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UEFA Cup: Werder Bremen und die Angst vorm HSV-Syndrom

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Schachtjor Donezk - Werder Bremen  

Bremen und die Angst vorm HSV-Syndrom

21.05.2009, 08:33 Uhr | t-online.de

Aus Istanbul berichtet Patrick Brandenburg

Den Werder-Spielern ist die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. (Foto: Reuters)Den Werder-Spielern ist die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. (Foto: Reuters) Nach hundertzwanzig Minuten Kampf und Krampf sanken die Bremer erschöpft zu Boden wie Mesut Özil. Oder stemmten fassungslos die Hände in die Hüften wie Kapitän Frank Baumann und zählten die Grashalme im Sükrü-Saracoglu-Stadion von Istanbul. Nur Claudio Pizarro schritt schnurstracks vom Feld, um sich Wasser zu holen und den Frust, die Enttäuschung und die Kraftlosigkeit herunterzuspülen.

Statt als letzter Titelträger des UEFA Cups in die Fußballhistorie einzugehen, war gerade Werder Bremens erster von zwei möglichen Versuchen kläglich gescheitert, eine mäßige Saison mit einem Titel zu retten: 1:2 im Finale gegen Schachtjor Donezk. Das dies erst scheinbar knapp nach Verlängerung geschah, ging stark an der Wirklichkeit gegen die bärenstarken Ukrainer vorbei.

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Angst vor Endspiel-Fluch

Noch habe Werder nichts erreicht, hatte Martin Jol, Trainer des Erzrivalen Hamburger SV, nach den demütigenden Werder-Wochen seiner Mannschaft geäußert, und damit Verwunderung beim Nachbarn erzeugt. Aber spätestens nach der Niederlage gegen Donezk muss sich Bremen an einen furchtbaren Gedanken gewöhnen: Noch viel schlimmer als in zwei Wettbewerben im Halbfinale zu scheitern wie der HSV, ist das Versagen in zwei Endspielen. Vom Hamburg-Syndrom ohne Umweg zum Bayer-Leverkusen-Syndrom.

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Bremen fehlen kreative Elemente im Mittelfeld

Bremens Hoffnung, es im DFB-Pokalfinale in etwas mehr als einer Woche - ausgerechnet gegen die notorischen Finalversager aus Leverkusen - besser zu machen als im über weite Strecken schwachen Auftritt gegen Donezk, ruht auf der Rückkehr von Regisseur Diego. Der Brasilianer wurde an allen Ecken und Enden vermisst. Mesut Özil war im Stadion seines Lieblingsklubs Fenerbahce nicht in der Lage, den Lauf der Dinge pro Werder zu gestalten. "Es ist ein Riesenfehler, alles an einem Spieler festzumachen“, nahm Trainer Thomas Schaaf den 20-Jährigen allerdings in Schutz. Zu Recht, denn das komplette Bremer Mittelfeld war im wichtigsten Spiel der jüngeren Vereinsgeschichte wieder in dem Wellental angekommen, in dem es schon über weite Strecken der Bundesliga-Saison zu versinken drohte.

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Donezk in erster Halbzeit klar überlegen

"Wie Schachtjor spielt, ist ja nichts Neues. Aber wir haben es einfach nicht besser hingekriegt“, sagte ein ratloser Trainer Schaaf nach der Partie. Von Beginn an hatte das Team seines Gegenübers Mircea Lucescu solch enormen Druck erzeugt, dass einem Angst und Bange werden konnte. Immer wieder kombinierte sich das Brasilianer-Quintett in Diensten der „Bergarbeiter“ in den Strafraum von Tim Wiese - dem noch mit Abstand besten Bremer: die nominell einzige Sturmspitze Luiz Adriano, 2006 Klubweltmeister mit Internacional Porto Alegre, dahinter die Flügelzangen Ilsinho und Willian, in der Mitte Jadson und Fernandinho. Dazu noch der Balkan-Brasilianer Darijo Srna, der sich immer wieder in die Offensive einschaltete. Dass es zur Pause statt 3 oder 4:0 für Donezk nur 1:1 stand - ein reines Wunder.

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Naldo lässt Werder hoffen

Aus Bundesligasicht schmerzt es zu sagen, aber das durch Oligarchen-Millionen aufgepumpte Schachtjor war technisch und vor allem taktisch fast eine Klasse besser, mit der geordneten ukrainischen Defensive, ständigem Überzahlspiel im Mittelfeld und vor Ideen sprühendem Samba-Fußball nach vorne. Nach Luiz Adrianos Führungstreffer gegen eine kopflose Werder-Abwehr (25.) stellte Naldo (35.) den Spielverlauf auf den Kopf. Nur dank seines - wohl haltbaren - Freistoßkrachers aus 25 Metern blieb Werder so lange im Spiel und durfte sich nach gut einer Stunde sogar zwischenzeitlich Hoffnung auf mehr machen, weil Donezk allmählich die Puste ausging.

Jadson erzielt den Siegtreffer

Aber es reicht eben nicht immer, sich schon bei Abpfiff der regulären Spielzeit auf Wieses Elfmeterkünste zu freuen. So war es zwar nicht zwangsläufig, aber mehr als gerecht, dass Jadson in der siebten Minute der Verlängerung eine erneute Unachtsamkeit in der Bremer Abwehr nutzte und den dritten UEFA-Cup-Sieg eines Teams aus der früheren Sowjetunion in den letzten fünf Jahren besiegelte. Sehr zur Freude seines Klubchefs Rinat Akhmetow, kann der doch jetzt Wort halten und das neue Fünf-Sterne-Stadion seines Vereins im August standesgemäß einweihen: "Bei der Eröffnung werden wir den UEFA-Pokal präsentieren“, hatte der reichste Mann der Ukraine schon vorher versprochen.

Hoffnung aufs Pokalfinale

Dafür endeten mit Jadsons Tor Werders erster Titeltraum und damit auch alle Schmähgesänge gegen den Hamburger SV, den die Fans beim Ausflug nach Istanbul so ausgiebig verhöhnt hatten. Zehn Tage inklusive ein Intermezzo als Zünglein an der Waage im Bundesliga-Endspurt bleiben Schaaf, um sein Team wieder aufzurichten bis zum Pokalfinale. Als Sieger - das dürfte die Bremer Anhängern ganz besonders motivieren - hätte Werder dann die Chance, sich in der neuen Europa League erneut bis ins Endspiel vorzukämpfen: Es steigt 2010 in der Arena des großen Rivalen in Hamburg.

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