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Favre tut sich schwer: Neunmal andere Startelf

04.10.2012, 11:12 Uhr | dpa

Favre tut sich schwer: Neunmal andere Startelf. Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre veränderte oft seine Startformationen.

Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre veränderte oft seine Startformationen. (Quelle: dpa)

Mönchengladbach (dpa) - Ein Trainer in der Pflicht: Im für 30 Millionen Euro erneuerten Borussia-Team läuft es noch nicht rund. Lucien Favre beklagt immer wieder die personellen Verluste. Dennoch stehen alle hinter dem Coach.

Favre hatte früh vor zu hohen Erwartungen gewarnt. Doch der Schuss ist nach hinten losgegangen. Statt sein neues, noch nicht funktionierendes Team starkzureden und in der Öffentlichkeit zu schützen, verweist der Coach von Borussia Mönchengladbach bei fast jeder Gelegenheit auf den personellen Aderlass im Sommer. Erste Verstimmungen rund um den Borussia-Park sind auch den Fußballprofis nicht entgangen.

"Wir sollten aufhören, über die letzte Saison zu sprechen", befand Rechtsverteidiger Tony Jantschke. Auch Kapitän Filip Daems fordert, den Blick nach vorn zu richten: "Es bringt nichts, immer zurückzuschauen." Infrage stellen lassen wollen die Spieler den Coach aber nicht. "Dass es nun sogar Kritik an Lucien Favre gibt, ist völlig unangemessen. Er hat an der jetzigen Situation am wenigsten Schuld", sagte Torhüter Marc-Andre ter Stegen der "Westdeutschen Zeitung".

Unter Favre hat Borussia Mönchengladbach in der vergangenen Saison den wohl besten Fußball seit den legendären 70er Jahren geboten, doch seit Saisonbeginn läuft es nicht mehr rund. Zum einen müssen die Abgänge Dante, Marco Reus und Roman Neustädter kompensiert werden. Zum anderen ist die Belastung durch internationale Auftritte enorm gewachsen. "Es ist natürlich noch ungewohnt für uns, alle drei Tage ein Spiel zu haben", meint Flügelflitzer Patrick Herrmann.

Favre musste umdenken. Der detailbesessene Taktiker, der in intensiven Trainingseinheiten immer wieder auf Kleinigkeiten achtet und seinen Profis Laufwege und Verschiebungen einimpft, hat durch die vielen englischen Wochen wesentlich weniger Trainingseinheiten zur Verfügung. Regeneration und Rotation sind die neuen Schlagwörter. Da muss der Schweizer, der nicht gerne über seine Arbeit redet, einen neuen Weg finden und Zuversicht zeigen.

Das große Plus im Vorjahr war eine eingespielte Mannschaft. In dieser Saison hat der Gladbacher Trainer bis zum zehnten Pflichtspiel in Dortmund neun verschiedene Startformationen auf den Rasen geschickt. Nur einmal, bei der 2:3-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg, standen die selben elf Spieler in der Anfangsformation wie am Spieltag zuvor.

Besonders viel gewechselt wurde in der Angriffsreihe: Dreimal agierte Neuzugang Luuk de Jong als einzige Spitze, dreimal gemeinsam mit Mike Hanke. Auch Igor de Camargo stand zweimal mit de Jong in der Startelf, einmal mit Hanke. Beim Europa-League-Auftakt in Limassol stand Hanke schließlich als einzige Spitze auf dem Platz.

Verwunderlich, dass der Trainer befand, seine Stürmer seien zu ähnlich. Schließlich wusste Favre, welche Spieler für die 30 Millionen Euro verpflichtet worden waren. Angeblich waren nicht alle Zugänge seine Wunschspieler. Umso mehr steht der Coach, der seinen Vertrag bis 2015 verlängert hat, in der Pflicht, seinem neuen Team ein neues System zu verpassen.

Dabei hat Favre die Unterstützung und das Vertrauen seines Sportdirektors. "Wir arbeiten daran, die Struktur zu finden, die den bestmöglichen Erfolg bringt. Da geht es erstmal nicht um Zauberfußball, sondern um Ergebnisse", sagt Max Eberl.

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