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EM 2016: Harmlose Angriff bricht Deutschland das Genick

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Torloser Müller als Sinnbild  

Harmloser Angriff bricht DFB-Team das Genick

08.07.2016, 18:03 Uhr | t-online.de, dpa

EM 2016: Harmlose Angriff bricht Deutschland das Genick. Thomas Müller sitzt auf dem Hosenboden - der Ball ist wieder nicht im Tor gelandet. (Quelle: imago/PanoramiC)

Thomas Müller sitzt auf dem Hosenboden - der Ball ist wieder nicht im Tor gelandet. (Quelle: PanoramiC/imago)

"Defensive gewinnt Titel", heißt eine Redewendung im Sport. Doch Deutschland musste spätestens beim 0:2 im EM-Halbfinale gegen Frankreich schmerzlich erfahren, dass es nicht ohne eine funktionierende Offensive und Stürmertore geht. Viel Ballbesitz, viel Anrennen, genug Chancen - aber kaum Ertrag!

Den einzigen Volltreffer nach dem Turnier-Aus landete Mats Hummels in der Spielanalyse. Als der gesperrte Abwehrmann gefragt wurde, ob er mehr gefehlt habe oder der verletzte Mario Gomez, kam die Antwort blitzschnell: "Mario! Wir haben defensiv keinen schlechten Job abgeliefert. Es hat vor allem einer gefehlt, der den Ball reinschießt."

Die Torarmut war das Kardinalproblem des Weltmeisters im Duell mit der "Équipe tricolore" - aber eben nicht nur da: Sieben Tore in sechs Turnierspielen sind viel zu wenig für einen EM-Triumph.

Neuer: "Pech vor dem Tor"

Am Sieger ließ sich der Unterschied dokumentieren. Antoine Griezmann bezwang Manuel Neuer zweimal. Mit sechs Toren ist Frankreichs neuer Superheld vor dem Finale der erfolgreichste EM-Torschütze.

In Joachim Löws Truppe traf allein Gomez doppelt. Mesut Özil und Julian Draxler sorgten für zwei weitere Treffer der stumpfen Abteilung Attacke. "Ich will nicht sagen, dass es Unvermögen war", urteilte Torwart Manuel Neuer: "Wir haben vor dem Tor ein bisschen Pech gehabt."

Nicht so kaltschnäuzig wie beim WM-Triumph 2014

Pech, Unvermögen, Formkrisen, Totalausfälle - es kam viel zusammen. "Wenn man uns was vorwerfen kann, dann, dass wir bei diesem Turnier nicht ganz so kaltschnäuzig waren und unsere Möglichkeiten nicht so konsequent genutzt haben wie vor zwei Jahren", benannte Toni Kroos den wohl markantesten Unterschied zur WM.

In Brasilien gab es 18 Tore in sieben Partien, davon 13 der Offensivspieler, allein fünf von Thomas Müller. Auch Standards waren eine Stärke beim Titelgewinn 2014.

Nach dem EM-Aus 
"Mario Gomez wurde schmerzlich vermisst"

Thomas Tamberg über die Niederlage der DFB-Elf gegen Frankreich. Video

Löws größte Aufgabe bis Russland 2018

Effektivität ist eben auch ein Gütesiegel. Sie fehlte dem deutschen Team nicht erst in Frankreich. Der Chancenwucher zog sich schon durch die gesamte holprige EM-Qualifikation. Bundestrainer Löw monierte die Abschlussschwäche immer wieder.

Sie zu beheben, wird eine seiner Hauptaufgaben auf dem Weg zur WM 2018 in Russland sein. "Ich weiß aber auch nicht, wie sehr man das trainieren kann", sagte Hummels.

"Körperliche Wucht" von Gomez schmerzlich vermisst

Es ist auch eine System- und Personalfrage. Die EM bewies, dass echte Mittelstürmer wie Gomez unersetzlich bleiben. Die falsche Neun mit Mario Götze hilft gegen große Fußball-Nationen nicht weiter. Der größte EM-Gewinner im deutschen Team war Gomez, der am Finaltag zwar auch schon 31 wird, aber nach dem verpassten Triumph 2014 eine klare WM-Perspektive für 2018 hat.

"Wenn so viele Teams so tief drinstehen, tut einer wie Mario, der einfach körperliche Wucht und Kopfballstärke und Präsenz ausstrahlt, sehr gut", erklärte Hummels. Der wiedererstarkte Gomez kündigte noch vor der Heimreise an: "Wir fahren jetzt heim und versuchen es in zwei Jahren wieder."

Glückloser Müller als Sinnbild der Torarmut

Thomas Müller konnte Gomez gegen die Franzosen in der Spitze nicht gleichwertig ersetzen. "Es war nicht ganz einfach da vorne drin", stöhnte der 26-Jährige. Für Müller galt, was er allgemein anführte: "Wir haben viel versucht, aber es hat nicht sollen sein." Er selbst konnte seinen "Torfluch", wie er es nannte, nicht überwinden.

Müllers Bilanz: Zwei EM-Turniere, null Tore, zwei WM-Turniere, zehn Tore. "Wir haben uns die Tormöglichkeiten herausgespielt, aber haben bei dieser Europameisterschaft die Bälle nicht über die Linie gedrückt", resümierte Neuer. Müller stand symbolhaft dafür.

WM-Helden als EM-Verlierer

Der Münchner rackerte wenigstens 570 Turnierminuten lang für die Mannschaft. Der WM-Bomber ist darum kein Verlierer wie Mario Götze oder André Schürrle. Götze war in Brasilien der WM-Finalheld. In Frankreich ging er trotz der Förderung durch den Bundestrainer unter wie beim FC Bayern. Götze zündete nicht.

Und Schürrle? Der 25-Jährige glänzte noch bei der WM als dreifacher Torschütze und Edeljoker, der auch das Götze-Tor im Finale gegen Argentinien vorbereite. Nach drei verpufften Kurzeinsätzen brachte Löw den schon in der abgelaufenen Saison beim VfL Wolfsburg enttäuschenden Schürrle nicht mehr.

Jugend als Lichtblick

Ein Lichtblick für die Zukunft ist der 22-jährige Draxler. "Julian hat Phasen, in denen er zeigt, was er für immens große Fähigkeiten hat", lobte Löw. Beim 3:0 gegen die Slowakei im Achtelfinale blitzte das besonders auf.

"Was ich mir von ihm wünsche, ist, dass er in den nächsten Jahren Konstanz erreicht", sagte der Bundestrainer: "Dann ist er ein absolut überragender Spieler. Ich glaube, dass er zu einem ganz wichtigen Spieler wird in den nächsten Jahren."

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