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FC Sevilla gewinnt Europa League: Mehr als nur Könige 2. Klasse

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Sevillas Rekordsieg über Dnipro  

Mehr als nur Könige der zweiten Klasse

28.05.2015, 11:48 Uhr | t-online.de

Sevilla macht die historische Titelverteidigung perfekt

Die Spanier gewinnen in Warschau das intensive und gutklassige Finale gegen Dnjepr Dnjepropetrowsk mit 3:2.

Sevilla macht die historische Titelverteidigung perfekt. (Screenshot: ran)


Von Patrick Brandenburg

Für Sevillas Unai Emery war nach dem Spiel die Stunde des Pathos gekommen - und der Demut. Der Trainer des neuen Rekordsiegers der Europa League nahm gerne die Glückwünsche für den 3:2-Finalsieg über Dnipro Dnipropetrowsk an. Aber vor allem nutzte er im Bauch des Warschauer Nationalstadions die Gelegenheit, um an jene zu erinnern, die den Erfolg nicht mehr miterleben konnten. An seinen kürzlich verstorbenen Vater, und an Antonio Puerta. Der Mittelfeldspieler der Andalusier war vor acht Jahren auf dem Platz zusammengebrochen und später gestorben, im ersten Liga-Spiel der Saison. Bis heute wird sein Andenken in Sevilla hoch gehalten.

Puerta war bei den ersten beiden Siegen 2006 und 2007 dabei, als der Wettbewerb noch UEFA-Pokal hieß. Nun hat Sevilla den Cup unter dem Namen Europa League ebenfalls verteidigt. Vier Titel in dem kleineren der beiden europäischen Wettbewerbe - das hat kein anderer Klub geschafft. Entsprechend groß war der Jubel bei den Spaniern, die im Endspiel gegen den Außenseiter aus der Ukraine ihrer Favoritenstellung gerecht wurden.

Überragendes Sporterlebnis

Doch nicht nur die gut 10.000 Fans aus Sevilla erlebten einen denkwürdigen Abend in der polnischen Hauptstadt. Auch der Rest der Zuschauer nahm die Erinnerung an ein tolles Sporterlebnis mit nach Hause. Das schicke Nationalstadion war die perfekte Bühne für einen großen Fußball-Abend mit Power, Paraden und tollen Toren. Mit einem überraschend starken Underdog, einem gefeierten Lokalmatadoren, sowie einem heftigen Schock für alle und später der Erleichterung. Und schließlich mit traurigen, aber stolzen Verlierern und glücklichen, aber bescheidenen Gewinnern. Aber der Reihe nach.

Dnipropetrovsk ist nicht unbedingt für seinen Offensivwirbel bekannt, ganze 13 Tore gelangen den Ukrainern zuvor in 14 Spielen des Wettbewerbs. Und nun im großen Finale gleich zwei! Nikola Kalinic hatte das perfekt eingestellte Dnipro schon nach sieben Minuten mit einem klasse Kopfball-Aufsetzer in Führung gebracht. Kurz vor der Pause ließ Kapitän Ruslan Rotan mit einem Freistoßtor in Weltklasse-Manier den zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich folgen.

Erinnerungen an 2001 werden wach

Zu diesem Zeitpunkt erinnerte das Auf und Ab der Partie fast an das legendäre 5:4 im Finale 2001 zwischen Liverpool und Alaves. Auch in dieser Partie hatten beide Teams alle taktischen Fesseln abgestreift und eine irre Show geboten. Wenn nicht beide Keeper einen tollen Tag erwischt hätten, wären mehr als fünf Treffer drin gewesen.

Den zweiten und noch besseren Teil zu dieser Vorstellung lieferte Sevilla, das vom technischen Niveau zwei Klassen über dem Gegner zu schweben schien. Unbeeindruckt vom Rückstand zog das Emery-Team ein klasse Kurzpassspiel ab und belohnte sich schnell mit dem Ausgleich. Bei dem jubelte dann nicht nur die Sevilla-Kurve. Denn der Pole Grzegorz Krychowiak traf per Abstauber. Schon mit 16 Jahren hatte der Mittelfeld-Abräumer einst seine Heimat verlassen, um bei Girondins Bordeaux das Fußballspielen zu lernen. Erst seit dieser Saison kickt der 25-jährige Nationalspieler für Sevilla. "Das ist eine spektakuläre Nacht für uns", sagte der Pole nach dem größten Triumph seiner Karriere.

Vom Fischer zum gefeierten Final-Helden

Die allergrößte Show auf Seiten der Andalusier war aber einem Kolumbianer vorbehalten. Carlos Bacca arbeitete vor nicht einmal sechs Jahren in seiner Heimat noch als Fischer, nun sorgte der 28-Jährige mit seinem Doppelpack für den Rekordsieg. Zwei Mal tauchte der Stürmer frei vor dem Tor des starken Dnipro-Torwarts Denys Boyko auf, beide mal blieb er supercool und vollendete. Der Spätzünder hatte erst vor drei Jahren den Sprung nach Europa gewagt, und war über den FC Brügge nach Sevilla gekommen. Ganz unbescheiden widmete er seine Tore Nummer sechs und sieben im Wettbewerb "dem lieben Gott, und dem kolumbianischen Volk". 

Matheus sorgt für Schrecksekunde

Der bemerkenswerteste Moment der Partie ereignete sich durch ein Unglück. Dnipros Brasilianer Matheus war in der 86. Minute plötzlich in sich zusammengesackt und blieb regungslos liegen. Das ganze Stadion, das gerade noch die Auswechslung von Ever Banega beklatschte, der später zum besten Spieler der Partie gekürt wurde, erkannte die Situation, verstummte und erzeugte so einen ungeheuren Moment der Würde. Erst als Matheus - sich wieder bewegend - vom Platz getragen wurde, kam das Leben zurück in die Arena.

Der eine oder andere Spanier wie Trainer Emery fühlte sich sicher an den tragischen Tod Puertas erinnert. Matheus, das wurde erst hinterher klar, war mit Sevillas Außenverteidiger Benoit Tremoulinas zusammengerasselt und hatte sich dabei am Kopf verletzt. Eine genaue Diagnose steht noch aus, aber Dnipros Trainer Myron Markevych gab vorsichtig Entwarnung. "Es sieht so aus, als wäre bei Matheus alles in Ordnung." 

Daher konnten sich dann auch die Spanier über ihren Sieg freuen, der ihnen nicht nur den vierten europäischen Pokal in nur zehn Jahren beschert hat, sondern auch die Aussicht, in der kommenden Saison endlich eine Klasse höher zu spielen.

Königsklasse kann kommen

Als Fünfter der Primera Division hatte der Klub die Qualifikation für die Königsklasse noch knapp verpasst. Doch weil nun zum ersten Mal auch der König der zweiten Klasse mit einem Startplatz in der Champions League belohnt wird, verstärkt Sevilla die spanische Armada auf fünf Teams. Anmaßend wird der Klub deswegen nicht. Oder wie Emery es formuliert: "Mit Klubs wie Real Madrid oder Barcelona als Wettbewerber muss Sevilla nach seinem eigenen Glück suchen."

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