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Trochowski und Marin vor dem Duell mit dem SC Freiburg

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Berg- und Talfahrt in Sevilla  

Trochowski und Marin vor dem Duell mit dem SC Freiburg

02.10.2013, 19:22 Uhr | t-online.de

Trochowski und Marin vor dem Duell mit dem SC Freiburg. Die ehemaligen Bundesliga-Profis Piotr Trochowski (li.) und Marko Marin spielen beim FC Sevilla in der Primera Division. (Quelle: dpa)

Die ehemaligen Bundesliga-Profis Piotr Trochowski (li.) und Marko Marin spielen beim FC Sevilla in der Primera Division. (Quelle: dpa)

Von Florian Haupt

Der eine ist schon zwei Jahre da, der andere erst seit kurzem. Den einen hatten die Anhänger schon gar nicht mehr auf der Rechnung, der andere wurde mit Vorschusslorbeeren überschüttet. Beide sind ehemalige deutsche Nationalspieler und bestritten 2010 ihr letztes Länderspiel. Beide kicken jetzt für den FC Sevilla, der am Donnerstag in der Europa League den SC Freiburg (ab 18.50 Uhr im t-online.de Live-Ticker) empfängt. Beide kennen den Fußball und seine Launen, und deshalb wundern sie sich wahrscheinlich weniger über ihre Aufs und Abs als diejenigen, die sie nur von außen beobachten.                                                                              

Piotr Trochowski vergab am Wochenende im Spiel bei Real Sociedad eine dieser hundertprozentigen Torchancen, die Spieler ein Leben lang verfolgen können. Schöne Kombination, Pass von Außen, Torwart geschlagen, Trochowski braucht nur noch einschieben. Und: schiebt daneben. "Was für ein Desaster", habe er in dem Moment gedacht, sagte der Mittelfeldspieler. Es wäre das 2:0 für seine Mannschaft gewesen, am Ende spielte Sevilla bloß 1:1. Vorwürfe und Häme, damit muss ein Fußballer nach solchen Abenden rechnen. Aber für Trochowski gab es bloß Applaus. 

Marko Marin wurde im selben Spiel elf Minuten vor Schluss eingewechselt. Große Akzente konnte er nicht mehr setzen, auch weil Sevilla bald nur noch zu Zehnt auf dem Platz war. Hat er so viel anders gemacht als vor ein paar Wochen? Da feierte ihn "Marca" noch als "sensationell", und stand damit keinesfalls allein da. Jetzt unterzog ihn die Sportzeitung einer verheerenden Kritik, und sie steht damit wieder nicht alleine da. Die Mitspieler seien genervt, der Klub verzweifle über ihm, heißt es. Derselbe Marin ist innerhalb eines Monats vom Hoffnungsträger zum Problemfall geworden.

Trochowski kurz vor dem Karriereende

Trochowski kommt von weit unten. Ende September vorigen Jahres gegen den FC Barcelona, er hatte zehn Minuten zuvor das 1:0 geschossen, musste er verletzt vom Platz. Knorpelschaden, lautete die Diagnose, bei der Operation brach auch noch das überlastete Schienbein. Diese Kombination bedeute normalerweise das Karriereende, sagt Sevillas Vereinsarzt: Nur weil der Spieler "200 statt 100 Prozent" in sein Comeback investierte, habe es eine Chance gegeben.

Trochowski sagt, er kenne kaum einen Spieler in Europa, der von so einer Verletzung wieder zurückgekommen sei. Doch Anfang September diesen Jahres steht er bei einem Testspiel in Cordoba tatsächlich auf dem Rasen. Als er am Tag danach berichtet, ""ich spürte keine Schmerzen, das Knie ist nicht entzündet, und ich habe keine Angst", klatschen sogar die Journalisten Beifall.

Marin tritt schweres Erbe an

Marin kommt von weit oben, er ist ausgeliehen vom großen Chelsea. In Sevilla waren sie mächtig stolz auf diesen Coup. Wie viele spanische Vereine der oberen Mittelklasse mussten sie ihre besten Spieler ziehen lassen, darunter zuletzt auch Jesus Navas, der vom Eigengewächs zum Nationalspieler reifte. Marin bekam dessen Nummer 7, eine Ehre. Man erhoffte sich von ihm dieselben Dribblings, dieselben Flügelläufe, denselben Qualitätsschub. Und zunächst gibt es das auch auch, der quirlige Marin ist wie gemacht für den südspanischen Geschmack, bald singen sie seinen Namen. 

Aber in den letzten Spielen drängt sich ihnen ein anderer Eindruck auf. Er wirkt auf sie nicht wie der neue Navas. Sondern wie einer, der es mit sich herumträgt, von Chelsea zu kommen, und der die Provinz nur braucht, um mal wieder gut auszusehen. Selbst bei zehn gegen elf habe er gegen Real Sociedad in der Defensive nicht mitgearbeitet und durch unnütze Einzelaktionen gefährlich viele Bälle verloren, kritisiert die Presse. "Narzissmus" unterstellt ihm das "Diario de Sevilla".

"Der Geist von Trochowski"

Sevillas Trainer heißt Unai Emery, er hat zuvor bei Valencia gearbeitet und dort 2010 im Europacup eine legendäre Runde gegen Marins Bremen erlebt (1:1, 4:4). Er wollte ihn unbedingt haben und er glaubt nach wie vor an ihn. Aber es heißt, dass ihm Marins Diventum die Arbeit erschwere. Dass sich der Deutsche weigere, auf dem Flügel zu spielen, weil er sich als Chef der Offensive sieht. Der zentrale Posten wird aber von Ivan Rakitic besetzt. Der Kroate ist nicht minder von sich überzeugt, allerdings schon länger in Sevilla und immer ein Leistungsträger gewesen. Emery will ihn nicht bloßstellen, und sowieso kann er momentan keine Egotrips gebrauchen. Sevilla hat im Sommer dreizehn neue Spieler verpflichtet, der Trainer muss sie noch zusammenfügen, bislang ergibt das Puzzle erst Platz 14, dabei ist ein Europapokalplatz angestrebt.

Trochowski ist seine Position egal. Er sagt, er habe so viel gelitten, dass er jetzt hoffe, "freier Fußball spielen zu können, ohne Druck". Bei Real Sociedad hat er zum ersten Mal wieder die vollen 90 Minuten auf dem Platz gestanden. Er zeigte eine gute Partie, trotz seines verpassten Tores. Das wird anerkannt. "Einen Trochowski machen" – normalerweise würde man diesen Ausdruck jetzt vielleicht als Synonym für eine besondere Eselei ins Lexikon aufnehmen, schreibt ein Kolumnist. Aber in diesem Fall stehe er dafür, dass einer alles gegeben habe, um wieder in der Situation sein zu dürfen, so eine Chance zu vergeben. Alle in Sevilla sind gerührt von Trochowskis Comeback, seinem Kampf, seinem Charakter. Trainer Emery sieht darin das Exempel für die ganze Mannschaft: "In unserer Kabine herrscht jetzt der Geist von Trochowski".

Dank dem soll es wieder aufwärts gehen mit Sevilla. Momentan wirkt es, als wäre der bessere Neuzugang derjenige, der schon fast vergessen war.

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