ist als nur Toreschießen. Gomez stellt mittlerweile den Mannschaftserfolg über alles. "So wie die Jungs in Brasilien gejubelt haben, so will ich in Paris jubeln."

Dafür hat der Goalgetter an sich gearbeitet. Längst lauert er nicht mehr nur im Strafraum auf Flanken, sondern arbeitet viel nach hinten mit. Und in vorderster Front versucht er die beiden Innenverteidiger immer wieder zu beschäftigen, um so Räume für die Flügelspieler zu schaffen. Gegen Nordirland trug Gomez eine blutende Wunde am Oberarm davon, auch gegen die Slowakei lieferte er sich mit Kapitän Martin Škrtel immer wieder Duelle am Rande des Erlaubten. Gomez geht längst stets dorthin, wo es ziemlich wehtun kann.

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"Für mich war klar, dass ich irgendwann gebraucht werde"

Durch diese Art des Spiels hat er sich plötzlich als fehlendes Mosaiksteinchen in Löws Angriffsfußball entpuppt. Auch wenn er nicht mit einem Zauberfüßchen wie Mesut Özil oder Mario Götze ausgestattet ist. Zwar hat Letzterer als falsche Neun nicht enttäuscht, doch durch Gomez‘ Robustheit ist eine zusätzliche Qualität dazugekommen.

Ob diese auch gegen Italien gefragt sein wird, weiß der Stürmer nicht. Ist ihm auch egal. "Für mich war klar, dass ich irgendwann gebraucht werde. Und selbst wenn ich nicht gebraucht werde, dann habe ich damit auch kein Problem. Ich wurde schließlich zwei Jahre nicht gebraucht", sagte er. So spricht einer, der seine innere Mitte gefunden hat. Jetzt sei er wieder mittendrin: "Und den Moment genieße ich."

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